Fußball Oberliga
: Abstieg, Funkstille, Insolvenz? So war 2025 für Viktoria Berlin

Abstieg, Insolvenzgerüchte und sportlicher Absturz: Hinter Viktoria Berlin liegt ein Jahr voller Brüche. Der Blick zurück zeigt, wie tief der Klub 2025 gefallen ist.
Von
Brian Schmidt
Berlin
Jetzt in der App anhören
OL SD Croatia Berlin - FC Viktoria 89, 2025/26: Fußball, Herren, Saison 2025/2026, NOFV-Oberliga Nord (1. Spieltag), SD Croatia Berlin - FC Viktoria 89, Anton Kanther (FC Viktoria 89 Berlin), 03.08. 2025, Foto: Matthias Koch

Anton Kanther gehört zu den ersten Winter-Abgängen bei Viktoria Berlin. Der Mittelfeldspieler verlässt den Klub in einer Phase sportlicher und wirtschaftlicher Unsicherheit.

Matthias Koch
  • Viktoria Berlin erlebte 2025 einen sportlichen und wirtschaftlichen Absturz, inklusive Abstieg in die Oberliga.
  • Im Frühjahr 2025 wurde ein vorläufiges Insolvenzverfahren eingeleitet, später aber nicht umgesetzt.
  • Der Verein kämpfte mit Zahlungsschwierigkeiten, Spielerstreiks und arbeitsrechtlichen Konflikten.
  • Nach 16 Oberliga-Spielen: Tabellenletzter mit nur acht Punkten und einem Torverhältnis von 26:57.
  • Gerüchte über Planung für die Berlin-Liga 2026; mehrere Spielerabgänge in der Winterpause.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Noch in der Saison 2021/22 spielte der FC Viktoria 1889 Berlin in der 3. Liga und wollte sich langfristig als Berlins dritte Kraft hinter dem 1. FC Union Berlin und Hertha BSC etablieren. Doch dann folgte ein rasanter Absturz. Der Abstieg aus der Regionalliga Nordost in der vergangenen Spielzeit war erst der Anfang. Was bei Viktoria Berlin 2025 folgte, entwickelte sich zu einer Abwärtsspirale aus sportlichem Misserfolg, wirtschaftlichen Sorgen und personeller Unruhe.

Zwischen Insolvenzverfahren, wochenlanger Funkstille und einem erneuten sportlichen Absturz in der Oberliga verlor der Klub nicht nur den Anschluss an die Konkurrenz, sondern auch an Vertrauen und Stabilität.

Zum Jahresende steht Viktoria Berlin sportlich am Tabellenende, organisatorisch auf wackligen Beinen – und mit vielen offenen Fragen vor der Winterpause.

Abstieg aus der Regionalliga nach katastrophaler Rückrunde

Sportlich begann das Jahr 2025 mit einem bitteren Tiefpunkt. Viktoria Berlin beendete die Regionalliga-Saison 2024/25 auf dem 17. Platz und stieg nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses ab. Die Rückrunde geriet dabei zum Desaster: lediglich zwei Siege gelangen, zu wenig, um die Klasse zu halten.

Der Abstieg war sinnbildlich für den sportlichen Verfall. Eine einst ambitionierte Mannschaft verlor zunehmend Struktur, Selbstvertrauen und Punkte – mit fatalen Folgen für die Zukunft des Klubs.

Insolvenzverfahren und monatelange Funkstille

Kurz nach dem Abstieg leitete Viktoria Berlin ein vorläufiges Insolvenzverfahren ein. Die Unsicherheit wuchs – und sie blieb. Über Wochen und Monate herrschte nahezu komplette Funkstille. Kein Trainer, kein Kader, keine öffentlichen Stellungnahmen, keine Social-Media-Aktivität, kein erreichbarer Ansprechpartner: In der Sommerpause wirkte der Traditionsverein wie handlungsunfähig. Selbst kurz vor dem Start der Oberliga war unklar, wie und mit wem Viktoria Berlin überhaupt antreten würde.

Erst wenige Tage vor dem Ligastart kam Bewegung in den Verein. Thomas Kost wurde als neuer Trainer vorgestellt, Rocco Teichmann kehrte als Sportchef zurück. Zudem wurde bekannt, dass das Insolvenzverfahren letztlich nicht eingeleitet wurde.

Sportlich brachte das jedoch keine Wende. Es stand ein unerfahrener Kader mit vielen Spielern aus dem eigenen Nachwuchsbereich. Viktoria Berlin fand in der Oberliga zu keinem Zeitpunkt Anschluss, kassierte hohe Niederlagen und verlor sogar ein Spiel (3:10 gegen SV Tasmania Berlin) zweistellig. Die Mannschaft wirkte überfordert, unausgewogen und mental angeschlagen.

Rücktritt, Zahlungsprobleme und arbeitsrechtliche Folgen

Im Oktober zog Thomas Kost die Konsequenzen und trat als Trainer zurück. Zeitgleich wurden erneut massive Zahlungsschwierigkeiten öffentlich. Kost selbst sowie mehrere Spieler sollen teilweise über Monate hinweg keine Gehälter erhalten haben.

Jugendtrainer Haydar Hinisli übernahm interimsweise, doch die Probleme blieben. Mehrere Spieler verließen den Verein, andere wurden fristlos gekündigt. Einige Spieler hatten sogar die Möglichkeit, von ihrem Streikrecht Gebrauch zu machen, da ausstehende Zahlungen weiterhin nicht beglichen waren. Die Situation beschäftigte schließlich auch das Arbeitsgericht. Der Verein wollte zu den Vorwürfen keine Stellungnahme abgeben.

Viktoria Berlin als Tabellenletzter vor ungewisser Zukunft

Sportlich schleppte sich Viktoria Berlin in die Winterpause. Die Bilanz nach 16 Spielen ist ernüchternd: zwei Siege, zwei Unentschieden, zwölf Niederlagen, ein Torverhältnis von 26:57 und lediglich acht Punkte – Tabellenletzter.

Wie es weitergeht, ist offen. In Vereinskreisen kursierte zuletzt das Gerücht, dass Viktoria Berlin bereits für die Berlin-Liga in der kommenden Saison planen soll. Damit würde der Verein erstmals seit 2011 wieder nur auf Verbandsebene spielen.

Mit Jerome Scholz (Eintracht Mahlsdorf), Anton Kanther und Panzu Ernesto stehen die ersten Winter-Abgänge fest, weitere dürften folgen. Nach einem Jahr voller Brüche endet 2025 für Viktoria Berlin mit mehr Fragen als Antworten.

Alle wichtigen Informationen aus der Sportredaktion per WhatsApp

Die gemeinsame Sportredaktion von Märkischer Oderzeitung und Lausitzer Rundschau bietet alle wichtigen Informationen über zwei WhatsApp-Kanäle an. Egal ob der 1. FC Union Berlin in der Bundesliga, Energie Cottbus in der 3. Liga oder die packenden Spiele in der Brandenburgliga – auf diesen Kanälen erfahren Sie alle Neuigkeiten.

Für LR-Sport auf WhatsApp folgen Sie diesem Link: LR-WhatsApp-Kanal

Für MOZ-Sport auf WhatsApp folgen Sie diesem Link: MOZ-WhatsApp-Kanal

Einfach auf „Kanal ansehen“ und „abonnieren“ klicken und keine Informationen mehr verpassen.