Union Berlin
: Kevin Behrens als Anführer gefragt – Bundesliga-Club will den Stürmer

Verletzt, torlos – und wichtig. Kevin Behrens füllt bei Union Berlin eine Führungsrolle aus, die durch die Sperre von Trainer Bjelica an Bedeutung gewinnt. Ein anderer Club ist nun am Angreifer dran.
Von
Jan Lehmann
Berlin
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Kevin Behrens wartet seit fünf Monaten auf einen Treffer in der Fußball-Bundesliga. Dass der Angreifer dennoch beim 1. FC Union Berlin aktuell extrem wichtig ist, wurde nach dem Sieg gegen den SV Darmstadt deutlich.

Michael Taeger/Imago

Zwei Großchancen vergeben und mit einer Knieverletzung kopfschüttelnd ausgewechselt: Kevin Behrens vom 1. FC Union Berlin schien auf den ersten Blick beim 1:0-Heimsieg der Eisernen am Sonntag gegen den SV Darmstadt einen nur mittelprächtigen Arbeitstag im Stadion der Alten Försterei erlebt zu haben. Frustriert verließ er kurz vor Schluss das Spielfeld. Dass er seit dem 26. August nun schon fünf Monate auf sein nächstes Bundesliga-Tor wartet, könnte seine ohnehin nur kleinen Chancen auf eine Nominierung für den deutschen EM-Kader weiter schmälern.

Das dies womöglich ein Trugschluss ist, wurde nach Spielende deutlich. Dort gab es überschwängliche Lobeshymnen von seinem Sturmkollegen Benedict Hollerbach und auch von Co-Trainerin Marie-Louise Eta. Der Kurzzeit-Nationalspieler, der im Oktober 2023 für drei Minuten gegen Mexiko randurfte, ist in den turbulenten Tagen mit den Diskussionen um die Sperre von Trainer Nenad Bjelica offenkundig ein wichtiger Anführer für die Mannschaft und auch das Trainerteam.

Das ist offenbar auch dem VfL Wolfsburg nicht verborgen geblieben. Laut „Wolfsburger Allgemeine Zeitung“ hat der VfL Interesse an Behrens angemeldet. Die Transferperiode läuft noch bis Donnerstag, es steht eine Ablösesumme von vier Millionen Euro im Raum.

Behrens wird laut in der Kabine von Union Berlin

Hollerbach gab Einblicke in die Kabine: „Kevin hat in der Kabine richtig Verantwortung übernommen und in der Halbzeit ist er sehr laut geworden. Aber wer so laut wird, muss das auf dem Platz auch zeigen und ich finde, das hat Kevin überragend gemacht.“ Mit großer Laufbereitschaft hatte Behrens in dem komplizierten Abstiegskampf-Duell die Darmstädter Abwehr mürbe gespielt. Nebenmann Hollerbach nutzte dann den entscheidenden Konter zum für die Eisernen beinahe schon erlösenden Heimsieg.

Weil Trainer Nenad Bjelica vom DFB wegen Unsportlichkeit gegen Bayern-Profi Leroy Sané für drei Spiele gesperrt ist, konnte der Coach die Mannschaft während des Spiels nicht anleiten. Das übernahmen neben Co-Trainer Danijel Jumic und Assistentin Eta eben auch die Führungsspieler – allen voran offenbar Kevin Behrens. Benedict Hollerbach verdeutlichte: „Er ist extrem viel angelaufen, hat extrem viel gekämpft und gecoacht. Er hat das sehr gut gemacht, was ein erfahrener Spieler machen soll.“

Marie-Louise Eta, die Bjelica bei der Pressekonferenz vertrat, bestätigte: „Kevin Behrens ist ein Spieler, der unfassbar ehrgeizig ist. Das ist extrem wichtig, gerade auch in so einer Situation. Er geht immer auch im Training voran und ist auch außerhalb des Platzes ein wichtiger Spieler für die Mannschaft. Er gibt unfassbar viel Energie.“

Nächste Länderspiele erst im März

Dass er diese Energie aber schon seit Monaten nicht in Tore ummünzen kann, ist bei den Berlinern angesichts des Befreiungsschlags gegen Darmstadt ein nachrangiges Thema. Marie-Lousie Eta berichtete, dass Behrens auch im Training sehr mit vergebenen Torchancen haderte. Sie bekundete aber: „Wir messen ihn nicht nur an Toren, sondern auch an der Art und Weise, wie er spielt. Das hat er heute wirklich gut gemacht.“

Womöglich hat das auch Bundestrainer Julian Nagelsmann registriert, der für das Nationalteam ja ebenfalls nach Spielern für schwierige Situationen sucht. Die beiden letzten Länderspiele vor der EM stehen erst in zwei Monaten gegen Frankreich (23. März in Lyon) und die Niederlande (26. März in Frankfurt am Main) an. Bis dahin könnte Behrens noch an seiner Tor-Quote arbeiten. Ob er das in Berlin oder Wolfsburg tut, werden die kommenden Tage zeigen.

Tabelle der Fußball-Bundesliga

1. FC Union Berlin – die Fußball-Bundesliga

1. FC Union Berlin – der DFB-Pokal

1. FC Union Berlin – die Champions League

Neuzugänge beim 1. FC Union Berlin

Abgänge beim 1. FC Union Berlin

Leonardo Bonucci (36, Fenerbahce Istanbul)

Sheraldo Becker (28, Real Sociedad)

David Fofana (21, FC Chelsea)

Aljoscha Kemlein (19, FC St. Pauli, Leihe)

Sven Michel (32, FC Augsburg)

Paul Seguin (28, FC Schalke 04)

Jamie Leweling (22, VfB Stuttgart, Leihe)

Rick van Drongelen (24, Samsunspor, Türkei)

Levin Öztunali (27, Hamburger SV)

Kevin Möhwald (29, KAS Eupen, Belgien)

Tim Maciejewski (22, SV Sandhausen)

Morten Thorsby (27, Genua CFC, Italien, Leihe)

Tymoteusz Puchacz (24, 1. FC Kaiserslautern, Leihe)

Lennart Grill (24, VfL Osnabrück, Leihe)

Niko Gießelmann (31, Greuther Fürth)

Timo Baumgartl (27, FC Schalke 04)

Milos Pantovic (27, KAS Eupen, Belgien)

Dominique Heintz (30, 1. FC Köln)

Tim Skarke (26, SV Darmstadt, Leihe)

Jordan Siebatcheu (27, Borussia Mönchengladbach, Leihe)

Malick Sanogo (19, 1. FC Nürnberg)