Union Berlin
: Trainer Bjelica zwischen Rauswurf, Relegation und Rettung

Union Berlin taumelt im Kampf um den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga. Auch die Personalie Nenad Bjelica wird weiter diskutiert.
Von
Frank Noack
Berlin
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1.BL 1. FC Union — VfL Bochum 2023/24: Fussball, Herren, Saison 2023/2024, 1. Bundesliga (32. Spieltag), 1. FC Union Berlin - VfL Bochum, Trainer Nenad Bjelica (1. FC Union Berlin), 05.05.2024, Foto: Matthias Koch

Kampf um den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga: Trainer Nenad Bjelica und der 1. FC Union Berlin stehen nach der 3_4-Niederlage gegen Bochum mehr denn je unter Druck.

Matthias Koch

Gibt es beim 1. FC Union Berlin nach dem Machtwort von Präsident Dirk Zingler am Sonntag vor dem Spiel gegen den VfL Bochum (3:4) noch eine Trainer-Diskussion? Oder schon wieder? So ganz genau weiß man das in diesen Tagen nicht.

Was man jedoch weiß: Die Eisernen aus Köpenick stecken tief im Tabellenkeller der Fußball-Bundesliga. Union Berlin als Tabellen-15. und der FSV Mainz auf Platz 16 werden aller Wahrscheinlichkeit nach an den letzten beiden Spieltagen den Relegationsrang unter sich ausmachen. So wie die Mannschaft gegen Bochum in der ersten Halbzeit aufgetreten ist, muss man sich aus Union-Sicht große Sorgen um den Klassenerhalt machen. Vize-Kapitän Rani Khedira verteilte eine „glatte Sechs“ für diese Nichtleistung und hatte nach dem Schlusspfiff Tränen in den Augen.

Trotz Bochum-Pleite ‒ Union-Trainer Bjelica erhält Rückendeckung

Die Worte von Präsident Dirk Zingler vor dem Spiel im Interview bei DAZN wirkten mit Blick auf diese katastrophale erste Halbzeit wie aus einer anderen Welt. Nenad Bjelica habe weiterhin „unsere volle Unterstützung“, betonte Zingler fast schon trotzig. Dazu muss man wissen, dass er als großer Befürworter der Verpflichtung des Kroaten im November als Nachfolger von Urs Fischer galt.

Demgegenüber steht weiterhin der Bericht des „Kicker“ in der vergangenen Woche. Demnach soll für Bjelica nach der Saison in jedem Fall Schluss sein, unabhängig davon, ob der Klassenerhalt gelingt oder nicht. Selbst eine sofortige Ablösung des Coaches habe man laut „Kicker“ intern diskutiert.

Auch die wichtigste aller Fragen beantwortete der Union-Boss am Sonntag pro Bjelica. „Entscheidend ist, dass die Spieler dem Trainer folgen. Das ist bei uns der Fall“, versicherte Zingler. Und dennoch hinterließ die erste Halbzeit gegen Bochum vor allem eines: Ratlosigkeit. Die Fans hatten die Mannschaft 90 Minuten lang lautstark unterstützt. Selbst nach dem 0:3- Pausenrückstand und einer unterirdischen Quote von 25:75 Prozent an gewonnenen Zweikämpfen gab es keine Pfiffe. Vize-Kapitän Rani Khedira rätselte darüber, ob dieser grandiose Support womöglich die Spieler gelähmt haben könnte: „Es hat uns vielleicht ein Stück weit den Stecker gezogen. Ich kann es nicht erklären.“

Ratlosigkeit ist bekanntlich ein schlechter Ratgeber im Abstiegskampf. Trainer Nenad Bjelica hatte ebenfalls keine Erklärung für eine der schwächsten Halbzeiten in dieser Saison – und das in einem der wichtigsten Spiele der Saison. Die Mannschaft habe „nervös“ gewirkt, analysierte der Union-Coach: „Wir haben viele erfahrene Spieler auf dem Platz. Das ist wirklich nicht normal. Aber die Situation ist so wie sie ist.“

Kampf um den Klassenerhalt ‒ gefährliche Situation für Union Berlin

Die Situation ist trotz der deutlichen Steigerung in der zweiten Halbzeit gegen Bochum vor allem eines: sehr, sehr gefährlich. In Köpenick ist die Angst vor dem Abrutschen in die Zweitklassigkeit mittlerweile allgegenwärtig. Nach den 90 Minuten Vollgas auf den Rängen herrschte am Sonntag beim Abpfiff erst einmal gespenstische Stille im Stadion An der Alten Försterei. Denn eigentlich waren auf dem Weg zum Klassenerhalt gegen Bochum drei Punkte fest eingeplant. Nun müssen die Eisernen beim 1. FC Köln und dann zu Hause gegen den SC Freiburg die nötigen Zähler holen, um Mainz auf Distanz zu halten.

Nenad Bjelica und der 1. FC Union stehen am Abgrund zur 2. Liga. Der Kroate selbst bewegt sich derzeit irgendwo zwischen Relegation, Rettung und Rauswurf. Es steht zwar das Machtwort des Präsidenten pro Bjelica im Raum – aber der Druck auf alle Beteiligten ist seit Sonntag noch einmal größer geworden. Gibt es also erneut eine interne Interims-Lösung? So wie im November, als Co-Trainerin Marie-Louise Eta und U19-Coach Marco Grote nach der Trennung von Urs Fischer für ein Spiel das Kommando übernahmen und viel Lob für ihre Art der Teamführung bekamen.

„Wir müssen uns mit allen Szenarien auseinandersetzen und auf alles gefasst sein“, empfahl Rani Khedira mit Blick auf eine mögliche Relegation. Auf die Frage nach Bjelica, antworte Khedira kurz und bündig: „Da bin ich der falsche Ansprechpartner.“ Anders als bei Zingler hörte sich das nicht nach einem uneingeschränkten Vertrauensbeweis an.