Spionage in Deutschland: Ex-BND-Chef Hanning soll Kontakt nach China gehabt haben

August Hanning, der ehemalige BND-Chef, 2015 im Bundestag. Hat er Spionage für andere Länder betrieben? (Archiv)
Michael Kappeler/dpa- Ermittlungen gegen Ex-BND-Chef Hanning: Verdacht auf Spionage und Landesverrat.
- Hinweise führen laut Spiegel nach China, Fokus auf General Wang Jianzheng.
- Hanning soll über Jahre Kontakte nach China gepflegt haben – gemeinsame Gremien genannt.
- Ex-Büroleiter Manfred D. lieferte Hanning laut Bundesanwaltschaft vertrauliche Dokumente.
- Bundestagsgremium kündigt Ad-hoc-Kontrolle an, um strukturelle Probleme aufzuklären.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Festnahmen des ehemaligen Geheimdienstchefs August Hanning und dessen früheren Büroleiters, Manfred D., schlagen weiterhin hohe Wellen. Noch immer ist nicht klar, für welchen ausländischen Geheimdienst der Ex-BND-Boss spioniert haben soll. Laut Recherchen des Spiegels führen die Hinweise nun nach China, wo Hanning wohl Kontakte zum Militär der Volksrepublik pflegte.
Dem Nachrichtenmagazin zufolge, hätten mehrere mit dem Fall vertraute Quellen bestätigt, dass die Ermittlungen sich mit Hannings Verbindungen in die Volksrepublik China befassen. Im Fokus steht demnach wohl ein chinesischer General, mit dem Hanning in Kontakt gestanden haben soll.
Der besagte General, Wang Jianzheng, gilt nach Informationen des Spiegels als einer der besten Kenner Deutschlands in China und war unter anderem als Militärattaché bis 2013 in der Bundesrepublik tätig. Auch nach seinem Ruhestand soll Wang die Verbindungen nach Deutschland gepflegt haben, so etwa zu Hanning. Im Vorwort eines Buches bedankte sich Wang 2017 ausdrücklich beim Ex-BND-Chef für „Hinweise und Erläuterungen“. 2023 finden sich ihre Namen auf einer Teilnehmerliste einer Europa-China-Konferenz und beide gehören zum Beratergremium eines deutsch-chinesischen Ökoparks.
Dem Spiegel zufolge könnte Hanning den Ex-Militär jahrelang mit Informationen aus dem BND versorgt haben. Ob die Kontakte zwischen dem Ex-BND-Chef und dem chinesischen General im Ruhestand nun Teil der Ermittlung sind, dazu äußerte sich die Bundesanwaltschaft jedoch nicht.
Büroleiter soll ehemaligen BND-Chef Hanning mit Informationen versorgt haben
Hanning und sein ehemaliger Büroleiter wurden am Dienstag (6. Oktober) unter anderem wegen des Verdachts auf geheimdienstliche Agententätigkeit und versuchten Landesverrats verhaftet. Beide sitzen derzeit in Untersuchungshaft. Den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft zufolge soll Manfred D. auch nach dem Ausscheiden Hannings aus dem BND diesen weiterhin jahrelang mit vertraulichen Dokumenten beliefert haben.
Der Ex‑BND‑Chef gründete nach seiner Zeit beim Geheimdienst eine Beratungsfirma. Hanning habe laut Bundesanwaltschaft die über D. beschafften Informationen „im Rahmen seiner zwischenzeitlich aufgenommenen privaten Beratertätigkeit gewinnbringend verwerten können“. In einem Fall soll er die Informationen genutzt haben, um für den Mitarbeiter eines fremden Geheimdienstes eine Analyse zu erstellen. „Ob das Produkt den Adressaten erreichte, ließ sich bislang nicht feststellen“, teilte die Bundesanwaltschaft mit.
Bevollmächtigter aus dem Bundestag soll Spionage-Vorwürfen nachgehen
Inzwischen hat Berlin Reaktionen auf den Vorfall angekündigt. Nach Informationen der dpa will das Bundestagsgremium für die Geheimdienstkontrolle den Fall Hanning jetzt untersuchen. Demnach teilte das Gremium mit, eine Ad-hoc-Kontrolle beauftragt zu haben. „Das hat zum Ziel, die Umstände zeitnah aufzuklären und einen Beitrag zu leisten, bestehende strukturelle und organisatorische Probleme abzustellen.“
Dabei scheint die Gefahr jedoch schon länger bekannt zu sein. Bereits 2023 hatte das Parlamentarische Kontrollgremium schärfere Transparenz- und Karenzregeln für Angehörige des öffentlichen Dienstes mit besonderen Kenntnissen oder Leitungsfunktionen in sicherheitsrelevanten Bereichen nach Ende ihrer Dienstzeit gefordert. Darin hieß es unter anderem: „Es besteht die Gefahr, dass dienstlich erworbene Fähigkeiten und Kenntnisse autoritären Regimen oder kriminellen Organisationen zur Verfügung gestellt werden.“


Deutschlands Sicherheit wird nicht nur von außen bedroht, sondern auch von innen ausgehöhlt, wie der Fall von Ex-BND-Chef August Hanning zeigt. Machen wir uns Sorgen um die richtigen Dinge?