Abschied von Urs Fischer: Union Berlin sucht Trainer – Zingler über Transfers und Verträge
Beim 1. FC Union Berlin endet eine Ära. Mit der Trennung von Erfolgstrainer Urs Fischer ist der Fußball-Bundesligist nun vollends auf dem Boden der Tatsachen gelandet.
In Köpenick beginnt nun der Abstiegskampf. Dafür werden ein neuer Trainer gesucht – und wohl auch neue Spieler. Präsident Dirk Zingler gibt Einblicke in die Planungen der Unioner.
Union Berlin und der Abschied von Urs Fischer
Am Donnerstag fällt beim 1. FC Union Berlin das Training aus. Stattdessen werden bei einem gemeinsamen Frühstück der bisherige Cheftrainer Urs Fischer und sein Assistent Markus Hoffmann verabschiedet. Fischer selbst hatte sich via „Instagram“ an die Fans des 1. FC Union gewandt und sich emotional für die Unterstützung in den zurückliegenden fünfeinhalb Jahren bedankt. Er hatte die Köpenicker erst zum Aufstieg in die Bundesliga, danach zum Klassenerhalt, in die Conference League, die Europa League und schließlich in die Champions League geführt. Er schrieb: „Wahnsinn, oder?!!!“
Mit einem Augenzwinkern zitierte er selbst das von ihm fast schon geflügelte Wort „schlussendlich“ und formulierte: „Schlussendlich“ ein ganz großes Dankeschön den Fans… ihr seid unglaublich!!!!! Es ist ein großes Glück, diese extrem positive Art der Unterstützung erlebt haben zu dürfen. Ich wünsche Union nur das Beste und bin überzeugt, dass der Klassenerhalt gelingen wird… denn Union gehört in die 1. Bundesliga!“
Union Berlin und der Interimstrainer Marco Grote
Am Mittwoch führte Sebastian Bönig die Mannschaft zum Training aufs Feld – er wird Assistenztrainer beim 1. FC Union bleiben. Nach der Länderspielpause wird ab Montag Interimstrainer Marco Grote gemeinsam mit Co-Trainerin Marie-Louise Eta und Bönig die Mannschaft auf das Heimspiel gegen den FC Augsburg vorbereiten. Präsident Dirk Zingler betonte, dass alles andere als eine Interimslösung nicht möglich gewesen wäre. „Wenn wir morgen einen neuen Trainer vorstellen würden, dann würden wir ja alles ad absurdum führen“, so Zingler bei der Pressekonferenz am Mittwoch.
Der Präsident verdeutlichte: „Bis zur letzten Sekunde lag die volle Kraft des Clubs in der Unterstützung des Trainers. Da hat sich verboten, sich schon parallel mit anderen Szenarien zu beschäftigen.“ Er erklärte zudem, dass bei der Suche eines Nachfolgers für Urs Fischer keine Eile herrsche: „Wir werden uns die Zeit nehmen, weil wir Marco Grote sehr wohl zutrauen, die Mannschaft in den nächsten Tagen oder Wochen zu führen.“
Union Berlin und die Trainersuche
Schwer absehbar, ob aus der Interimslösung Marco Grote auch eine Dauerlösung werden könnte. Möglich ist es zumindest: Der 51-Jährige besitzt die Uefa-Pro-Lizenz. Bisher war er allerdings nur beim VfL Osnabrück für wenige Monate als Cheftrainer im Herrenbereich im Amt. Präsident Dirk Zingler verdeutlichte, dass ab Montag erst einmal die Konzentration auf das wichtige Spiel gegen Augsburg gelegt werden solle: „Alles fällt einfacher, wenn wir gegen Augsburg erfolgreich sind.“
Gleichzeitig erklärte er, dass der „Prozess“, wie er die Suche nach einem neuen Cheftrainer nannte, begonnen habe. Dabei erinnerte er daran, dass man beim 1. FC Union Erfahrung damit habe, nach einer langen Trainerphase einen Nachfolger zu suchen. „Wir hatten sieben Jahre mit Uwe Neuhaus, danach war es ein bisschen holprig“, so Zingler.
