Bundesliga 1. FC Union Berlin: Ruhnert über seine Zukunft, schwierige Transfers und Protest

Oliver Ruhnert arbeitet seit fast sieben Jahren beim 1. FC Union Berlin: erst als Scout, dann als Manager.
Matthias KochEigentlich war für Oliver Ruhnert in der Loge 9/10 im Stadion An der Alten Försterei alles angerichtet, um bei der Pressekonferenz des 1. FC Union Berlin historisch Bedeutsames zu verkünden – nämlich seinen Rücktritt als Manager des Fußball-Bundesligisten aus Köpenick zum Saisonende.
Immerhin halten sich seit Monaten hartnäckig die Gerüchte, dass Ruhnert nach fast sieben, meistens sehr erfolgreichen Jahren einen Schlussstrich ziehen und sich anderen Aufgaben widmen könnte. Zum Beispiel in der Politik. Oder bei einem anderen Verein.
Und jetzt hatte der Verein am Mittwochnachmittag zu einer Pressekonferenz geladen. In jedem Fall wusste Oliver Ruhnert um die gespannte Erwartungshaltung der fast ein Dutzend Journalisten in Loge 9/10. Und der 52-Jährige hatte sichtlich Spaß daran. „Ich muss sie enttäuschen, ich kann heute leider nicht mit einer großen Enthüllung dienen. Ich hoffe, es enttäuscht sie jetzt nicht“, sagte Ruhnert und grinste dabei schelmisch in die Runde.
Natürlich sprach Oliver Ruhnert in dieser Medienrunde auch über seine Zukunft. Er nahm ebenfalls Stellung zu der nicht wie gewünscht verlaufenen Transferperiode im Sommer sowie dem aktuellen Kampf um den Klassenerhalt.
Oliver Ruhnert über die aktuelle Saison: „Als wir gesagt haben, dass diese Saison spannend wird und die 40 Punkte das Primärziel sind, wurden wir belächelt. Wir mussten aufpassen, dass wir neben der Champions League den Fokus auf die Bundesliga erhalten. Das ist uns in der Hinrunde schmerzhaft nicht gelungen.“
Oliver Ruhnert über den Kampf um den Klassenerhalt: „Wir müssen drei Mannschaften hinter uns lassen. Denn die Relegation bedeutet Lotterie. Wir haben noch 13 Spiele zu absolvieren. Deshalb tue ich mich schwer, jetzt schon jemand abzuschreiben. Wir besitzen aber einen großen Vorteil gegenüber den drei Teams hinter uns: Wir haben die Verbindung zu den Mannschaften im Tabellenmittelfeld hergestellt. Das ist wichtig, denn so wird der Abstiegskampf nicht nur auf vier Mannschaften projiziert.“
Oliver Ruhnert über die Transferpolitik: „Es sind uns jetzt im Winter Dinge gelungen, die uns schon im Sommer hätten gelingen sollen. Wir hatten im Sommer das Gefühl, dass in der Mannschaft Hierarchie und Leben fehlen. Durch die späten Wechsel konnte sich nicht jenes Gebilde entwickeln, wie wir es gewohnt waren.“
Oliver Ruhnert über seine Zukunft bei Union Berlin: „Wir machen diese Saison zu Ende und sprechen dann weiter. So haben wir es auch in der Vergangenheit immer gemacht. Wie die Thematik in fünf Monaten aussieht, das kann ich Ihnen heute nicht beantworten. Die Planung ist zunächst einmal so, dass ich 2024/25 genauso so intensiv vorbereite wie in all den Jahren zuvor.“
Oliver Ruhnert über seinen persönlichen Reiz für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit: „Wir haben gerade einen großen Reiz. Wir erleben das, was Union Berlin normalerweise darstellt – Kampf um den Klassenerhalt. Die Älteren werden sich erinnern: genauso war es im ersten Bundesliga-Jahr. Wir sind jetzt wieder in der Situation, wo es gilt, den Club durch den Abstiegskampf zu führen.“
Unterbrechungen mit Tennisbällen stören Oliver Ruhnert
Oliver Ruhnert über die Stimmung in der Mannschaft nach der Unsportlichkeit von Trainer Nenad Bjelica in München: „Dass eine Anti-Trainer-Stimmung herrscht, kann ich nicht bestätigen. Das ist einfach nicht wahr. Dass der eine oder andere Spieler mit Training, Taktik und Aufstellung nicht glücklich ist, passiert in jeder Bundesliga-Mannschaft. Es gab aber aus der Mannschaft zu keinem Zeitpunkt die Forderung, nicht mehr mit dem Trainer arbeiten zu wollen.“
Oliver Ruhnert über den internen Umgang mit der Sperre gegen den Trainer: „Für uns war entscheidend, wie dieser Vorfall durch das Sportgericht gewertet wird. Gibt es ein Berufsverbot oder wird es als unsportliches Verhalten gewertet? Ein Berufsverbot hätte eine ganz andere Wirkung gehabt. Darauf war unsere interne Diskussion gerichtet. Wir als Arbeitgeber mussten schauen, wie sich die Faktenlage auf die nächsten Spiele auswirkt.“
Oliver Ruhnert über die Fan-Proteste mit Tennisbällen gegen einen Investoren-Einstieg: „Meine persönliche Meinung: Ich bin unglücklich über die ständigen Unterbrechungen. Sie sind wirklich sehr, sehr störend. Aber – die Menschen, die das machen, empfinden die Abstimmung als sehr, sehr verstörend. Letztlich ist es ein Ausdruck des Protestes.“

