Koch aus Köpenick, die Eisern-Kolumne: Union funktioniert nur mit Vergangenheit

Matze Koch schreibt über den 1. FC Union Berlin - in seiner Kolumne verrät er, was den Verein aus der Fußball-Bundesliga wirklich bewegt.
Matthias Koch- Union Berlin im Fokus: Vergangenheit prägt Selbstverständnis und aktuelle Einordnung.
- Mitgliederzahl wuchs von knapp 14.000 im November 2016 auf über 72.000 – teils wegen Ticketregeln.
- Sportlich zuletzt Plätze 15, 13 und 11, daher keine Europacup-Qualifikation.
- Neuer Trainer Mauro Lustrinelli will die spielerische Qualität verbessern.
- Testspiele diese Woche: Donnerstag beim Chemnitzer FC, Sonntag bei Carl Zeiss Jena.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Seit 27 Jahren berichte ich über den 1. FC Union. Schon Ende der 1970er Jahre habe ich den Verein als Zuschauer erleben können. Keine Frage, die erfolgreichste Phase der einstigen DDR-Fahrstuhlelf und Nachwende-Skandalnudel spielte sich seit dem Bundesligaaufstieg 2019 ab.
Die Mitgliederzahl lag im November 2016 noch bei knapp 14.000 eingetragenen Fans. Heuer sind es über 72.000. Seit dem Erreichen der 1. Bundesliga kamen rund 50.000 dazu. Zum einen aus Sympathie, zum anderen aus Zwang. Denn ohne Mitgliedschaft lassen sich keine Tickets oder Stadionaktien erwerben.
Von im letzten Jahrzehnt von Union in den Bann gezogenen Kindern oder Jugendlichen wissen vielleicht viele nicht, dass es für den 1966 gegründeten Verein auch härtere Zeiten gab. Sie haben möglicherweise auch die internationalen Partien in der Conference, Europa und Champions League miterlebt. Es könnte sogar sein, dass sie enttäuscht sind, dass namhafte europäische Vereine wie Real Madrid seit zweieinhalb Jahren nicht mehr zu Pflichtspielen gegen Union antreten müssen.
Mauro Lustrinelli will die Wende beim 1. FC Union Berlin
In der Bundesliga war Union in den letzten drei Spielzeiten mit den Platzierungen 15, 13 und 11 nicht gut genug für die Europacup-Qualifikation. So mancher Fan und Medienvertreter haderte mit der spielerischen Qualität der Profis. Der neue Trainer Mauro Lustrinelli möchte das abändern.
Unabhängig davon ist die achte Bundesligasaison am Stück ein Riesenerfolg für den Tabellen-14. der „Ewigen Tabelle in der DDR-Oberliga“. Einstige ostdeutsche Vorzeigeklubs wie der FC Carl Zeiss Jena, BFC Dynamo und Dynamo Dresden sind meilenweit abgehängt worden.
Wenn man die „zugewanderte“ Elf von RasenBallsport Leipzig (Platz 26/622 Punkte) ausklammert, liegt in der „Ewigen Bundesliga-Tabelle“ aus dem Osten nur noch Hansa Rostock (29/479) einen Rang vor Union (30/322).
Union Berlin als ostdeutscher Fußball-Leuchtturm?
Wenn Union noch vier Serien erstklassig bleiben würde, dürften die Südostberliner auch statistisch der ostdeutsche Fußball-Leuchtturm sein. Aus meiner Sicht funktioniert Union nur mit dem Blick auf die Vergangenheit, der Demut mit sich bringt.
Die meisten älteren Fans wissen, wovon ich rede. In dieser Woche werden einige von ihnen zu den Testspielen am Donnerstag (18.30 Uhr) beim Chemnitzer FC und am Sonntag (15.30 Uhr) beim FC Carl Zeiss Jena mitreisen und in Erinnerungen schwelgen.
Im FDGB-Pokal-Finale von 1968 gegen Jena holte Union den bis heute einzigen nationalen Titel. In Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz, gelang 1988 am letzten Spieltag durch einen 3:2‑Sieg doch noch der Klassenerhalt in der DDR-Oberliga. Diese Erfolge als Underdog zählen zu den Mosaiksteinen der inzwischen positiven gesamtdeutschen Gemengelage des Vereins.

