über die AfD
: Notorisch gärig

Die AfD verschleißt ähnlich viele Parteichefs wie die SPD. Das hat viel mit ihrer Entstehungsgeschichte zu tun.
Von
Guido Bohsem
Berlin
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Guido Bohsem

Thomas Koehler

Einer davon lautet, dass es bei vielen so eine Art Grunderkenntnis gab: Man ist nicht alleine. Hier trafen sich Leute, die vorher in anderen Parteien keine Heimat fanden, die aneckten, die ausgegrenzt wurden.  Das ist es, was Parteisprecher Gauland meint, wenn er von einem „gärigen Haufen“ spricht. Vergnügen an der Gegenrede, lautstarke Protesterregung und Renegatentum gehören zur DNA der Partei.

Es ist schwierig, in so einer Gruppe dauerhaft Koalitionen und Unterstützer zu finden. Das gilt vor allem, wenn man sich gegen den ultrarechten „Flügel“ der AfD wendet. Die aus dem Amt geflogenen Vorgänger Gaulands und Meuthens haben das bitter lernen müssen. Denn die Truppe um den thüringischen Co–Parteichef Höcke ist eben nicht gärig, sondern einig und nutzt den Mangel an Organisation konsequent aus. Selbst bestens vernetzt und organisiert, sichert sie sich immer mehr Einfluss und Macht in der AfD.

Die Frage ist, was die Mehrheit macht: Mitziehen oder Widerstand leisten? Die Partei steht am Scheideweg, spätestens auf dem Parteitag im November. Fällt nach wahrscheinlichen Wahlgewinnen in Brandenburg und Sachsen die Entscheidung für Höcke und gegen Meuthen, wird der Gang ins Völkisch–Nationale nur noch schwer zu verhindern sein. Wie denn auch? Selbst wenn, wie Meuthen sagt, nur 30 Prozent der Partei mit dem „Flügel“ sympathisieren, heißt das noch lange nicht, dass die anderen sich gemeinsam gegen ein entschlossenes Vordringen der Ultrarechten stemmen werden. Denn dieser Widerstand dürfte in dem gärigen Haufen nur schwer zu organisieren sein.