Union Berlin: Bjelica kämpft gegen Rauswurf – ist Bochum sein letztes Spiel?

Kellerduell in der Fußball-Bundesliga: Union Berlin kämpft am Sonntag gegen Bochum um den Klassenerhalt. Trainer Nenad Bjelica kämpft um seinen Verbleib zumindest bis zum Saisonende.
Imago/Oliver BehrendtFür den 1. FC Union Berlin geht es im Heimspiel gegen den VfL Bochum am Sonntag (15.30 Uhr) eigentlich in erster Linie um den Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga. Wobei man das Wörtchen „eigentlich“ besser streichen sollte.
Denn die Lage der Köpenicker ist verdammt ernst. Union hat seit fünf Spielen nicht mehr gewonnen und liegt auf Platz 14, Bochum ist Tabellen-15. Beide Clubs trennt im Bundesliga-Keller nur ein einziges Tor. Viel mehr Kellerduell als am Sonntag im ausverkauften Stadion An der Alten Försterei geht also nicht. Der Vorsprung auf den Relegationsrang-16. beträgt für beide Teams gerade einmal zwei Punkte.
Und doch gibt es seit dieser Woche ein weiteres großes Thema in Berlin-Köpenick: die vermeintliche Trennung von Trainer Nenad Bjelica. Der „Kicker“ hatte am Mittwoch vermeldet, dass das Projekt Bjelica spätestens am Saisonende beendet wird – unabhängig davon, ob der Klassenerhalt gelingt oder nicht. Angelastet wird Bjelica vor allem die fehlende spielerische Weiterentwicklung der Mannschaft. Aktuell stellt der FCU die zweitschlechteste Offensive der Liga. In den vergangenen fünf Spielen gelang den Eisernen nur ein Tor. Laut „Kicker“ sollen zudem Bjelicas Spielvorbereitung – zum Beispiel der weitgehende Verzicht auf Videoanalysen – sowie sein altmodischer Führungsstil bei einem Teil der Mannschaft in der Kritik stehen.
Sogar eine sofortige Trennung sei laut „Kicker“ von den Union-Bossen diskutiert worden. Und sie scheint angesichts der prekären Tabellensituation längst nicht vom Tisch zu sein. Für Union Berlin geht es also am Sonntag gegen Bochum um wichtige Punkte für den Klassenerhalt. Und für Bjelica geht es darum, zumindest noch das Saisonende auf der Trainerbank zu erleben.
Der selbstbewusste Kroate wurde von der Dynamik dieser Entwicklung scheinbar überrascht. Darauf lassen zumindest die Aussagen seines Beraters Alen Augustincic schließen. Gegenüber dem TV–Sender Sky sagte Augustincic am Mittwoch, man habe „bislang keine Kenntnis darüber, dass Nenad Union Berlin möglicherweise vorzeitig oder am Saisonende verlassen muss“.
Nenad Bjelica ohne Gefühlsregung
Bei der Pressekonferenz am Freitagmittag ließ sich Nenad Bjelica von diesem ganzen Trubel nichts anmerken. Er sei mit der Vereinsführung jeden Tag in Kontakt, versicherte er. Waren die Trennungsgerüchte dabei ein Thema? „Der Fokus von allen im Verein ist komplett auf das Bochum-Spiel gerichtet. Über das andere Thema haben wir nicht gesprochen.“
Überhaupt: Den Fokus auf das Bochum-Spiel zu legen – das ist Bjelica sehr wichtig. Mit fast schon stoischer Ruhe und ohne jegliche Gefühlsregung beantwortete der Union-Trainer zwei Tage vor dem Abstiegskracher dennoch auch sämtliche Fragen zu seiner persönlichen Zukunft. Ist der angebliche Abschied eine zusätzliche Motivation? Antwort Bjelica: „Der Klassenerhalt war schon immer meine Motivation. Ich werde meine ganze Kraft investieren, damit Union Berlin in der Bundesliga bleibt. Das ist mein großes Ziel, das werden wir auch schaffen.“ Spürt er noch die absolute Rückendeckung? „Absolut.“
Wie absolut diese Rückendeckung intern wirklich ist, steht jedoch in Zweifel. Die Vereinsführung vermeidet schon seit Wochen ein klares Bekenntnis zum Trainer. Immerhin – eine Sorge konnte Nenad Bjelica mit seinem durch und durch professionellen Auftritt bei der Pressekonferenz am Freitag zerstreuen: Die Auswirkungen der seit Mittwoch schwelenden Personaldiskussion auf das Bochum-Spiel an sich dürften überschaubar sein. „Ich hatte in meiner Karriere schon einige Situationen, die nicht einfach waren. Ich kann mit Stress umgehen“, betonte der Ex-Profi.
Stressig wird dieses Kellerduell gegen Bochum so oder so werden. Mit einem Sieg könnte Union Berlin einen enorm wichtigen Schritt in Richtung Klassenerhalt machen. Im Falle einer Niederlage droht den Eisernen mehr denn je der Super-GAU in Form der Relegation. Auch die Frage, ob Bjelica dafür noch der richtige Trainer ist, dürfte dann in Köpenick erneut und vermutlich mit noch größerer Dringlichkeit diskutiert werden.


