Union Berlin: Miese Noten für die Neuzugänge – ein Gewinner, mehrere Verlierer

Union Berlin kämpft gegen die Krise. Unter den insgesamt zehn Neuzugängen – hier (von links) David Fofana, Robin Gosens und Leonardo Bonucci – gibt es nur einen Gewinner.
Matthias KochDer 1. FC Union Berlin kämpft gegen die Krise. Die Eisernen haben sieben Spiele in Folge verloren und sind in der Fußball-Bundesliga auf Tabellenplatz 13 abgerutscht. Ein Grund für die aktuelle Krise – von den insgesamt zehn Neuzugängen konnte bislang nur einer überzeugen.
Bis auf Linksverteidiger Robin Gosens hat es kein Neuzugang aus eigener Kraft in die Stammelf geschafft. Spieler wie Leonardo Bonucci, Alex Kral und Lucas Tousart haben zwar zuletzt reichlich Einsatzzeit bekommen. Sie sind dabei jedoch Nutznießer von Verletzungen der Stammspieler auf ihren jeweiligen Positionen.
Nicht nur mit Blick auf die Neuzugänge hatte Manager Oliver Ruhnert nach der jüngsten 2:4-Niederlage bei Borussia Dortmund erklärt: „Es ist im Moment nicht jeder Spieler an dem Punkt, wie wir es uns eigentlich wünschen. Ohne nach Entschuldigungen zu suchen – es liegt natürlich auch ein Stück daran, dass wir wichtige Spieler im Moment nicht dabeihaben. Deshalb fehlt es insgesamt an der Stabilität.“
Vor allem die verletzten Robin Knoche und Rani Khedira wurden zuletzt schmerzlich vermisst. Erschwerend kommt hinzu, dass speziell die Topneuzugänge wie Robin Gosens, Leonardo Bonucci und Kevin Volland erst kurz vor und sogar nach dem Saisonstart nach Köpenick wechselten.
Hier ist das Zwischenzeugnis für die zehn Neuzugänge bei Union Berlin. Es gibt nur einen Gewinner – dafür aber mehrere Verlierer.
Robin Gosens (29 Jahre, Neuzugang von Inter Mailand): Der Linksverteidiger ist bislang die einzige echte Verstärkung. Gemeinsam mit Kevin Behrens führt Gosens die interne Torjägerliste der Eisernen an. Beide haben viermal getroffen – eine starke Quote für einen Abwehrspieler. Gosens investiert viel auf dem Rasen. Er ist schnell zum Führungsspieler und Motivator für die Mitspieler avanciert – aber eben der einzige Gewinner unter den Neuzugängen. Note: 2.
Leonardo Bonucci (36, Juventus Turin): Der erfahrene Europameister von 2021 hatte eine der schwersten Situationen in seiner langen und erfolgreichen Karriere zu meistern. Bonucci musste nach der Verletzung von Robin Knoche den Abwehrchef ersetzen, obwohl er selbst körperlich sowie in puncto Integration ins Team noch zwei, drei Wochen Training gebraucht hätte. Licht und Schatten wechselten sich bei Bonucci ab. In Dortmund erzielte er seinen ersten Treffer. Gewinner oder Verlierer? Weder noch, auch wenn so mancher in Bonucci das Gesicht der aktuellen Krise ausgemacht haben will. Note: 4.
Kevin Volland (31, AS Monaco): Die unnötige Rote Karte am 3. Spieltag gegen RB Leipzig warf den Ex-Nationalspieler zurück. Volland war drei Bundesliga-Spiele gesperrt und verlor dadurch viel Zeit, um sich zu integrieren. Er ist in der Offensive eigentlich flexibel einsetzbar und gilt als spielstarker Stürmer. Bislang konnte Volland das nur selten unter Beweis stellen. Von ihm hatte man sich mehr erhofft. Note: 4.
Lucas Tousart (26, Hertha BSC): Wegen einer Oberschenkel-Verletzung verpasste der Ex-Herthaner den Saisonstart. Genau wie Bonucci musste Tousart aufgrund der Verletzungsausfälle in der Mittelfeld-Zentrale schnell funktionieren. Er erfüllte seine Aufgaben als Sechser sowie als Achter zumindest solide. Note: 3.
Was Brenden Aaronson noch fehlt
Brenden Aaronson (5, Leeds United): Der US-Nationalspieler sollte die Offensive vor allem bei eigenem Ballbesitz beleben. Trotz einer guten Saisonvorbereitung konnte Aaronson diesen Anspruch bislang nicht erfüllen, weil ihm noch die körperliche Robustheit fehlt. Seine Dribbelstärke mündete nur selten in Torgefahr. Dazu offenbarte Aaronson erhebliche Defizite beim Torabschluss. Er vergab mehrere Torchancen. Note: 5.
David Fofana (20, FC Chelsea): Auch Fofana gehörte zu den Gewinnern der Vorbereitung. Aber danach fiel der junge Stürmer von der Elfenbeinküste in ein Leistungsloch. Seine kraftvollen Sprints brachten kaum noch Ertrag. Inzwischen muss sich Fofana mit der Rolle des Ersatzmannes begnügen. Note: 5.
Alex Kral (25, Spartak Moskau): Er musste mit Rani Khedira den Mittelfeld-Organisator der Eisernen ersetzen. Diese Aufgabe löste Kral solide und im Rahmen der Erwartungen, auch wenn er Khedira und dessen Regie-Qualitäten nicht wirklich ersetzen konnte. Dass es oftmals an Stabilität fehlte, muss auch ihm angelastet werden. Note: 4.
Mikkel Kaufmann (22, FC Kopenhagen): Bislang ist die Bundesliga eine Nummer zu groß für den jungen Stürmer, der zuletzt beim Karlsruher SC in der 2. Liga gespielt hatte. Er kam nur auf vier Kurzeinsätze. Für den Champions-League-Kader wurde Kaufmann nicht nominiert. Note: 5.
Benedict Hollerbach (22, SV Wehen Wiesbaden): Hollerbach kommt auf drei Bundesliga-Kurzeinsätze und wurde genau wie Kaufmann für die Champions League nicht berücksichtigt. In der Vorbereitung zeigte er einige erfrischende Ansätze. Bislang konnte er seine freche Spielweise jedoch nicht zeigen. Note: 5.
Alexander Schwolow (31, Hertha BSC): Der Torhüter wurde als Nummer zwei hinter dem unumstrittenen Frederik Rönnow verpflichtet. Über diese Rolle kommt Schwolow aktuell nicht hinaus. Auf Einsätze darf er nur hoffen, falls sich Rönnow verletzten sollte. Note: 4.

