Skisprung
: Streit um Zuschuss für den Zauberteppich des Wintersportvereins Bad Freienwalde

Die Stadtverordneten von Bad Freienwalde haben am Donnerstagabend (2.September) um den Investitionszuschuss für den Wintersportverein gerungen. Wie ist ihre Entscheidung ausgefallen?
Von
Steffen Göttmann
Bad Freienwalde
Jetzt in der App anhören
  • Bad Freienwalde bewilligt 91.000 € Zuschuss für Aufstiegshilfe des Wintersportvereins.
  • WSV plant 180.000 € Projekt: Förderband und Treppenlift für junge Skispringer.
  • Maßnahme essenziell für mögliche Jugend-WM 2023 und effektiveres Training.
  • Kritik an hohen Kosten, aber Erfolge der Springer stärken Befürworter.
  • Vandalismus an Schanze kostete Verein bereits 40.000 € für Reparaturen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

  • Appell: Skispringer Florian Fechner (12) bittet die Bad Freienwalder Stadtverordneten um den Zuschuss für die Aufstiegshilfe.

    Appell: Skispringer Florian Fechner (12) bittet die Bad Freienwalder Stadtverordneten um den Zuschuss für die Aufstiegshilfe.

    Steffen Göttmann
  • Sportstätte: Die Skisprungschanzen in Bad Freienwalde.

    Sportstätte: Die Skisprungschanzen in Bad Freienwalde.

    Günter Grützner
1 / 2

Der Wintersportverein 1923 Bad Freienwalde (WSV) plant schon länger den Bau eines „Zauberteppichs“, eines Förderbandes, und eine Treppenlifts die die jungen Skispringer vom Fuß der Schanzen an die Hangkante befördern. Grund ist, dass die Sportler beim Aufstieg viel Kraft verlieren und Wettbewerbe länger dauern, weil sie mit voller Montur die Treppe hoch steigen und dabei auch noch ihre Ski schleppen müssen. Der WSV begeht im Jahr 2023 das 100–jährige Bestehen und kommt aus Sicht des Internationalen Skiverbandes FIS und des Deutschen Skiverbandes (DSV) für die Ausrichtung der ersten Jugendweltmeisterschaften im Spezialsprunglauf und in der Nordischen Kombination in Betracht. Dazu ist die Aufstiegshilfe eine wesentliche Voraussetzung.

WSV will 180.000 Euro investieren

Für den Bau Aufstiegshilfe und eines Treppenliftes investiert der Verein 180.000 Euro. Die eine Hälfte finanziert er aus Eigenmitteln und Spenden, für die andere Hälfte beantragte er bei der Stadt 91.000 Euro Zuschuss. Beantragte Fördermittel vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport blieben aus. Der sogenannte Zauberteppich reicht vom Aufspungang bis zur K 20–Schanze“, erläuterte WSV–Vorsitzender Dieter Bosse. Dann ist der Hang zu steil dafür, so dass sich daran ein Treppenlift anschließen wird, der das Fundament der vorhanden Treppe nutzt.

Springer hofft auf Teilnahme an Olympischen Spielen

„Ich möchte einmal vom Vikersundbakken, der größten Schanze der Welt, springen und an den Olympischen Spielen teilnehmen“, sagte Florian Fechner (12), einer der aktuell erfolgreichsten Springer des Wintersportvereins, in der Einwohnerfragestunde der Stadtverordnetenversammlung. Seine Bestleistung liege bei 67,5 Metern. „Bitte stimmen Sie der Vergabe zu, weil wir dann besser und effektiver trainieren können“ appellierte er an die Politiker. Die Kinder haben in vergangenen Jahren so große Erfolge erzielt, dass wir nicht mehr als Spinner verlacht werden“, fügte seine Mutter, Ulrike Fechner, hinzu.

Zwei Fraktionen kritisieren Höhe des Zusschusses

WSV–Vorsitzender Dieter Bosse nahm wegen Befangenheit weder an der Diskussion noch an der Abstimmung teil und wechselte ins Publikum, beantwortete aber Fragen aus der Runde. Auf den Fraktionen der Wählervereinigung 2019/FDP/Wählergemeinschaft Insel und der AfD gab es massive Bedenken wegen der Höhe der Ausgaben. „Ist denn sicher, dass alle Sponsoren ausgeschöpft sind“, wollte AfD–Fraktionschef Lars Günther wissen. Er hätte sich gewünscht, fügte er hinzu, dass sich die Bank mit einem symbolischen Beitrag beteiligt. „Ein solches Projekt braucht viel mehr Sponsoren“, so Günther. Der Beschlussvorlage war ein Schreiben des Vorstandes der Sparkasse Märkisch–Oderland beigefügt, in dem er den Verein lobte, weil ihn der DSV als „Talentpunkt“ ausgezeichnet hatte

Vandalismusschaden kostet 40.000 Euro

Bosse machte deutlich, dass der Verein sich im Wesentlichen durch Eigenmittel und Spenden finanziert. 60.000 bis 80.000 Euro koste die Schanzenanlage jährlich den Verein. Die Schanzen gehören dem, Verein, der Grund und Boden der Stadt. Wegen Vandalismus an der großen Schanze habe der WSV in diesem Jahr 40.000 Euro zusätzlich für Reparatur ausgeben müssen. Unbekannte waren mit einem Auto die Aufsprunghang hoch gefahren, brachen ein und beschädigten die Holzkonstruktion.

Massive Kritik vom Vertreter der FDP

Die Zahl der Springer und die Ausgabe stehen in keinem Verhältnis, erklärte Peter Glaetzner (FDP). Daher frage er sich, ob der hohe Betrag gerechtfertigt sei. Das Jahn–Stadion dagegen sei eine Einrichtung der Stadt.Angela Hannemann (Linke) sprach sich für den Antrag aus. Sie wisse, dass der Verein ständig auf der Suche nach Sponsoren sei. „Was für den WSV spricht: Bei allen Maßnahmen, die wir als Stadt gefördert haben, gab es nie eine Nachtragsforderung. Wir wissen also, auf was wir uns einlassen“, erklärte sie. Der Seitenhieb richtet sich an Glaetzner und den SV Jahn, dessen Umbauten im Stadion jeweils deutlich teurer wurden, als geplant.

Zustimmung überwiegt

Auch Evelyn Faust (Grüne/Kurstadt für alle/NCC) und Vera Wesner (Linke) legten sich angesichts der Erfolge des WSV, derden Namen der Stadt weit über die Grenzen hinaus trage, in die Bresche. Letztlich gab es zehn Stimmen für den Zuschuss, vier Gegenstimmen und fünf Enthaltungen.