Bundesliga: Urs Fischer schwört Union Berlin auf „Marathon“ im Abstiegskampf ein
Der 1. FC Union Berlin hat das nächste Champions-League-Spiel bei SSC Neapel am Mittwoch vor Augen und den Kampf um den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga im Hinterkopf. Die sportliche Situation der Eisernen aus Köpenick wird immer komplizierter. Mehr noch: Die Situation ist nach dem 0:3 (0:2) gegen Eintracht Frankfurt richtig bedrohlich geworden.
Der FCU kassierte gegen Frankfurt nicht nur die zwölfte Niederlage nacheinander. Er steckt spätestens seit Samstag als Tabellen-16. mittendrin im Abstiegskampf! Das war eine der wichtigsten Botschaften, die Kapitän Christopher Trimmel nach der Niederlage gegen Frankfurt unbedingt loswerden wollte, auch wenn gerade einmal zehn von 34 Spieltagen absolviert sind. „Es ist natürlich schwierig, in so einer Phase schon von Abstiegskampf zu reden. Aber das müssen wir jetzt einfach machen“, erklärte Trimmel. Und er räumte ein, dass man intern schon seit Wochen versuche, „den Abstiegskampf in die Mannschaft hineinzubekommen“.
Dieser Umstand ist augenscheinlich – natürlich neben der aktuellen Niederlagenserie – das größte Problem der Köpenicker. Eine Mannschaft mit Stars wie Leonardo Bonucci, Robin Gosens und Kevin Volland, die eigentlich für glanzvolle Champions-League-Abende zusammengestellt worden ist, findet sich plötzlich im beinharten Bundesliga-Überlebenskampf wieder. In einer solchen Situation zählen nicht mehr nur die Beine, sondern vor allem der Kopf. Und Meriten aus der Vergangenheit zählen schon mal gar nicht.
Wie Abstiegskampf in der Praxis aussieht, erlebten die 22 012 Zuschauer am Samstagnachmittag im ausverkauften Stadion an der Alten Försterei. Die Gastgeber machten in der Startphase wieder einmal diverse Fehler in der Defensive und lagen durch den Doppelschlag von Omar Marmoush (2., 14. Minute) schnell mit 0:2 hinten. „Wir müssen die Fehler, die wir immer wiederholen, abstellen und besser verteidigen“, kritisierte Trainer Urs Fischer.
Danach rannten die Gastgeber zwar vor allem in der zweiten Halbzeit ungestüm an, hatten aber kaum zündende Ideen, um die selbstbewussten und ballsicheren Frankfurter in Bedrängnis zu bringen. „Wir machen und tun – am Ende ist die aktuelle Situation so, dass wir nicht gut genug sind. Nicht gut genug für das Toreschießen. Außerdem kriegen wir auch wieder drei Gegentore. Das reicht aktuell einfach nicht“, lautete das ernüchternde Fazit von Christopher Trimmel.
Fans unterstützen Union Berlin
Im Moment spricht nicht viel für die Eisernen – höchstens die außergewöhnliche Zuneigung der Fans sowie die Treue der Vereinsführung zu Trainer Urs Fischer. Nach dem Machtwort von Präsident Dirk Zingler zugunsten von Fischer im Stadionheft zum Frankfurt-Spiel feierten auch die Anhänger den Trainer mit Sprechchören. Ein Trainerwechsel ist auch nach zwölf Niederlagen in Köpenick kein Thema. „Es ist großartig und beschreibt den Zusammenhalt von Union Berlin. Er wird nicht nur erzählt, sondern auch gelebt. Es ist natürlich toll, wenn man in so einer schwierigen Situation diese Unterstützung spürt“, bedankte sich Fischer.
Noch mehr als diese breite Unterstützung kann Urs Fischer jedoch Erfolgserlebnisse seiner Mannschaft gebrauchen. Zumal die nächsten beiden Auswärtsaufgaben beim SSC Neapel am Mittwoch und bei Bundesliga-Spitzenreiter Bayer Leverkusen am Sonntag echte Herkulesaufgaben für das verunsicherte Team werden. Die Siegchancen sind überschaubar, das Rückschlagpotenzial jedoch ziemlich groß. Jede weitere Niederlage wird zur Zerreißprobe für den Verein und der Jobgarantie für Urs Fischer.
Die Hoffnung auf eine grundlegende Änderung im Schnelldurchlauf haben sie beim FCU ohnehin erst einmal ad acta gelegt. Nach Jahren des Höhenfluges stellt man sich in Köpenick auf einen langen Kampf um den Klassenerhalt ein. „Der Abstiegskampf ist ein Marathon und kein Sprint. Und ich glaube heute eine Mannschaft gesehen zu haben, die immer noch Marathon läuft“, betonte Fischer nach dem Frankfurt-Spiel.
Sie laufen – das ist die gute Nachricht in schlechten Zeiten. Es wird nun darauf ankommen, dass die Mannschaft diesen Marathonlauf, spricht den Kampf um den Klassenerhalt, weiterhin annimmt und endlich wieder Punkte holt.



