SPD: Ein hanseatisches Widerstandsnest

Peter Tschentscher, SPD-Spitzenkandidat für die Bürgerschaftswahl in Hamburg: "Wir haben einen eigenen Kurs."
Christian Charisius/dpaHamburg zeigt, wie schwer es die beiden neuen Parteichefs in weiten Teilen der Partei haben. Die Genossen von der Elbe lassen sich zwar von vielen SPD-Promis unterstützen: Die Ministerpräsidenten Stephan Weil und Manuela Schwesig waren schon da, auch Partei-Vize Kevin Kühnert hatte einen Termin an der Elbe.
Keine Zeit für die Chefs
Für Auftritte von Esken und Walter-Borjans haben die Wahlkämpfer hingegen keine Termine gefunden. „Wir konnten sie schon deshalb gar nicht einplanen, weil ja nicht klar war, welches Duo den Bundesvorsitz übernimmt“, redete sich Tschentscher um den Jahreswechsel raus und betonte: „Wir haben unsere Wahlkämpfe aber auch 2011 und 2015 ohne Bundespolitiker und sehr eigenständig geführt.“ Kurz darauf begrüßte Tschentscher die Genossin und Bundesfamilienministerin Franziska Giffey beim Neujahrsempfang.
Für das Führungsduo ist das ungünstig. Geht Hamburg verloren, fällt das unweigerlich auf die beiden zurück. Zwar glaubt niemand, dass die SPD auch nur annähernd an die 46 Prozent kommt, die die Partei vor fünf Jahren holen konnte. Richtig schlimm würde es allerdings werden, wenn die SPD nur zweitstärkste Kraft wird und dann unter einer Grünen-Bürgermeisterin Katharina Fegebank mitregieren müsste.
Doch auch das Gegenteil würde Esken und Walter-Borjans wenig bringen. Denn gelingt der Hamburg-SPD ein Sieg, können ihre Kritiker das als Beleg sehen, dass die SPD mit bodenständiger und wirtschaftsnaher Politik doch noch Wahlen gewinnen kann.
Große Teile der Bundestagsfraktion beobachten das Agieren der Parteichefs ohnehin mit Skepsis. Sie werden es deshalb gern hören, wenn der Hamburger Spitzenkandidat Tschentscher den beiden etwa bei der Frage nach der Schwarzen Null widerspricht. „Wir dürfen uns nicht zulasten der kommenden Generationen weiter verschulden“, sagte der 58-Jährige in dieser Woche der „Welt“. Und auch dem Vizekanzler Olaf Scholz, der bei der Mitgliederabstimmung um den Parteivorsitz unterlegen war, stärkt Tschentscher den Rücken. Gefragt, ob er ihn für einen geeigneten Kanzlerkandidaten halte, sagte Tschentscher dem „Spiegel“: „Ja, unbedingt.“