Probefahrt: Der Maserati GranTurismo im Autotest

Der Maserati GranTurismo Trofeo, hier in der PrimaSerie 75th Anniversary Launch Edition.
Angelo Engel- Test: Der Maserati GranTurismo Trofeo setzt auf Präsenz, Komfort und konstante Leistung.
- Nettuno-V6 mit 550 PS und 650 Nm liefert gleichmäßigen Schub – Klang unten rau, oben schärfer.
- Innenraum wirkt hochwertig und wohnlich, doch Touch-Bedienung für Lautstärke und Licht stört.
- Fahrwerk bleibt gelassen, in Sportmodi straffer und direkter – Lenkung präzise, wenig Rückmeldung.
- Verbrauch zwischen 9,1 und 18,2 Litern, Reichweite 480–530 km, Preis ab 198.925 Euro.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Motor
Der von uns gefahrene Maserati GranTurismo Trofeo ist das leistungsstärkste Modell der Baureihe. Unter der langen Haube arbeitet ein Motor, der zunächst mehr Fragen aufwirft als Begeisterung. Sechs Zylinder in einem Maserati – das klingt nach Kompromiss, fühlt sich aber nicht wie einer an. Der Nettuno-V6 leistet 550 PS und 650 Newtonmeter und stellt diese Leistung auf eine Art bereit, die im heutigen Umfeld fast schon ungewöhnlich wirkt. Hier gibt es keinen inszenierten Höhepunkt, kein kurzes Aufbäumen, das danach wieder abfällt. Die Leistung liegt konstant an, baut sich gleichmäßig auf und bleibt verfügbar. Das sind klassische Verbrenner-PS, die nicht nach wenigen Sekunden wieder verschwinden, sondern dauerhaft präsent sind.
Auf der Straße übersetzt sich das in eine Form von Beschleunigung, die weniger spektakulär wirkt, als sie tatsächlich ist. Der Maserati schiebt mit einer Selbstverständlichkeit an, die man erst einordnet, wenn der Tacho längst Bereiche erreicht hat, in denen andere Fahrzeuge beginnen, sich anzustrengen. Hohe Geschwindigkeiten verlieren ihren dramatischen Charakter und werden zu etwas, das einfach passiert. Der Klang begleitet das Ganze auf eine Weise, die nicht jedem gefallen will, aber genau deshalb funktioniert. Unten rau, oben deutlich schärfer, entwickelt der V6 eine eigene Tonalität, die sich bewusst von gängigen Mustern absetzt. Der frühere V8 bleibt eine Erinnerung, der neue Motor eine eigenständige Lösung.
Karosserie/Ausstattung
Der GranTurismo ist ein Coupé im klassischen Sinne, allerdings eines, das sich nicht über Extreme definiert. Die Proportionen sind ausgewogen, die Linienführung bleibt ruhig, und selbst Details wie die mintgrünen Akzente der PrimaSerie wirken eher wie ein gezielter Stilbruch als wie ein Versuch, Aufmerksamkeit zu erzwingen. Im Innenraum setzt sich dieser Eindruck fort. Materialien wie Leder, Carbon und Aluminium sind hochwertig verarbeitet und vermitteln eine angenehme Mischung aus Moderne und Tradition. Der Maserati wirkt nicht klinisch, sondern bewusst gestaltet, fast schon wohnlich.
Die Bedienung folgt dagegen einem klar modernen Ansatz. Zwei zentrale Displays und ein zusätzlicher Bildschirm für die Klimasteuerung strukturieren das Cockpit logisch, reagieren schnell und sind grundsätzlich intuitiv. Weniger gelungen ist der Verzicht auf klassische Bedienelemente. Die Lautstärkeregelung über ein kleines Touchfeld erfordert mehr Aufmerksamkeit, als man ihr eigentlich widmen möchte, und auch die Lichtsteuerung über das Infotainment wirkt unnötig digitalisiert. Die Sitze überzeugen mit hohem Komfort und guter Langstreckentauglichkeit, während die Rückbank tatsächlich nutzbar bleibt. In dieser Klasse ist das keine Selbstverständlichkeit und unterstreicht den Anspruch, mehr zu sein als ein reines Sportcoupé.
