Probefahrt
: Der Kia EV9 im Autotest

Mächtig gewaltig: Mit dem EV9 hat die koreanische Marke einen Stromer im Angebot, der ein riesiges Platzangebot zu bieten hat.
Von
Roberto Wenk
Berlin
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Kia EV9

Imposant: Kia EV9

Roberto Wenk
  • Der Kia EV9 ist ein großes Elektro-SUV mit sechs oder sieben Sitzplätzen.
  • Er bietet zwei E-Motoren, 385 PS und 700 Nm Drehmoment.
  • Die Reichweite liegt bei 489 km, Ladezeit von 10% auf 80% in 35 Minuten.
  • Der Innenraum ist geräumig und komfortabel, mit vielen Annehmlichkeiten.
  • Der Preis beginnt bei 61.990 Euro, als GT-line ab 83.370 Euro.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Als EV-Reihe bezeichnet Kia seine vollelektrischen Fahrzeuge und nach dem erfolgreichen EV6 folgte vor rund einem Jahr der EV9 in Europa. Seitdem gilt dieser als größtes Modell der koreanischen Automarke und wird mit sechs oder sieben Sitzplätzen angeboten.

Motor

Als Antrieb fungieren zwei E-Motoren – pro Achse einer, wodurch das Auto einen Allradantrieb erhält – und treiben das riesige Vehikel mit einer Systemleistung von 385 PS sowie satten 700 Newtonmetern Drehmoment an. Dank der 800-Volt-Technik und einem großen Akku von 99,8 kWh, kann der Kia trotz seiner Größe und seines Gewichts mit einer akzeptablen Reichweite und überschaubaren Ladezeiten punkten. In 35 Minuten luden wir den Akku von zehn auf 80 Prozent auf. Dabei kamen wir auf einen Ladestrom von maximal 205 kW. Damit lagen wir rund zehn Minuten über der von Kia angegebenen Zeit. Die vorgegebene Reichweite von 501 Kilometern mit einer Akkufüllung verfehlten wir mit 489 Kilometern im Test nur knapp.

Karosserie/Ausstattung

Der Kia EV9 ist eine Mixtur aus SUV, Van und Bus, strotzt nur so vor Größe und kann mit seiner mondän wirkenden Front seine Betrachter durchaus einschüchtern. In der Seitenansicht werden die knapp über fünf Meter Fahrzeuglänge offensichtlich, bei der die 21 Zoll großen Räder in den stark betonten Radhäusern fast klein anmuten. Rundherum wurden Radläufe und Schweller beplankt und die futuristisch anmutenden Leuchten verleihen dem Big Boy jede Menge Dynamik.

Der Innenraum bietet – welch Überraschung – ein riesiges Platzangebot. Der Testwagen kam als Sechs-Sitzer und es war eine Freude, alle Plätze auszuprobieren, denn selbst auf der dritten Reihe finden erwachsene Personen genügend Platz, um auch längere Strecken zu bewältigen. Die Materialien und deren Verarbeitung geben keinen Grund für Kritik und das Bedienkonzept respektive Anordnung aller Instrumente und Bedienelemente ist Kia-typisch und damit selbsterklärend sowie sehr intuitiv. Toll: Im Dachhimmel über der zweiten Sitzreihe befindet sich eine separate Klimatisierungsbedienung, wodurch die Passagiere hier freie Hand haben. Die zweite Sitzreihe wird wie auch die erste vollklimatisiert und die beiden Vordersitze als sogenannte „Premium Relaxation Sitze“ eine zusätzliche Liegefunktion, um den Ladevorgang beispielsweise für ein Nickerchen zu nutzen. Für viel Lichteinfall sorgen gleich zwei Glasdächer im EV9.

Die zweite und dritte Sitzreihe lässt sich zudem elektrisch umklappen. Das funktioniert sowohl vom Fahrerplatz als auch vom Kofferraum aus. Als Sechs-Sitzer bietet der Kofferraum immer noch überzeugende 440 Liter und als Vier-Sitzer werden daraus bereits 1295 Liter. Sind beide Sitzreihen versenkt, schluckt der EV9 satte 2250 Liter. Unter der umständlich zu öffnenden vorderen Haube passen weitere 55 Liter in den beleuchteten Frunk. Ohne Allrad wären es hier sogar 90 Liter.

