DFB-Elf
: Kevin Behrens vor Länderspiel-Debüt – Union-Stürmer will „für Tumulte sorgen“

Kevin Behrens von Union Berlin sagt: „Ich nicht mal gedacht, dass ich es noch in die Bundesliga schaffe.“ Nun stürmt er für die Nationalmannschaft und ist vor dem Länderspiel-Debüt ein gefragter Mann.
Von
Jan Lehmann
Foxborough
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Mit 32 Jahren zum ersten Mal bei der Nationalmannschaft: Kevin Behrens vom 1. FC Union Berlin lebt bei der Länderspielreise in den USA seinen Traum und kann eine bemerkenswerte Geschichte erzählen.

Federico Gambarini/dpa

Kevin Behrens vom 1. FC Union Berlin lebt gerade seinen Traum – in der Champions League, der Bundesliga und nun auch noch in der deutschen Nationalmannschaft. Bei der Länderspielreise des DFB-Teams in die USA ist der 32-Jährige ein begehrter Gesprächsgast und muss immer wieder seine bemerkenswerte Geschichte erzählen.

Die führt aus der Fußball-Regionalliga bis in die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes und lässt selbst Behrens staunend zurück.

Die erste Kontaktaufnahme zwischen ihm und Bundestrainer Julian Nagelsmann verlief demnach nicht störungsfrei. Erst verpasste der Mittelstürmer von Union Berlin zwei Anrufe des neuen Bundestrainers, beim Rückruf fragte Nagelsmann mehrmals nach, ob wirklich Behrens am Handy sei, weil er zunächst eine falsche Nummer von ihm hatte.

Aus der Regionalliga in die Nationalmannschaft

Die kuriose Episode rund um die erste Nominierung für die Fußball-Nationalmannschaft steht sinnbildlich für die Karriere des 32-Jährigen. Behrens verbrachte einen Großteil seiner Laufbahn in der Regionalliga, noch vor sechs Jahren ging er für den 1. FC Saarbrücken auf Torejagd. Am Samstag (21 Uhr MESZ/RTL) könnte er in Hartford gegen Gastgeber USA sein Länderspiel-Debüt feiern – es wäre die Krönung seines rasanten Aufstiegs.

Über Nagelsmanns Anruf sei er „geschockt und überrascht“ gewesen. „Wenn ich ehrlich bin, hätte ich nicht mal gedacht, dass ich es noch in die Bundesliga schaffe“, räumte der Spätberufene mit Blick auf einen riesigen Parkplatz hinter dem Teamhotel in Foxborough ein. „Ich bin sehr, sehr stolz darauf, dass ich nie aufgegeben und immer an mir gearbeitet habe“, sagte Behrens in kurzen Hosen und Badelatschen.

Die Brillie-Stecker in seinen Ohren sind ein Kontrast zu der eher schmucklosen Gegend. Glanz verbreitete auch Behrens lange Zeit nicht. Als seine DFB-Teamkollegen Thomas Müller und Mats Hummels 2014 Weltmeister wurden, kickte er in der Regionalliga in der zweiten Mannschaft von Hannover 96. Alemannia Aachen und Rot-Weiss Essen waren weitere Stationen auf seinem steinigen Pfad nach oben.

Vom SV Sandhausen zum 1. FC Union Berlin

„Der Weg, den ich hinter mir habe, hat mich zu dem gemacht, der ich heute bin“, sagte Behrens und dankte seiner Frau: „Sie hat mich immer unterstützt, auch in schweren Zeiten. Sie hat alles mitgemacht, von Wilhelmshaven bis jetzt in Berlin.“

Im Sommer 2021 war er ablösefrei vom damaligen Zweitligisten SV Sandhausen an die Alte Försterei gewechselt. Jetzt ist er mitten unter den besten Fußballern des Landes – und tritt dabei selbstbewusst auf. Beim ersten Training zeigte er den Ball elegant-lässig mit dem Kopf jonglierend seine Fähigkeiten. „Er ist ein guter Typ, der immer gewinnen will. Er bindet in der Box viele Spieler“, lobte Nagelsmann.

