ArcelorMittal Eisenhüttenstadt
: Neuer Name, große Sorgen – Start ins heiße Jahrtausend

Große Sorgen, große Investitionen und ein neuer Konzern – so begann das dritte Jahrtausend für EKO Stahl in Eisenhüttenstadt. 24 Jahre ist es her. Wir öffnen 24 Türen und schauen zurück in die Geschichte.
Von
Janet Neiser
Eisenhüttenstadt
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2.11.2001 Demonstration von IG Metall und EKO Mitarbeitern vor dem Werkstor 1 von EKO Stahl

Heißer Start ins neue Jahrtausend: Bei EKO Stahl – heute ArcelorMittal – in Eisenhüttenstadt hat es im Jahr 2001 große Zukunftssorgen gegeben. In dem Jahr rüttelte eine Mega-Fusion die Stahl-Branche auf. Im November 2001 gab es eine Demonstration vor dem Werkstor. (Archivfoto)

Gerrit Freitag
  • 2001: EKO Stahl in Eisenhüttenstadt wird Teil der Fusion von Arbed, Aceralia und Usinor zu Arcelor.
  • Fusion erzeugt Zukunftsängste und Proteste bei EKO-Mitarbeitern.
  • Hochofen I produziert die 75-millionste Tonne Roheisen.
  • Neue Investitionen, wie die Stahllogistikhalle und neue Produktionstechniken, steigern Attraktivität.
  • EKO kämpft gegen Ausländerfeindlichkeit und fördert Toleranz in der Ausbildung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das dritte Jahrtausend, das am 1. Januar 2001 startete – denn es gibt kein Jahr Null – markiert einen Wendepunkt für das Stahlunternehmen in Eisenhüttenstadt, das heute den Namen ArcelorMittal trägt. In den vergangenen 24 Jahren sind nicht nur etliche Millionen Tonnen Stahl produziert worden, sondern es hat sich wahnsinnig viel verändert, unter anderem der Name. Es wurden Investitionen und Erfolge gefeiert, aber es wurde auch wiederholt für den Erhalt des Werkes gekämpft.

Wir werden die Jahre 2001 bis 2024 im Detail durchleuchten, historische Fotos zeigen und an fast vergessene Geschichten erinnern.

Los geht es mit dem Jahr 2001.

Stahl-Zeiten 2001 in Eisenhüttenstadt

EKO Stahl mit seinen etwa 3000 Beschäftigten ist zum Start des neuen Jahrtausends mittendrin im bis dahin größten Fusionsprozess in der Stahlbranche. Das Stahlunternehmen war im Dezember 1994  privatisiert und vom belgischen Konzern Cockerill Sambre übernommen worden. Unter diesem Namen werden große Investitionen getätigt, so entstehen beispielsweise das Warmwalzwerk, durch das der metallurgische Zyklus endlich geschlossen werden kann, und der Hochofen 5A.

1998 erfolgte der Verkauf der Mehrheit des Stahlkonzerns Cockerill/EKO an die französische Usinor-Gruppe. Auf dem offiziellen Logo des Werkes steht nun EKO Stahl – Gruppe Usinor.

Doch im Februar 2001 rüttelt folgende Nachricht nicht nur Eisenhüttenstadt, sondern die weltweite Stahlbranche auf: Die Stahlkonzerne Arbed aus Luxemburg, Aceralia aus Spanien und Usinor aus Frankreich planen eine Fusion zum weltgrößten Stahlhersteller mit einem gemeinsamen Umsatz von rund 30 Milliarden Euro.

19.9.2001: 50 Jahre Hochofen EKO Stahl, Abstich der 75. Millionsten Tonne Roheisen am Hochofen 1

19.9.2001: 50 Jahre Hochofen EKO Stahl, Abstich der 75. Millionsten Tonne Roheisen in der Geschichte des Roheisenwerkes.

Gerrit Freitag

Damit würden sich die drei Unternehmen an die Spitze der Branche vor der japanischen Nippon Steel setzen. Zusammen käme man auf eine jährliche Rohstahlproduktion von rund 45 Millionen Tonnen.

Angst bei EKO Stahl in Eisenhüttenstadt

Der Arbeitsname für den neuen Konzern lautet zunächst NewCo. Eine Fusion würde zu Kosteneinsparungen und dem Abbau von Kapazitäten in Europa führen und den Konzernen eine Basis für eine weltweite Expansion bieten. Das lässt die Alarmglocken bei EKO Stahl  in Eisenhüttenstadt schrillen.

Im Frühjahr wächst die Angst, dass EKO möglicherweise die Flüssigstahllinie verlieren könnte. Das wird kurz darauf von Usinor dementiert. Die Sorgen bleiben. Für die künftige Produktion werden zwei Varianten geprüft: Variante eins sieht die Roheisenproduktion mit Hochofen 5A vor. Dessen Jahresproduktion soll sich auf 1,7 Millionen Tonnen Roheisen belaufen. In Variante zwei plant man die Roheisenproduktion mit dem Hochofen 5A und einem kleinen Hochofen.

