Probefahrt: Der Mercedes SL im Autotest

Deutlich flacher und dynamischer: Mercedes SL
Angelo Engel- Der Mercedes-AMG SL 63 ist ein sportlicher Luxus-Roadster mit 585 PS und 800 Nm Drehmoment.
- Beschleunigt in 3,6 Sekunden auf 100 km/h, Höchstgeschwindigkeit 315 km/h.
- Innenraum mit hochwertigen Materialien, umfangreiche Ausstattung ab Werk.
- Preis ab 196.000 Euro, vollausgestattet etwa 225.000 Euro.
- Hoher Verbrauch, im Test ca. 14 Liter/100 km, auf der Rennstrecke über 20 Liter.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ein Bilderbuch-Roadster, der bei einigen schon vor Jahrzehnten als Poster im Kinderzimmer hing: Die Rede ist vom Mercedes-Benz SL. Mittlerweile ist der SL ein AMG-Projekt geworden, sodass der Fokus in Richtung Sportlichkeit verlagert wurde. Das klingt schon in der Theorie nach einem spannenden Konzept für ein Fahrzeug mit einer wahrlich traditionsreichen Geschichte.
Motor
Wir fuhren den zweitstärksten Roadster im Portfolio: Angetrieben wird der SL 63 von einem vier Liter großen V8-Biturbo mit 585 PS. Das maximale Drehmoment beträgt beeindruckende 800 Newtonmeter. Die Kraft wird über ein AMG-eigenes Neungang-Automatikgetriebe auf alle vier Räder verteilt. Aus dem Stand auf 100 km/h schafft es der Power-Roadster in gerade einmal 3,6 Sekunden. Wer es darauf anlegt, erreicht maximal 315 km/h – auch mit geöffnetem Verdeck.
Alternativ stehen noch eine schwächere V8-Version (SL 55) mit 476 PS sowie ein Vierzylinder mit 421 PS (SL 43) bereit. Das Topmodell der Baureihe (SL 63 E Performance) ist ein Plug-in Hybrid und weist eine schier unglaubliche Systemleistung von 816 PS aus.
Karosserie/Ausstattung
Schaut man sich den neuen SL zum ersten Mal an, fällt zunächst auf, dass das Fahrzeug nun deutlich flacher und dynamischer daherkommt. Die früheren SL-Modelle waren allesamt mondän anmutend, während der neue das Sport-Trikot übergestreift hat. Die Front zeigt sich tief lauernd und beinahe aggressiv, mit großem Kühlergrill und sehr schmalen Scheinwerfern. Die Seitenansicht gibt den Blick frei auf eine wohlproportionierte Roadster-Silhouette mit langer Haube und kurzem Heck. Um bei selbigem zu bleiben: Dieses wurde zwar rund gestaltet, weist jedoch mit den vier Endrohren und formschön integrierten Heckleuchten eine üppige Portion Dynamik aus.
Im Innenraum herrscht typisches Mercedes-Flair der Neuzeit. Große Displays und viele digitale Bedienelemente dominieren das Gesamtbild, wenngleich ein paar analoge Bedienelemente geblieben sind. Natürlich wurden hier nur die besten Materialien verwendet. Der Kunde hat unter anderem die Wahl zwischen Aluminium, Holz und Carbon. Dass der SL noch immer ein typischer Roadster ist, zeigt das Raumangebot. Während die beiden Passagiere vorn fürstliche Platzverhältnisse genießen und auf Wunsch in den Genuss von Sitzheizung und -belüftung sowie diversen Massageprogrammen kommen, haben die Fondgäste eher weniger zu lachen. Diese „Sitze“ sind eher als Notplätze zu verstehen. Viel eher eignen sie sich als Erweiterung des Kofferraums. Und bei eingesetztem Windschott sind sie ohnehin nicht für Passagiere nutzbar.