Als GT-line strotzt der EV9 nur so vor Annehmlichkeiten. Neben einem Head-up Display und adaptiven LED-Scheinwerfern mit hellem und homogenem Lichtfeld gibt es auch ein angenehm klingendes Meridian Soundsystem, welches klanglich aber nur im guten Mittelfeld spielt. Eine Heerschar an Assistenzsystemen mit etwas zu viel Gepiepe bei teilweise nervöser Eingreifpolitik machte nicht unbedingt immer Spaß. Begeistert hat uns der digitale Innenspiegel, insbesondere dann, wenn der EV9 dachhoch beladen war und so kein Blick durch den konventionellen Innenspiegel möglich wäre.

Apropos beladen: Mit 542 kg Zuladung spielt der Kia gemessen an seiner Größe und seinen Sitzplätzen nur im Mittelfeld, wohingegen eine 2,5 Tonnen Anhängelast für ein E-Auto in dieser Größe beeindruckend ist.

Fahrverhalten

Dank seiner Leistung wirkt der EV9 trotz seines Gewichts erstaunlich leichtfüßig und bietet zu allen Gegebenheiten ordentlich Leistungsreserven. Dabei ist er weniger brachial und nicht ansatzweise so sportlich wie andere E-Autos, aber dennoch geht es flott voran. In lediglich 5,3 Sekunden eilt der Bolide aus dem Stand bis zur 100 km/h-Marke und beschleunigt munter weiter, bis bei 200 km/h elektronisch Schluss ist. Damit ist er deutlich schneller als die meisten anderen E-Autos seiner Klasse. Seine grundsätzlich straffe Fahrwerksabstimmung sowie das traktionssichere Allradkonzept erlauben auch zügige Etappen auf kurvenreichen Strecken, ohne dass die Insassen durch etwaiges Aufschaukeln seekrank werden würden. Der Geradeauslauf ist dank des langen Radstands auch bei hohen Tempi hervorragend und die nur überschaubar präzise wirkende Lenkung akzeptiert man erstaunlich schnell bei Raumwunder mit Cruiserseele. Dazu passend, halten sich die Fahrgeräusche dank einer umfangreichen Dämmung angenehm zurück. Das Rekuperieren kann automatisiert erfolgen, aber auch in mehreren Stufen per Lenkradwippen an die jeweilige Situation angepasst werden. Die Bremsen verzögerten derweil gut dosierbar und blieben im Test stets standfest.

Wirtschaftlichkeit

Unser Durchschnittsverbrauch von 23,5 kWh auf 100 Kilometer lag etwas über der Werksangabe und unsere Reichweite entsprechend etwas unter den von Kia kommunizierten 501 Kilometer. Auf der Sparrunde schafften wir es allerdings runter auf exzellente 12,8 kWh auf 100 Kilometer – bei 2,7 Tonnen Eigengewicht ist das mehr als beeindruckend. Dank der Vehicle-to-Load-Funktion kann der EV9 wie eine Powerbank seine Energie auch an externe Verbraucher weitergeben; ein Adapter dafür wird direkt am Ladeanschluss angeschlossen.

Mit einem Einstiegspreis von 61.990 Euro in der heckgetriebenen Basisversion mit 218 PS ist der EV9 bereits nicht unbedingt ein Schnäppchen. Als GT-line wie hier getestet, werden mindestens 83.370 Euro fällig; als Sieben-Sitzer wären es 990 Euro weniger.

Fazit

Der EV9 ist nicht nur der teuerste, sondern auch der größte und am umfangreichsten ausgestattete Kia. Das Gesamtkonzept überzeugt und sein riesiges Platzangebot sowie das komfortable Fahrverhalten verbunden mit sehr guten Fahrleistungen sowie adäquater Reichweite entschuldigen den Preis am Ende zumindest teilweise. Bei den Assistenten würden wir uns etwas weniger Nervosität und Gepiepe wünschen, wohingegen viele andere Details einen Daumen nach oben verdienen.