Union Berlin
: Dickes Lob von Trainer Bjelica – flüchtet Bonucci trotzdem nach Italien?

Union Berlin und Leonardo Bonucci – von diesem viel diskutierten Transfer haben sich beide Seiten deutlich mehr versprochen. Nun gibt es erneut Berichte über einen vorzeitigen Abschied. Auch Lothar Matthäus hat eine klare Meinung.
Von
Frank Noack
Berlin
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  • Europameister Leonardo Bonucci aus Italien konnte sich bislang keinen Stammplatz bei Union Berlin sichern.

    Europameister Leonardo Bonucci aus Italien konnte sich bislang keinen Stammplatz bei Union Berlin sichern.

    Matthias Koch
  • Leonardo Bonucci (Mitte) wurde beim 2:0-Sieg von Union Berlin in der zweiten Halbzeit eingewechselt. Für Bonucci war es der erste Einsatz unter dem neuen Trainer Nenad Bjelica.

    Leonardo Bonucci (Mitte) wurde beim 2:0-Sieg von Union Berlin in der zweiten Halbzeit eingewechselt. Für Bonucci war es der erste Einsatz unter dem neuen Trainer Nenad Bjelica.

    Matthias Koch
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Leonardo Bonucci konnte beim Sieg von Union Berlin gegen den 1. FC Köln (2:0) ein mittlerweile ungewohntes Gefühl genießen: Der Routinier aus Italien durfte nach seiner Einwechslung in der 68. Minute wieder einmal Wettkampfpraxis sammeln. Er half als Stabilisator in Abwehr mit, die wichtigen drei Punkte im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga zu sichern.

„Er war heute sehr wichtig für unser Spiel und seine Sache großartig gemacht“, lobte Union-Trainer Nenad Bjelica den 36 Jahre alten Innenverteidiger. Dennoch stellt sich jetzt in der Winterpause die Frage: Hat Leonardo Bonucci eine Zukunft bei den Eisernen? Oder wird dieser viel diskutierte Transfer zu einem der größten Flops in der Vereinsgeschichte?

Denn: Der Europameister von 2021 hat mehr Zeit auf der Bank als auf dem Rasen verbracht. Sieben Einsätze in der Bundesliga und drei in der Champions League stehen für den Routinier zu Buche – diese Bilanz dürfte weder den ehrgeizigen Bonucci noch den Verein zufriedenstellen. Zumal der Italiener immer noch die Europameisterschaft in Deutschland 2024 auf seinem Wunschzettel hat. Dafür benötigt er aber Wettkampfpraxis.

Kein Wunder, dass in diesen Tagen wieder vermehrt Transfer-Spekulationen rund um Leonardo Bonucci nach Berlin-Köpenick schwappen. Mehrere italienische Zeitungen berichten, dass Bonucci mit einer Rückkehr in die Heimat liebäugelt. AS Rom soll an einer Verpflichtung interessiert sein. Zumal Roms Evan N'Dicka im Januar zum Afrika Cup reist.

Der Club mit Startrainer José Mourinho hatte schon im Sommer ein Auge auf Leonardo Bonucci geworfen. Damals machte jedoch der 1. FC Union das Rennen um den Abwehrspieler und lockte Bonucci mit der Aussicht auf die Champions League ablösefrei nach Berlin.

Inzwischen ist die Königsklasse für die Eisernen beendet. Jetzt geht es um den Klassenerhalt in der Bundesliga. Bereits im Herbst hatte es Medienberichte über eine angebliche Unzufriedenheit von Bonucci in Berlin gegeben. Trainer Urs Fischer hatte die Berichte damals als „Ente“ bezeichnet.

Für Leonardo Bonucci ist Union Berlin das erste Engagement außerhalb Italiens. Seine Familie lebt weiterhin in Turin. Auch dieser Umstand soll ein Grund für das Heimweh des Abwehrspielers sein. Letztlich geht es um die Frage: Wie plant der neue Union-Coach Nenad Bjelica künftig mit Leonardo Bonucci? Plant er überhaupt mit ihm? Zumal Bjelica anders als sein Vorgänger Fischer die Viererkette in der Abwehrkette favorisiert. Er benötigt pro Spiel als erst einmal nur zwei und nicht drei Innenverteidiger.

Nenad Bjelica lobt Leonardo Bonucci

Das Köln-Spiel war der erste Einsatz von Bonucci unter Bjelica. Angesprochen auf die Zukunft von Leonardo Bonucci in Berlin, hielt der Union-Coach nach dem Schlusspfiff ein professionelles Loblied auf den Routinier. „Auch, wenn er nicht spielt, ist er auf der Bank und in der Kabine mit seiner Erfahrung und seiner Professionalität sehr wichtig für uns. Ich bin sehr froh, einen Spieler wie Leonardo Bonucci im Team zu haben“, sagte der Kroate.

In der Tat zeigt Bonucci auch als Wechselspieler auf der Bank großes Engagement und feuert seine Mitspieler an. Einen Stammplatz auf dem Rasen konnte er sich in Köpenick jedoch zu keinem Zeitpunkt erkämpfen. Sky-Experte Lothar Matthäus bezeichnete die Verpflichtung von Bonucci am Rande des Spiels gegen Köln als „Missverständnis“. Matthäus erklärte: „Wenn sich die Wege im Winter trennen würden, wäre es für beide Seiten das Beste. Solange er da ist, wird nach seinem Namen gefragt werden. Man sollte sich nach dem Spiel zusammensetzen, und eine Lösung finden, damit Bonucci in Italien wieder Fußball spielt und Union Berlin nicht jede Woche gefragt wird, warum Bonucci auf der Bank sitzt.“

Leonardo Bonucci hat sich derweil via Instagram in den Urlaub verabschiedet und den Union-Fans ein schönes Weihnachtsfest gewünscht. Ob es gleichzeitig schon ein Abschiedsgruß war, werden die nächsten Wochen bis zum Transferschluss Ende Januar zeigen.