Behrens wird sich erst einmal hinter Niclas Füllkrug anstellen müssen. Doch Nagelsmann ist von seinen Fähigkeiten überzeugt. Er sei im Anlaufen, aber auch in der Luft stark: „Das hilft, wenn wir Gegner haben, die tief verteidigen, und wir noch ein Tor brauchen.“ Behrens, der perfekte Joker also? Er könne immer „noch etwas bewegen“ und „für Tumulte sorgen“, so der Vater von drei Kindern.

Viel Konkurrenz in der Bundesliga

In der Bundesliga stand er in den ersten sieben Spielen aber immer in der Startelf, auch wenn die Eisernen in Kevin Volland, Mikkel Kaufmann, Benedict Hollerbach und David Fofana viel Konkurrenz verpflichteten.

Allerdings wartet Behrens, der auf die Spitznamen Thor und Adonis hört, seit dem 26. August auf ein Tor. Und an das „hohe Tempo“ im DFB-Team müsse er sich auch noch „gewöhnen“. Dafür hat er schon einige UNO-Runden für sich entschieden – da hatte auch Jamal Musiala keine Chance.

Mit seinen Leistungen auf dem Platz brachte das Münchner Top-Talent aber den Neuen ins Schwärmen. „Was der für Situationen auflöst, ist beeindruckend“, sagte der etwas andere Profi Behrens („Ich brauche kein Social Media!“) und zog dabei anerkennend die Mundwinkel nach unten.

Er selber hat schon ein bisschen Eindruck bei Rudi Völler hinterlassen. Behrens sei „verdientermaßen dabei“, das habe „er sich erarbeitet“. Der DFB-Sportdirektor weiß aber auch, dass die Nominierung auch aufgrund mangelnder Alternativen zustande kam: „Wir haben nicht mehr so viele Top-Mittelstürmer, die wenigen müssen wir hegen und pflegen.“

1. FC Union Berlin – die Fußball-Bundesliga

1. FC Union Berlin – der DFB-Pokal

1. FC Union Berlin – die Champions League

  • Mittwoch, 20. September 2023: Real Madrid – 1. FC Union Berlin 1:0 (0:0)
  • Dienstag, 3. Oktober 2023: 1. FC Union Berlin – SC Braga 2:3 (2:1)
  • 1. FC Union Berlin – SSC Neapel; Dienstag, 24. Oktober 2023, 21:00 Uhr
  • SSC Neapel – 1. FC Union Berlin; Mittwoch, 08.11.2023, 18:45 Uhr
  • SC Braga – 1. FC Union Berlin; Mittwoch, 29. November 2023, 21:00 Uhr
  • 1. FC Union Berlin – Real Madrid; Dienstag, 12. Dezember 2023, 21:00 Uhr

Neuzugänge beim 1. FC Union Berlin

Abgänge beim 1. FC Union Berlin

  • Sven Michel (32, FC Augsburg)
  • Paul Seguin (28, FC Schalke 04)
  • Jamie Leweling (22, VfB Stuttgart, Leihe)
  • Rick van Drongelen (24, Samsunspor, Türkei)
  • Levin Öztunali (27, Hamburger SV)
  • Kevin Möhwald (29, KAS Eupen, Belgien)
  • Tim Maciejewski (22, SV Sandhausen)
  • Morten Thorsby (27, Genua CFC, Italien, Leihe)
  • Tymoteusz Puchacz (24, 1. FC Kaiserslautern, Leihe)
  • Lennart Grill (24, VfL Osnabrück, Leihe)
  • Niko Gießelmann (31, Greuther Fürth)
  • Timo Baumgartl (27, FC Schalke 04)
  • Milos Pantovic (27, KAS Eupen, Belgien)
  • Dominique Heintz (30, 1. FC Köln)
  • Tim Skarke (26, SV Darmstadt, Leihe)
  • Jordan Siebatcheu (27, Borussia Mönchengladbach, Leihe)
  • Malick Sanogo (19, 1. FC Nürnberg)