Die Ausstattung ist bereits ab Werk umfangreich. Voll-LED-Scheinwerfer, Ledersitze, ein schlüsselloses Zugangs- und Startsystem sowie ein komplettes Infotainmentsystem sind nur eine Handvoll jener Dinge, mit denen jeder SL ausgerüstet wird. Doch natürlich geht immer mehr: So kostet ein High-End-Soundsystem aus dem Hause Burmester weitere 4400 Euro, das schicke Monza Grau magno (matt) ruft satte 7000 Euro auf und selbst für die Carbon-Elemente im Innenraum werden nochmal gut 2700 Euro aufgerufen. Wer möchte, erhält sogar ein Liftsystem für die Vorderachse (2142 Euro), welches jeder steilen Ein- und Ausfahrt den Schrecken nimmt. Und wer seinen Luxus-Roadster gern und oft auf der Rennstrecke bewegt, bekommt für den 63er auch eine Carbon-Keramikbremse (8925 Euro).
Fahrverhalten
Während die bisherigen SL-Modelle eher dem Komfort verpflichtet waren, wurde dem Neuzugang einiges auferlegt. So soll er – neben der Fortsetzung des SL-Erbes – den ehemaligen AMG GT Roadster beerben, wie auch das mittlerweile verblichene S-Klasse Cabriolet in gewisser Weise ersetzen. Dass dies nicht ohne Kompromisse zu realisieren ist, sollte jedem einleuchten.
Doch die Art und Weise, wie die Ingenieure in Affalterbach den neuen SL auf die Räder gestellt haben, ist beeindruckend. Er hat ein gänzlich neues Wesen, vermittelt ab dem ersten Kilometer eine Verbindlichkeit, gepaart mit Leistung im Überfluss und einer stets sportlichen Note. Ob der Komfort zu kurz kommt? Würden wir so nicht sagen.
Das Fahrwerk ist straff abgestimmt, wird aber niemals kompromisslos hart. Vielmehr ist es eine Facette des Fahrzeugs, die wohl die meisten positiv bewerten werden. Die Lenkung ist überaus präzise, die (Serien-) Bremse unerschütterlich standfest. Dass er das Cruisen über weite Landstraßen ebenso zelebriert wie Vollgasorgien auf der (nächtlichen) Autobahn, ist aus unserer Sicht kein Kompromiss, sondern eine ingenieurstechnische Meisterleistung. Insbesondere, weil Fahrzeuge in dieser Leistungsklasse – wir sprechen über 585 PS und 800 Newtonmeter Drehmoment – oftmals eher brutal als ausgeglichen daherkommen.
Der Verbrauch belief sich in unserem Test auf rund 14 Liter Super Plus pro 100 Kilometer. Das ist von der Werksangabe nicht allzu weit entfernt. Wer es darauf anlegt, unterbietet entweder die 10-Liter-Marke (gemütliches Gleiten) oder überschreitet die 20-Liter-Marke (Rennstrecke).
Wirtschaftlichkeit
Der Mercedes-AMG SL 63 kostet bereits in der Basis gut 196.000 Euro. Unser nahezu vollausgestatteter Testwagen bringt es derweil auf rund 225.000 Euro. Damit bewegt sich der Luxus-Roadster auf einer Ebene mit Porsche 911 Turbo S und Konsorten.
Der Verbrauch ist vom Hersteller mit 13,1 Litern angegeben, was sich in der Praxis auch realisieren lässt, solange man sich nicht ständig der Leistung hingibt. Auf unserer Sparrunde konsumierte der Roadster rund Liter. Bei forscher Autobahnfahrt oder gar auf der Rennstrecke dürfte derweil eine Zwei am Anfang stehen.
Fazit
Der Mercedes-AMG Sl 63 ist noch immer ein Fahrzeug für Genießer. Seinen typischen Roadster-Charakter hat er nicht verloren – im Gegenteil. Durch die Entwicklung in Affalterbach von AMG hat der SL eine weitere, dynamische Facette hinzugewonnen. Als 63er ist er prädestiniert für eine leistungshungrige Zielgruppe, die mehr erwartet als nur einen Begleiter zum Cruisen. Der hohe Anschaffungspreis wird nicht zuletzt einer der Gründe sein, weshalb die neue Ikone eine Rarität auf den Straßen bleiben wird. Das war beim SL aber schon immer so – und wird wohl auch immer so bleiben.

