Union Berlin Bundesliga
: Rücktritt? Urs Fischer spricht über Krise und seine Zukunft

Union Berlin und Urs Fischer – beide gehören seit 2018 untrennbar zusammen. Nach Jahres des Erfolgs muss der Trainer erstmals eine Krise moderieren. Und er nennt den Zeitpunkt, wann es Zeit werden könnte zu gehen.
Von
Frank Noack
Berlin
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Urs Fischer ist seit 2018 Trainer des 1. FC Union Berlin. Nach Jahren des Erfolgs muss der Schweizer nun erstmals eine Krise moderieren.

Andreas Gora/dpa

Bevor Urs Fischer die neuerdings häufiger gestellte Frage nach seiner persönlichen Zukunft beantwortete, hatte er noch ein anderes wichtiges Anliegen. Der Trainer des 1. FC Union Berlin wollte etwas klarstellen. „Ich möchte jetzt nicht in jeder Pressekonferenz diese Frage gestellt bekommen und beantworten müssen. Irgendwann ist dann auch genug. Sonst wiederhole ich mich“, sagte Fischer in der obligatorischen Medienfragerunde vor dem Champions-League-Spiel gegen den SSC Neapel am Dienstagabend im Olympiastadion.

Es sind die Mechanismen des Profifußballs, die auch vor den Eisernen aus Köpenick nicht haltmachen – zumindest auf den ersten Blick. Es dürfte einen erfahrenen Coach wie Urs Fischer also nicht verwundern, dass seine Zukunft als Union-Trainer angesichts der jüngsten Niederlagenserie inzwischen zum Gegenstand von intensiven Diskussionen geworden ist. „Wir alle kennen das Fußballgeschäft, es ist ergebnisorientiert“, räumte der Schweizer am Montag mit nachdenklichem Gesicht ein.

Ergebnisse bei Union Berlin stimmen nicht

Und diese Ergebnisse stimmten zuletzt einfach nicht. Genauer gesagt – sie stimmen nicht mehr. Der FCU ist in der Bundesliga auf Tabellenplatz 15 gerutscht. Nach acht Spieltagen haben die Eisernen erst sechs Punkte auf dem Konto. So schlecht sind sie unter Fischer noch nie in eine Bundesliga-Saison gestartet. Dazu kommt die insgesamt 17 Gegentore, die nicht nur Kapitän Christopher Trimmel „am meisten Sorgen machen“. Kurzum: Nach vier Jahren des permanenten Aufwärtstrends mit dem Aufstieg, Klassenerhalt, Conference League, Europa League und Champions League muss Fischer nun zum ersten Mal eine Krise moderieren.

Und er muss Wege und Mittel finden, um aus dieser Misere möglichst schnell herauszukommen. Das Positive: Der Trainer wirkt in diesen Tagen irgendwie angekommen in dieser Krise. Er kämpft gegen sie an. Sie ist kein Neuland mehr, sondern jetzt schon seit einigen Wochen täglicher Begleiter seiner Arbeit.

Entsprechend gelassen beantworte Urs Fischer auch die Frage nach seiner persönlichen Zukunft. „In den vergangenen Jahren haben wir gemeinsam unsere Ziele erreicht. Jetzt ist es halt zum ersten Mal etwas stürmisch, dann sollte man das auch gemeinsam angehen und in die Spur zurückfinden“, erklärte er. Um ihn selbst müsse man sich übrigens keine Gedanken machen, versicherte Fischer: „Ich versuche jeden Tag an den Dingen zu arbeiten, damit wir wieder in die Spur kommen.“

Einen Rücktritt zum jetzigen Zeitpunkt hatte der Schweizer bereits am Wochenende nach der 0:3-Heimpleite gegen den VfB Stuttgart kategorisch ausgeschlossen. Zumal die Trainer-Diskussion ohnehin vor allem außerhalb von Köpenick geführt wird. Um die Unterstützung durch die Fans braucht sich der Aufstiegstrainer keine Sorgen zu machen. Dass er den Verein vor vier Jahren erstmals in die Bundesliga geführt hat, dürfte ihm einen lebenslangen Kredit bei den Anhängern verschaffen. In den Internetforen gibt es zahlreiche Einträge mit dem Tenor: Notfalls gehen wir halt mit Urs Fischer wieder in die 2. Liga. Auch wenn das natürlich keine wirkliche Option darstellt.

Wichtige Erkenntnis von Präsident Dirk Zingler

Innerhalb der Club-Führung deutet ebenfalls nichts darauf hin, dass Fischer infrage gestellt wird – zumindest noch nicht. Manager Oliver Ruhnert hob nach dem Stuttgart-Spiel erneut dessen „viele Verdienste um diesen Klub“ hervor. Auch Präsident Dirk Zingler steht hinter Fischer. Nicht zuletzt, weil er weiß: All die sportlichen Erfolge der vergangenen Jahre basieren vor allem auf der Arbeit des Trainers und insbesondere dessen Fähigkeit, aus wenig viel machen.

Die entscheidenden Fragen dürften lauten: Wie lange kann das System Urs Fischer funktionieren, ehe es sich abnutzt? Und könnte dann womöglich eine Situation eintreten, in der Fischer selbst den Rückzug aus Köpenick antritt? Auch auf diese Fragen hatte der Union-Trainer eine klare Antwort. „Wenn ich das Gefühl habe, dass die Mannschaft nicht mehr zuhört und nicht mehr bereit ist, den gemeinsamen Weg zu gehen, dann ist es an der Zeit, darüber zu sprechen. Dieses Gefühl habe ich jetzt aber bei weitem nicht“, betonte er.

Dennoch gibt es letztlich nur ein einziges Mittel gegen die permanenten Fragen nach der Zukunft des Trainers: Das Gegenmittel heißt Siege. Andernfalls wird sich Fischer wohl auch in den nächsten Wochen diesen Fragen stellen müssen.