Probefahrt
: Autotest VW Passat

Den Passat gibt es seit 1973, ein Jahr später folgte die Variant genannte Kombiversion. Offenbar soll in absehbarer Zeit das Ende des Modells folgen. Ein Grund zur Trauer?
Von
Roberto Wenk
Berlin
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VW Passat

Der letzte Vertreter seiner Art? Der VW Passat.

Roberto Wenk
  • Der VW Passat, seit 1973 verfügbar, könnte bald eingestellt werden; nur noch als Kombi erhältlich.
  • Testwagen mit 2.0 TDI Motor, 193 PS und 400 Nm, DSG-Getriebe und 4Motion-Allradantrieb.
  • Neue Karosserie: 4,92 m Länge, LED-Stripes, 690-1920 l Kofferraumvolumen.
  • Ausstattung "Elegance": Matrix-LED-Scheinwerfer, ErgoActive-Sitze, 17-Zoll-Räder und Ambiente-Beleuchtung.
  • Preis ab 41.665 €, getestetes Modell ab 59.845 €.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Er ist seit Jahrzehnten der Inbegriff des Vertreterkombis, der Familienkutsche und des Raumwunders: der VW Passat. Nach 50 Jahren neigt sich sein Lebenszyklus wohl dem Ende zu und in seiner im vergangenen Jahr eingeführten letzten Generation gibt es ihn nur noch als Kombi, weswegen der Zusatz „Variant“ aber nicht entfiel. Der vollelektrische Pendant ID.7 soll den Passat im Nachhinein ablösen. Muss dies traurig machen?

Motor

Als Motor erhielt der Testwagen den 2.0 TDI in seiner für dieses Modell stärksten Ausbauvariante. Mit 193 PS und 400 Newtonmetern liefert der Turbodiesel genügend Power, um dem Kombi ordentlich Beine zu machen. Der dank Common-Rail-Technik recht laufruhige Reihenvierzylinder gibt seine Kraft an ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe DSG weiter und wird dank 4Motion-Allradantrieb auf alle vier Räder verteilt.

Karosserie/Ausstattung

Der VW Passat ist als B9 – so die interne Bezeichnung – mittlerweile 4,92 Meter lang. Das sind noch einmal 15 Zentimeter mehr als der Vorgänger vorweisen konnte und damit ist der Passat so lang wie ein Auto aus der Oberklasse. Topmodern wirkt das neue Antlitz, welches sogleich als Volkswagen erkannt wird und mit flachen IQ.Light-Scheinwerfern einen ebenso flach verlaufenden Frontgrill und eine offene Frontschürze offeriert. Durchgängige LED-Stripes an Front und Heck gehören zum IQ-Light-Paket und lassen den Passat auch bei Dunkelheit schnell der Wolfsburger Marke zuordnen.

Das Plus an Fahrzeuglänge wirkt sich auch im Innenraum aus, der platztechnisch nahezu verschwenderische Ausmaße erreicht. Fahrer und Passagiere müssen nirgendwo etwaige Defizite ertragen und laben sich auf bequemen Sitzen, während der Kofferraum keinerlei Sorgen aufwirft, da er mit mindestens 690 Litern alles schluckt, um einen zünftigen Urlaub anzutreten. Noch mehr wird es bei umgeklappten Lehnen, denn dann schluckt das vollkommen ebene Ladeabteil sage und schreibe 1.920 Liter – das übertrifft auch so manches SUV locker. Ansonsten gibt es überall wertig erscheinende Materialien, hübsche Ziernähte, eine wunderschön umgesetzte Ambientebeleuchtung und eine leicht dem Fahrer zugeneigte Instrumententafel. So stellt man sich einen Passat vor und exakt so trifft der Neue auch sämtliche Erwartungshaltungen und übertrifft diese vereinzelt sogar.

