Koch aus Köpenick, die Eisern-Kolumne
: Union und St. Pauli längst keine Blutsbrüder mehr

Matze Koch beleuchtet in der Kolumne „Koch aus Köpenick“ die einstige Freundschaft zwischen dem 1. FC Union Berlin und dem FC St. Pauli.
Von
Matthias Koch
Berlin
Jetzt in der App anhören
Matze Koch schreibt über den 1. FC Union Berlin - in seiner Kolumne verrät er, was den Verein aus der Fußball-Bundesliga wirklich bewegt.

Matze Koch schreibt über den 1. FC Union Berlin - in seiner Kolumne verrät er, was den Verein aus der Fußball-Bundesliga wirklich bewegt.

Matthias Koch
  • Union und St. Pauli treffen am Sonntag (15.30 Uhr) im Abstiegskampf aufeinander.
  • Beide Klubs pflegten einst Nähe: „Blutsbrüder“-T-Shirts und ein Benefizspiel 2004 in Köpenick.
  • Die Fanfreundschaft bröckelte: Graffiti „SCHEISS ST. PAULI“ in Köpenick vor dem Duell am 30. August.
  • Ultras entzweiten sich spätestens nach Vorfällen am 4. Oktober 2014 in Hamburg.
  • 2016 folgte im Gästeblock ein „Blutsbrüder? April, April!“-Banner – samt erbeuteter Fahnen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es wird rundgehen im Stadion An der Alten Försterei. Am Sonntag (15.30 Uhr) duellieren sich der 1. FC Union und der FC St. Pauli um wichtige Punkte im Abstiegskampf. Die Hamburger wollen Relegationsplatz 16 verlassen. Union will den Abstand zur gefährlichen Zone auf jeden Fall wahren.

Es ist das vierte direkte Duell zwischen beiden Teams in der 1. Bundesliga, die auf den ersten Blick durchaus einiges gemeinsam haben. Sie gelten jeweils als Kiezkicker. In ihren Städten gibt es mit dem Hamburger SV und Hertha BSC vermeintlich größere Vereine. St. Pauli und Union dürfen sich mit dem Underdog-Image schmücken.

Sie selbst würden sich so wohl nicht titulieren. Aber der Begriff Kultverein wird im Zusammenhang mit beiden Klubs oft verwendet, weil die Fans als besonders treu gelten und auch in wirtschaftlich schweren Zeiten nie von der Fahne gingen.

Gemeinsames Merchandise und Freundschaftsspiel

Es gab sogar eine Phase, als beide Vereine als „Blutsbrüder“ durchgingen und T-Shirts mit den Logos beider Klubs mit diesem Begriff verkauft und bei Spielen getragen wurden. Der Grund: St. Pauli trat am 2. Juni 2004 zu einem „Blutsbrüder“-Freundschaftsspiel in Köpenick an, damit Union weiteres Geld für die Drittliga-Lizenz 2004/05 zusammenbekommt.

Die zur Schau getragene Seelenverwandtschaft hielt aber nur kurz. Jüngere Fan-Generationen können damit nichts anfangen. Vor dem letzten Union-Heimspiel gegen St. Pauli am 30. August 2024 (1:0) wurde im S-Bahnhof Köpenick eine weiße Wand in riesigen Lettern in schwarzer Farbe mit dem Schriftzug „SCHEISS ST. PAULI“ versehen. Derartige Sprechchöre sind auch am Ostersonntag von Teilen der Union-Fans zu erwarten. Es gab sie auch schon bei Union-Partien, in denen der Gegner gar nicht St. Pauli hieß.

Die Stimmung im Millerntorstadion empfinden die meisten Union-Fans sicher als gut. Auch dort ist es sehr laut. Aber St. Pauli ist für viele gegnerische Anhänger, selbst wenn sie ebenfalls linksorientiert sind, auch zu politisch und kommerziell geworden.

Auseinandersetzung der Ultras in Hamburg

Die Ultras beider Vereine sind spätestens seit den Auseinandersetzungen im Rahmen von Unions 0:3-Zweitliga-Niederlage am 4. Oktober 2014 in Hamburg nicht mehr gut aufeinander zu sprechen. Damals gab es in der Nähe eines Cafés auf St. Pauli Probleme zwischen Stadionverbotlern der Eisernen und Heim-Anhängern. Die Polizei erteilte damals den Unionern Platzverbote.

Beim folgenden Zweitligaspiel des FCU bei St. Pauli am 1. April 2016 (0:0) wurden im Gästeblock Transparente mit der Botschaft „Union und St. Pauli: Blutsbrüder!“ hochgehalten. Das verwunderte zunächst. Doch mit den nächsten Bannern folgte die Auflösung: „April, April!“

Im Anschluss präsentierten die Unioner erbeutete Fahnen von St. Pauli und des SV Babelsberg 03, deren Fans St. Pauli nahestehen. Das Revier zwischen beiden Lagern ist abgesteckt. Wahrscheinlich würden es die meisten Fans beider Lager dennoch begrüßen, wenn im nächsten Jahr weitere gemeinsame Bundesliga-Duelle anstehen.

Alle wichtigen Informationen aus der Sportredaktion per WhatsApp

Die gemeinsame Sportredaktion von Märkischer Oderzeitung und Lausitzer Rundschau bietet alle wichtigen Informationen über zwei WhatsApp-Kanäle an. Egal ob der 1. FC Union Berlin in der Bundesliga, Energie Cottbus in der 3. Liga oder die packenden Spiele in der Brandenburgliga – auf diesen Kanälen erfahren Sie alle Neuigkeiten.

Für LR-Sport auf WhatsApp folgen Sie diesem Link: LR-WhatsApp-Kanal

Für MOZ-Sport auf WhatsApp folgen Sie diesem Link: MOZ-WhatsApp-Kanal

Einfach auf „Kanal ansehen“ und „abonnieren“ klicken und keine Informationen mehr verpassen.