Im Mai ist klar: Die Produktion geht mit zwei Hochöfen weiter. Hochofen I und 5A werden Roheisen kochen. Damit ist das endgültige Aus von Hochofen III besiegelt. Der wird im Mai tiefgeblasen. Der Dreier war im August 1952 in Betrieb genommen worden und lieferte bis zur Stilllegung 13,4 Millionen Tonnen Roheisen.

Demonstration von Mitarbeitern in Eisenhüttenstadt

Während der Aufsichtsrat im Juni über die Zukunft im Roheisenwerk beschließt, haben sich rund 1500 EKO-Mitarbeiter und Angehörige ausgegliederter Betriebe versammelt, um für die Eigenständigkeit des größten ostbrandenburgischen Industrieunternehmens zu demonstrieren. Hintergrund sind Zukunftsängste aufgrund der bevorstehenden Fusion der EKO-Stahl-Mutter Usinor mit Arbed und Aceralia.

75 Millionen Tonnen Roheisen hat der Hochofen I in Eisenhüttenstadt am 19.9.2001 produziert. Vor 50 ging die Anlage in Betrieb.

75 Millionen Tonnen Roheisen haben die Hochöfen in Eisenhüttenstadt am 19.9.2001 produziert. Vor 50 Jahren war der Hochofen I in  Betrieb gegangen.

Gerrit Freitag

Im November 2001 ist klar: Die europäische Kartellbehörde genehmigt die Stahl-Ehe der drei europäischen Konzerne zum weltgrößten Branchenunternehmen mit mehr als 110.000 Mitarbeitern auf vier Kontinenten.

Der Arbeitsname NewCo ist vergessen: Der Konzern wird Arcelor heißen, eine Verschmelzung aller drei Namen. Und der größte ostdeutsche Stahlproduzent EKO in Eisenhüttenstadt wird zum Arcelor-Konzern gehören, der seinen Stammsitz in Luxemburg hat. Überlegungen, ob Usinor EKO möglicherweise vorher an die Salzgitter AG verkauft, sind damit vom Tisch.

Was 2001 noch passierte

im Juni 2001 wird im Kaltwalzwerk eine neue Schubbeize in Betrieb genommen. Die Produktion neuer Erzeugnisse wie „verzinkt galvannealed“ und „bonazinc“ steigern die Attraktivität des Unternehmens. Das ist wichtig, denn eine Konjunkturabschwächung innerhalb der Stahlindustrie beeinträchtigt die Geschäftsentwicklung.  Die Terroranschläge am 11. September 2001 in den USA verschlechtern die bereits angespannte Situation auf dem Markt weiter.

Am 19. September wird die 75-millionste Tonne Roheisen seit Inbetriebnahme des Roheisenwerkes abgestochen, der Hochofen I wurde als Erster vor 50 Jahre in Betrieb genommen.

Im November wird die Stahllogistikhalle von Panopa Logistik GmbH & Co. KG im Wert von 13 Millionen Mark in Betrieb genommen. Da die im EKO-Kaltwalzwerk vorhandenen 30.000 Quadratmeter Lagerfläche nicht mehr ausreichen, hat Panopa auf dem Gelände von EKO Stahl eine neue Halle mit einer Gesamtfläche von 9.000 Quadratmetern gebaut. Sie dient als Vormateriallager zur Belieferung der EKO-Kunden.

16.11.2001 Eröffnung der neuen Stahllogistikhalle der Firma Panopa auf dem EKO-Gelände

16.11.2001 Eröffnung der neuen Stahllogistikhalle der Firma Panopa auf dem EKO-Gelände

Gerrit Freitag

EKO Stahl engagiert sich zudem weiterhin gegen Ausländerfeindlichkeit und Intoleranz: „Das EKO will über seinen Ausbildungsplan zukünftig auch Toleranz vermitteln“, sagt Rainer Barcikowski, Arbeitsdirektor bei EKO Stahl, 2001. Und Holger Wachsmann, der Betriebsratsvorsitzende erklärt: Wer im Betrieb eine Ausbildung macht und privat mit dem Rechtsextremismus sympathisiert, werde zu einem Gespräch gebeten. „Wir wollen zeigen, wo die Grenzen liegen.“

Das neue Jahrtausend bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt – ein historischer Adventskalender

Das neue Jahrtausend zählt 24 Jahre, genauso viele Türen hat ein Adventskalender. Aus diesem Grund öffnen wir bis 24. Dezember jeden Tag das Fenster in ein altes Jahr, und zwar mit Blick auf ArcelorMittal Eisenhüttenstadt.

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