In der Ausstattung „Elegance“ zeigt sich der Test-Passat in der zweithöchsten Variante und bietet damit einige echte Highlights an serienmäßiger Ausstattung. Allen voran das IQ.Light mit den erstklassigen Matrix-LED-Scheinwerfern, deren Lichtbild extrem hell und vollkommen homogen ausfällt. Das Ausblenden anderer Verkehrsteilnehmer gelingt feingranular und blitzschnell – Bravo! Weiterhin gibt es vorne super bequeme und beheizte ErgoActive-Sitze mit Massagefunktionen, 17-Zoll-Räder, ein schlüsselloses Zugangssystem, eine elektrische Heckklappe mit Fußsensor und die tolle Ambientebeleuchtung. Doch mehr geht, wie bei Volkswagen üblich, immer. Eine Standheizung für 1680 Euro im Winterpaket oder ein sehr warm und natürlich klingendes Harman/Kardon-Soundsystem für 910 Euro beispielsweise. Nicht zu vergessen das Infotainment „Discover Pro“ mit riesigem 15-Zoll-Bildschirm, Navi und vielen Onlinediensten sowie der Sprachsteuerung IDA für zusammen 1185 Euro. Das Fahrdynamikpaket DCC Pro mit seinen vier Fahrprogrammen kostet weitere 1290 Euro und nicht vergessen möchten wir die dem Passat sehr gut stehende Außenfarbe Mariposit-Grün für 855 Euro sowie die hübschen 18-Zoll-Räder für 1125 Euro.

Fahrverhalten

Als stärkster Diesel ist der wohl bekannteste Kombi aus Wolfsburg absolut kein Kind von Traurigkeit. Dank seiner 193 Pferde ist die 100 km/h-Marke nach nur 7,6 Sekunden geknackt – rund eineinhalb Sekunden schneller als die 150 PS-Dieselvariante dies vermag. Dank Allradantrieb bringt der Passat die Kraft auch souverän auf die Fahrbahn und Traktionsabrisse sind höchstens bei Glatteis und Schnee zu provozieren. Überhaupt fährt sich der Kombi absolut ausgewogen, fühlt sich trotz seiner Länge handlich an und macht, was man von ihm verlangt. Dabei bleibt der Passat sehr lange neutral und bevor das ESP sanft reguliert, spürt man einen leichten Untersteuerungsdrang zuerst. Diese sehr angenehme Fahrcharakteristik macht ihn zum absoluten Langstreckenmeister und auch dank der riesigen Platzverhältnisse überstehen alle Insassen selbst mehrstündige Trips am Stück ohne Ermüdungserscheinungen.

Wirtschaftlichkeit

Trotz seiner durchaus dynamisch erscheinenden Motorisierung bleibt der VW Passat Variant auch als stärkster Diesel überraschend genügsam. Im Schnitt konsumierte unser Test-Kombi glatte sechs Liter auf 100 Kilometer. Bei einem Tankinhalt von 66 Litern sind dadurch vierstellige Kilometerreichweiten an der Tagesordnung. Auf der Sparrunde gelang es uns, den Verbrauch auf 3,5 Liter pro 100 Kilometer zu senken. Die dadurch theoretisch mögliche Reichweite können Sie gern selbst ausrechnen.

Natürlich hat ein derartig in allen Bereichen gewachsener Passat auch seinen Preis, der mittlerweile bei 41.665 Euro beginnt. Dafür gibt es ihn als frontgetriebenen 1.5 TSI mit 150 PS. Den hier getesteten stärksten Diesel gibt es erst ab der Ausstattung „Elegance“ für mindestens 59.845 Euro. Vier Ausstattungen sind verfügbar und neben drei Dieselantrieben mit 122, 150 und 193 PS stehen auch drei Benziner mit 150, 204 und 265 PS sowie zwei Plug-in Hybride mit Systemleistungen von 204 beziehungsweise 272 PS zur Verfügung.

Fazit

So viel Passat gab es noch nie. Mit Platzverhältnissen der Oberklasse und einer endlich allen Ansprüchen gerecht werdenden Materialauswahl im Innenraum, macht der Wolfsburger einen durchweg glänzenden Eindruck. Seine ausgewogene und überaus angenehme Fahrcharakteristik lassen ihn wieder einmal zum perfekten Kilometerfresser und Langstreckenkönig auswachsen. Als Diesel sind deutlich mehr als 1000 Kilometer der Standard – da sind E-Autos noch so weit entfernt, dass wir jeden verstehen, der die ID.7-Reihe plötzlich aus dem Fokus verliert. Dazu bietet der Passat eine facettenreiche Ausstattungskultur und acht Antriebsvarianten sollten so gut wie jeden Bedarf abdecken. Zumal die Plug-in-Hybriden mit bis zu 100 Kilometer Reichweite auch das emissionslose Fahren auf Pendelstrecken und mehr ermöglichen. Und ja, dass es der letzte Passat sein soll, macht uns daher tatsächlich traurig.