Nach der Neuhaus-Entlassung im Juni 2014 waren bei Union mit Norbert Düwel, Sascha Lewandowski, André Hofschneider, Jens Keller und wieder Hofschneider insgesamt vier Cheftrainer innerhalb von vier Jahren im Amt. Danach kam Urs Fischer. Nun obliegt es Oliver Ruhnert, dem Geschäftsführer Sport, einen ähnlichen Coup bei der Trainersuche zu landen, wie er ihm mit der Verpflichtung Fischers im Sommer 2018 gelungen war.
Union Berlin und die möglichen Kandidaten
Dass Steffen Baumgart von vielen Fans als Wunschkandidat gehandelt wird, ist angesichts seiner Union-Vergangenheit kein Wunder. Dass der aktuelle Trainer des 1. FC Köln aber tatsächlich an die Alte Försterei zurückkehrt, ist eher unwahrscheinlich.
Zudem wird häufig der ehemalige Frankfurt-Coach Oliver Glasner genannt – er hatte mit der Eintracht die Europa League gewonnen. Zuletzt wurde er als neuer Trainer bei den Glasgow Rangers gehandelt, ein Engagement kam nicht zustande.
Der Däne Bo Svensson, der erst vor zwei Wochen tränenreich seinen Abschied beim FSV Mainz bekanntgegeben hatte, könnte womöglich mit seiner Art ebenfalls an die Alte Försterei passen. Dass er aber gleich wieder bereit ist für den Abstiegskampf mit dem 1. FC Union, scheint unwahrscheinlich. Der ehemalige RB-Leipzig-Trainer Ralph Hasenhüttl ist ebenfalls frei, er hat zuletzt beim FC Southampton Erfahrungen in der Premier League gesammelt.
Außerdem gerade ohne Job und mit echtem Köpenicker Stallgeruch sind der ehemalige Union-Trainer Karsten Heine, der bei der VSG Altglienicke in der Regionalliga entlassen wurde oder André Meyer (zuletzt Hallescher FC), der einst bei Union unter anderem U19-Trainer und sportlicher Leiter im Nachwuchs war. Für beide dürfte der Champions-League-Club aber deutlich eine Nummer zu groß sein.
Union Berlin und mögliche Neuzugänge
Neben der Trainersuche beschäftigt sich der 1. FC Union laut Präsident Dirk Zingler auch intensiv mit dem Transferfenster in der Winterpause. Er gab zu, dass er die Diskussionen rund um die eher glücklosen Transferaktivitäten der Berliner im Sommer mitbekommen habe. Neuzugänge wie Leonardo Bonucci (Juventus Turin), Kevin Volland (AS Monaco), Lucas Tousart (Hertha BSC), Alex Kral (Spartak Moskau), David Fofana (FC Chelsea) oder Robin Gosens (Inter Mailand) waren zwar allesamt namhaft, haben aber die Niederlagenserie nicht verhindern können.
Zingler kündigte an: „Wir werden natürlich hinschauen, was wir im Winter tun können. Wir werden schauen, wer bereit ist, Abstiegskampf anzunehmen.“ Das beträfe nicht nur die Neuzugänge, sondern alle Spieler. Auf die Frage, ob sich der neue Trainer auch neue Spieler wünschen dürfe, betonte Zingler, dass Geschäftsführer Ruhnert für die Kaderplanung zuständig sei. Er machte deutlich, dass angesichts von 190 Millionen Euro Umsatz und etwa 10 Millionen Euro Gewinn, die der 1. FC Union bei der Mitgliederversammlung verkündet hatte, Geld für weitere Neuzugänge vorhanden sei.
Union Berlin und der drohende Abstieg
Als Tabellenletzter hat der 1. FC Union Berlin erhebliche Abstiegssorgen. Präsident Zingler bekräftigte aber, keine Angst vor dem drohenden Rückfall in die 2. Bundesliga zu haben. Er betonte: „Wir sind wirtschaftlich immer auf alle Szenarien vorbereitet.“ Zudem überraschte er mit dem Hinweis: „Alle, ausnahmslos alle Spieler, haben Verträge für die 2. Liga. Es ist alles für den Fall getan worden, der uns jetzt droht.“
Nun wolle sich der Verein mit allen Kräften gegen diesen Abstieg stemmen. Zingler gab sich kämpferisch: „Ich bin nicht bereit, das einzureißen, was wir in den vergangenen fünf Jahren aufgebaut haben.“