Fahrverhalten
Auf der Straße zeigt der GranTurismo, warum er diesen Namen trägt. Im Alltag fährt er sich gelassen, stabil und angenehm unaufgeregt, ohne dabei an Präsenz zu verlieren. Lange Strecken werden zur entspannten Angelegenheit, bei der Geschwindigkeit eher nebenbei entsteht als bewusst erarbeitet werden muss. Wechselt man in die sportlicheren Fahrmodi, verändert sich das Gesamtbild spürbar. Das Fahrwerk strafft sich, die Reaktionen werden direkter, und der Allradantrieb verteilt die Kraft variabler.
Der Maserati bleibt dabei kontrollierbar und wirkt nie überfordert, selbst wenn das Tempo steigt. Die Lenkung arbeitet präzise, hält sich jedoch mit Rückmeldung zurück, was dem Charakter des Fahrzeugs entspricht, aber nicht jeden begeistern wird. Dafür überzeugt die Bremsanlage mit konstantem Verzögerungsverhalten und einem sicheren Gefühl, auch bei höherer Belastung.
Wirtschaftlichkeit
Beim Maserati GranTurismo Trofeo lohnt sich ein Blick auf die Zahlen, auch wenn er die grundsätzliche Entscheidung kaum beeinflussen wird. Im Alltag liegt der Verbrauch bei 12,2 Litern. Wer den Maserati sportlich bewegt, landet bei etwa 14,7 Litern, während sehr schnelle Autobahnetappen rund 18,2 Liter erfordern. Interessant ist die andere Seite: Mit zurückhaltender Fahrweise sind auch 9,1 Liter möglich. Für ein 550-PS-Allrad-Coupé ist das mehr als respektabel.
Die Reichweite bewegt sich realistisch zwischen 480 und 530 Kilometern und passt damit zum Charakter eines echten Gran Turismo. Auch der Kofferraum fällt mit 310 Litern praxisnah aus und liegt über dem Niveau einiger Konkurrenten. Deutlich klarer wird es beim Preis. Der Einstieg in die Baureihe beginnt bei 158.406 Euro, der Trofeo startet bei 198.925 Euro.
Ein vollausgestattetes Fahrzeug bewegt sich schnell in Richtung 250.000 Euro, unser Testwagen liegt mit rund 317.000 Euro deutlich darüber, ist aber auch auf 75 Stück limitiert. Allein der Lack schlägt mit knapp 18.000 Euro zu Buche, zusätzliche Optionen summieren sich entsprechend. Wer hier nach klassischer Wirtschaftlichkeit sucht, wird sie nicht finden. Wer sich bewusst dafür entscheidet, bekommt allerdings ein Fahrzeug, das seine Rolle als Langstrecken-Coupé auch im Alltag überzeugend erfüllt.
Fazit
Der Maserati GranTurismo Trofeo entzieht sich einer klaren Bewertung, weil er sich bewusst außerhalb klassischer Maßstäbe positioniert. Er ist nicht der schnellste, nicht der effizienteste und sicher nicht der günstigste Vertreter seiner Klasse. Dafür bietet er eine Mischung aus Design, Fahrgefühl und Präsenz, die sich nur schwer in Zahlen übersetzen lässt.
Der neue V6 fügt sich besser in dieses Konzept ein, als man zunächst erwarten würde, auch wenn der Verlust des V8 spürbar bleibt. Am Ende bleibt ein Gran Turismo, der seinen Namen ernst nimmt und genau das liefert, was man sich von ihm erhofft: Komfort, Tempo und Charakter in einer Kombination, die nicht perfekt ist, aber genau deshalb funktioniert.

