Union Berlin
: Krise in Köpenick – Ruhnert spricht sich für personelle Änderungen aus

Union Berlin sucht weiter nach Wegen aus der schlimmsten Krise seit dem Aufstieg in die Fußball-Bundesliga. In Bremen gab es die zehnte Niederlage in Serie. Wie sicher ist der Job von Trainer Urs Fischer?
Von
Frank Noack
Berlin
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  • Union Berlin steckt weiter tief in der Krise. Die Enttäuschung über die 0:2-Niederlage bei Werder Bremen ist hier (von links) Christopher Trimmel, Rani Khedira und Aissa Laidouni anzusehen.

    Union Berlin steckt weiter tief in der Krise. Die Enttäuschung über die 0:2-Niederlage bei Werder Bremen ist hier (von links) Christopher Trimmel, Rani Khedira und Aissa Laidouni anzusehen.

    Matthias Koch
  • Trainer Urs Fischer musste mit Union Berlin in Bremen die zehnte Pflichtspiel-Niederlage in Folge hinnehmen.

    Trainer Urs Fischer musste mit Union Berlin in Bremen die zehnte Pflichtspiel-Niederlage in Folge hinnehmen.

    Matthias Koch
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Der 1. FC Union Berlin kann einfach nicht mehr gewinnen. Das 0:2 (0:1) bei Werder Bremen war bereits die zehnte Pflichtspiel-Niederlage in Serie für die Eisernen aus Köpenick. Mit nur sechs Punkten aus neun Spielen wird die Abstiegsgefahr in der Fußball-Bundesliga immer größer.

Die längste Niederlagenserie in der Vereinsgeschichte zerrt an den Nerven. Auch der Druck auf Trainer Urs Fischer wächst. Wie geht es jetzt weiter? MOZ.de beantwortet die wichtigsten Fragen zur Krise in Köpenick.

Warum ging Union Berlin auch in Bremen leer aus?

Weil die Köpenicker ausgerechnet in diesem Kellerduell ihre bislang schwächste Saisonleistung zeigten. Und weil die gerade erst wieder genesenen Leistungsträger Robin Knoche und Rani Khedira patzten. Knoche brachte Werder Bremen in der 38. Minute mit einem Eigentor in Führung. Er lenkte einen Freistoß von Marvin Ducksch per Kopf ins eigene Tor. Khedira ging im Mittelfeld mit gestrecktem Bein in den Zweikampf mit Romano Schmidt und traf den Bremer in Brusthöhe – Rote Karte in der 70. Minute. Vor 42 100 Zuschauer im ausverkauften Weserstadion traf Marvin Ducksch zum 2:0-Endstand (75.).

Der 1. FC Union blieb über weite Strecken harmlos. „Das war keine gute Leistung. Wir reden immer wieder über dieselben Dinge. Wir erzielen keine Tore. Und es fehlt im Moment einfach auch die Idee, um ein Tor zu erzielen“, fasste Manager Oliver Ruhnert die ernüchternden 90 Minuten zusammen. „Wir kommen nicht in die Abschlusssituationen. Das muss man auch mal klar sagen.“

Wie reagiert Union Berlin auf die zehnte Niederlage in Folge?

Mit Schweigen der Spieler und viel Selbstkritik von den Bossen. Aus der Mannschaft äußerte sich nach dem Spiel nur Robin Knoche. „Es ist nicht einfach, nach diesen ganzen Rückschlägen immer wieder aufzustehen. Aber die Mannschaft lebt. Ich würde mir Sorgen machen, wenn das nicht so wäre“, sagte Knoche. Fakt ist: In der Kabine mag der Zusammenhalt nach wie vor da sein. Auf dem Platz fehlt es jedoch gerade an jenem kollektiven Agieren, das die Eisernen in den vergangenen Jahren stark gemacht hat.

Deutliche Kritik gab es von Oliver Ruhnert. „Nach diesem Auftritt muss man sich Sorgen machen. Wir haben zum ersten Mal in all den Jahren die Situation, dass es um den Klassenerhalt geht“, erklärte er.

Trainer Urs Fischer: „Im Fußball muss man wieder aufstehen können. Wir haben in den vergangenen Jahren tolle Momente erlebt. Jetzt haben wir eine Situation, die man aushalten muss. Wir versuchen nach wie vor, diesen Weg gemeinsam zu gehen.“

Wie sicher ist der Job von Trainer Urs Fischer bei Union Berlin?

Dass ein Trainer nach zehn Niederlagen weiterarbeiten darf, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Bei den Köpenickern hält man weiter an Urs Fischer fest. Auch, weil der Aufstiegstrainer von 2019 extrem großes Ansehen bei den Anhängern genießt. Nach dem Schlusspfiff in Bremen gab es „Urs Fischer“-Rufe aus dem Gästefanblock. Der Tenor: Man habe Fischer viel zu verdanken und werde jetzt nicht anfangen, den Trainer zu kritisieren. „Diese Unterstützung in einer wirklich schwierigen Situation ist toll“, bedankte sich der Coach.

Man will „gemeinsam versuchen, die Dinge wieder in die richtige Richtung zu bringen“, kündigte Ruhnert an. Am Dienstag im DFB-Pokal beim VfB Stuttgart werde Fischer definitiv auf der Bank sitzen.

Was muss sich bei Union Berlin jetzt ändern?

Es müssen vor allem Siege und Erfolgserlebnisse her! „Es wäre schön, wenn wir uns einfach mal belohnen würden“, wünschte sich Robin Knoche. Dazu müssen insbesondere neue Impulse in der Offensive gesetzt werden.

Ändern könnte sich auch die Startelf in den nächsten Partien. Nach dem DFB-Pokalspiel am Dienstag in Stuttgart (18 Uhr) kommt Eintracht Frankfurt am Samstag ins Stadion An der Alten Försterei (15.30 Uhr). Oliver Ruhnert sprach sich nach der Niederlage in Bremen unmissverständlich für personelle Wechsel aus. „Wir werden uns genau damit auseinandersetzen müssen, ob die elf Spieler, die derzeit die ersten elf sind, auch in den nächsten Spielen auflaufen können. Spieler, die heute hereingekommen sind, haben nicht schlechter gespielt als andere. Im Gegenteil, ich fand uns mit zehn Mann teilweise gefährlicher als mit elf“, sagte Ruhnert.

Ein Denkanstoß für Fischer? „Wir haben einen gemeinsamen Dialog darüber, welche Veränderungen man jetzt vornehmen muss“, versicherte Ruhnert.