Union Berlin gegen Bielefeld
: Kevin Volland und sein Traum von der Nationalmannschaft

Kevin Volland gehört bei Union Berlin zu den Gewinnern des Trainerwechsels. Allein daran will der Stürmer seine Leistungssteigerung nicht festmachen. Volland gibt Einblicke in die Psyche eines Profifußballers.
Von
Frank Noack
Berlin
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Kevin Volland gehört bei Union Berlin zu den Gewinnern des Trainerwechsels. Allein daran will der Stürmer seine Leistungssteigerung aber nicht festmachen.

Matthias Koch

Kevin Volland lebt im Hier und Jetzt. Und diese Gegenwart heißt: Kampf um den Klassenerhalt mit dem 1. FC Union Berlin in der Fußball–Bundesliga. Ein wenig Raum für Gedanken an die Zukunft bleibt aber dennoch. Zum Beispiel der Traum von einem Comeback in der deutschen Nationalmannschaft bei der Heim–Europameisterschaft in diesem Jahr.

Die Feiertage hat der 31 Jahre alte Stürmer der Eisernen gemeinsam mit seiner Frau sowie den drei Kindern zu Hause im Allgäu verbracht. „Die Pause war wichtig, um mal die Birne freibekommen. Wir hatten viele Spiele, es war Druck auf dem Kessel. Deswegen tat der Urlaub gut“, blickt Volland zurück.

Gegenwart — das bedeutet im Moment tägliches Training im Rahmen der Winter–Vorbereitung im regnerischen Köpenick. Am Samstag findet das erste und einzige Testspiel statt. Der FCU und Volland treffen im Stadion An der Alten Försterei auf Drittligist Arminia Bielefeld (15.30 Uhr).

Kevin Volland ist in diesen Tagen so etwas wie der personifizierte Hoffnungsträger bei Union Berlin im Kampf um den Klassenerhalt. Und irgendwie ist er auch eine Art Allzweckwaffe — auf und neben dem Rasen. Im letzten Spiel vor der Winterpause legte er beim wichtigen 2:0–Sieg gegen den 1. FC Köln beide Treffer auf und strahlte danach in jede Kamera. In dieser Woche stellte er sich als erster Spieler im neuen Jahr 2024 in einer Medienrunde den Fragen der Presse.

Volland gab dabei bemerkenswerte Einblicke in die Psyche eines Profifußballers, die weit über das Erklären von taktische Zusammenhängen hinausgingen. Zum Beispiel, wie er mit Kritik umgeht. Zumal der im Sommer mit großen Hoffnungen verpflichtete Stürmer davon speziell in den ersten Wochen seiner Zeit in Köpenick eine ganze Menge über sich ergehen lassen musste. „Ich habe meine Leistung nicht abgerufen“, sagt Volland selbstkritisch.

Bereits am 3. Spieltag sah er gegen RB Leipzig (0:3) die Rote Karte und war danach wochenlang gesperrt. Aber Volland hat durch seine Profistationen bei 1860 München, TSG Hoffenheim, Bayer Leverkusen sowie AS Monaco gelernt, mit solchen Situationen und auch mit Kritik umzugehen. „Es gibt Spieler, die schauen extrem viel in die Zeitungen. Bis zu meinem Wechsel nach Monaco habe ich das auch getan. Im Ausland habe ich dann achtzig oder neunzig Prozent weniger gelesen. Vielleicht hängt es auch mit der anderen Sprache zusammen“, erzählt Volland: „Ich lasse jetzt weniger an mich ran. Ich bin in einem Alter, in dem ich selbst gut genug einschätzen kann, ob ich ein gutes oder ein schlechtes Spiel gemacht habe. Und ich habe meine Familie sowie enge Freunde, die mir das ehrlich sagen.“

Kevin Volland kriegt die Kurve

Bei Union Berlin bekam Kevin Volland nach seinem späten Ausgleich beim 1:1 gegen den FC Augsburg Schritt für Schritt die Kurve. Seine Bilanz in den zurückliegenden sechs Pflichtspielen kann sich sehen lassen: drei Tore und zwei Vorlagen. Unter dem neuen Trainer Nenad Bjelica erhielt der Stürmer deutlich mehr Spielpraxis und auch eine neue taktische Aufgabe. Er rückte mehr ins Zentrum und kann hier seine technische Finesse besser ausspielen als auf der Außenbahn.

„Ich habe von Anfang an das Vertrauen bekommen. Wenn man das so spürt, bin ich ein Spieler, der der Mannschaft auch helfen kann. Vielleicht ist das der Grund, weshalb es jetzt läuft“, sagt Volland. Ein Trainerwechsel sei dennoch „nicht der Grund, warum man auf einmal Leistung bringt“. Ein Routinier wie Volland sucht die Ursachen vielmehr in erster Linie bei sich selbst.

Derart reflektiert spricht Kevin Volland auch über ein mögliches Comeback in der deutschen Nationalmannschaft bei der Heim–Europameisterschaft in diesem Jahr. Klingt aktuell ziemlich verrückt — und ist es wohl auch. Aber: 2021 schaffte er schon einmal durchaus überraschend und auf den letzten Drücker den Sprung in den DFB–Kader für die EM. „Es steht und fällt mit der Konstanz sowie mit der Leistung. Ich habe es damals auch nicht erwartet, dass ich bei der EM bin. Aber ich bin realistisch genug. Ich weiß, wie der DFB arbeitet. Es gibt ein Grundgerüst im Kader, und das ist gut so“, erklärt Volland.

Aber Bundestrainer Julian Nagelsmann ist bekanntlich auf der Suche nach Offensivkräften, noch dazu mit dem Erfahrungsschatz wie ihn Kevin Volland vorweisen kann. Nagelsmann war schon bei der TSG Hoffenheim sowie in der U17 von 1860 München sein Trainer. „Ich glaube, dass Julian Nagelsmann extrem nach Leistung aufstellt und einlädt“, findet Volland und blickt kämpferisch von der Gegenwart in die Zukunft: „Es ist noch ein halbes Jahr bis zur EM, eine komplette Rückrunde. Im Fußball geht es echt oft schnell.“

Zunächst steht für ihn aber der Kampf um den Klassenerhalt im Hier und Jetzt mit dem 1. FC Union im Mittelpunkt.