Union Berlin Bundesliga: Frust der Fans – Ist Kevin Behrens noch ein Fußballgott?

Ungewohntes Grün: Nach dem Wechsel von Union Berlin zum VfL Wolfsburg kommt Kevin Behrens am Samstag als Gegner in das Stadion An der Alten Försterei.
dpa/Sören StacheBeim 1. FC Union Berlin hat sich in den vergangenen Wochen und Monaten viel verändert, sehr viel sogar. Die Eisernen aus Köpenick spielten zwischenzeitlich in der Champions League – jetzt kämpfen sie in der Fußball-Bundesliga um den Klassenerhalt.
Eines hat sich bei Union Berlin indes nicht verändert: Von den Fans werden nicht nur die eigenen Spieler, sondern auch Ex-Unioner beim Verlesen des Namens vor dem Anpfiff mit dem einem ganz besonderen Titel bedacht: Fußballgott. Vor dem Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg am Samstag um 15.30 Uhr im Stadion An der Alten Försterei stellt sich deshalb die Frage: Ist der Ex-Unioner und Neu-Wolfsburger nach seiner viel diskutierten Video-Botschaft zum Thema Professionalität jetzt noch ein Fußballgott für die Union-Fans?
Dabei schien Kevin Behrens noch vor ein paar Tagen auf dem besten Weg zur Vereins-Ikone zu sein. Behrens war im Sommer 2021 vom damaligen Zweitligisten SV Sandhausen zum FCU gewechselt – und er passte wie die Faust aufs Auge nach Köpenick. Der Stürmer gilt als Inbegriff des Fußballarbeiters. Er schaffte sogar den Sprung in die Nationalmannschaft, auch wenn er letztlich nur vier Minuten im Team von Bundestrainer Julian Nagelsmann auf dem Rasen stand. Dass Behrens am liebsten mit dem Fahrrad zum Stadion radelte, kam bei den Fans ebenfalls gut an.
Ende Januar ereilte jedoch die Beinahe-Vereins-Ikone der Lockruf des VfL Wolfsburg – und damit des Geldes. Sein Vertrag in Wolfsburg dürfte deutlich besser dotiert sein als das aufgelöste Arbeitspapier in Köpenick. Und es ist für den 33-Jährigen vermutlich der letzte große Vertrag in seiner Karriere. Das allein hätten die Fans der Eisernen wohl noch verkraftet. Überhaupt nicht gut kam indes ein clubeigenes Video der Niedersachsen unmittelbar nach der Verpflichtung von Behrens am 31. Januar an. Auf die Frage nach dem Grund für seinen Wechsel zum VfL Wolfsburg antwortete der Stürmer: „Weil es nochmal ein Verein in der Bundesliga mit Ambitionen ist. Nochmal stückweit professioneller als bei Union.“
Ob Kevin Behrens diese Worte mit dem Wissen von heute noch einmal so wählen würde, darf bezweifelt werden. In jedem Fall sorgte seine Aussage zur Professionalität für viel Unmut unter den Anhängern von Union Berlin. Behrens sei undankbar gegenüber jenem Verein, der ihn doch erst zum Bundesligaprofi gemacht hat (75 Spiele, 14 Tore).
Union-Präsident Dirk Zingler hatte kürzlich klar aufgezeigt, warum Kevin Behrens für die Ablösesumme von 1,3 Millionen Euro nach Wolfsburg gewechselt ist. „Weil er gehen wollte. Wir haben ihn nicht angeboten oder gesagt, er soll sich einen neuen Verein suchen. Kevin ist auf uns zugekommen“, stellte Zingler klar: „Spieler, die gehen wollen und mit dem Kopf schon woanders sind, sollte man nicht aufhalten. Wir haben allen Spielern gesagt: Wenn sie aus ihrer Sicht den nächsten Karriereschritt machen wollen, dann werden wir diesen Schritt nicht verhindern. Das wäre einfach unfair.“
Verlust für Union Berlin
In jedem Fall ist der Abschied von Kevin Behrens ein Verlust für den 1. FC Union – auf dem Rasen und auch in der Kabine. Der Stürmer hatte zuletzt zwar Ladehemmungen vor dem gegnerischen Tor. Aber teamintern galt er trotzdem als einer der Wortführer und vor allem als Frohnatur. „Ich habe ihn nur kurz kennenlernen dürfen. Er ist schon ein genialer Typ“, betonte Kevin Vogt. Der Winter-Neuzugang hat aber Verständnis für den Wechselwunsch von Behrens. „Der Junge ist 33 Jahre geworden, hat drei Kinder und wollte diese Chance für sich noch einmal wahrnehmen. Auf der einen Seite tut es uns weh, weil wir einen tollen Menschen verloren haben. Auf der anderen Seite ist so das Geschäft. Das muss man respektieren.“
Dennoch scheint das viel diskutierten Wolfsburg-Video den Respekt vieler Union-Fans für Kevin Behrens auf eine harte Probe zu stellen. Dabei hatte sich der Stürmer mit einer blumigen Liebeserklärung aus Köpenick verabschiedet. Union Berlin sei für ihn zur „Familie“ geworden. Er habe eine unglaublich schöne Zeit erleben dürfen, „die für immer einen Platz in meinem Herzen haben wird“, ließ sich Behrens in der Vereinsmitteilung zitieren.
Die spannende Frage ist, ob Kevin Behrens auch für die Union-Fans jetzt noch eine Herzens-Angelegenheit darstellt. Nur 13 Tage nach seinem Abschied empfängt ihn die „Familie“ am Samstag als Stürmer des VfL Wolfsburg und damit als Gegner. Aber empfängt sie Behrens auch als Fußballgott?

