Auszeichnung in Bad Freienwalde
: Wann der Hans-Keilson-Preis verliehen wird

Die Stadt Bad Freienwalde zeichnet alle zwei Jahre Menschen aus, die sich in besonderer Weise mit der Aufarbeitung des Holocaust und der Geschichte des Nationalsozialismus beschäftigt haben. In welchem Rahmen der Preis vergeben wird.
Von
Steffen Göttmann
Bad Freienwalde
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Historiker und Politikwissenschaftler Götz Aly: ARCHIV - 29.11.2017, NA, Berlin: Der Historiker und Politikwissenschaftler Götz Aly. (zu dpa: «Überfall auf Polen vor 85 Jahren - gibt es Parallelen zu heute?») Foto: Sophia Kembowski/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Ausgezeichet: Der Historiker und Politikwissenschaftler Götz Aly aus Berlin erhält am 23. Oktober den Hans-Keilson-Literaturpreis der Stadt Bad Freienwalde.

Sophia Kembowski/dpa
  • Bad Freienwalde verleiht den Hans-Keilson-Literaturpreis an Götz Aly.
  • Der Festakt ist am 23. Oktober um 19 Uhr im Hoftheater in Bad Freienwalde.
  • Prämiert werden Werke zu Holocaust, Extremismus und Judenfeindlichkeit – dotiert mit 3000 Euro.
  • Alys Buch „Wie konnte das geschehen? Deutschland von 1933 bis 1945“ ist Anlass der Wahl.
  • Aly stellt sein Buch in Yad Vashem vor, zudem schenkt er der Stadt 500 Bücher.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Stadt Bad Freienwalde verleiht auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung in diesem Jahr zum zweiten Mal nach 2024 den Hans-Keilson-Literaturpreis. Preisträger ist der Historiker und Politikwissenschaftler Götz Aly aus Berlin. Anlass ist sein im Jahr 2025 erschienenes Buch „Wie konnte das geschehen? Deutschland von 1933 bis 1945“

Ausgezeichnet werden Autorinnen und Autoren, die sich den Themen Holocaust, politischem und religiösem Extremismus, sowie Judenfeindlichkeit widmen.

Der Preis ist mit 3000 Euro sowie einer Bronzeskulptur von der Bildhauerin Sylvia Hagen dotiert. Unterstützt wird dieser Preis von Landrat Gernot Schmidt (SPD) und von der Sparkasse Märkisch-Oderland.

Initiator der Preisverleihung ist Eberhard Görner

Erster Preisträger im Jahr 2024 war Jos Verstegen, der eine Biografie von Hans Keilson, Ehrenbürger von Bad Freienwalde, unter dem Titel „Hans Keilson – Immer wieder ein neues Leben“ verfasst hat.

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Initiator dieses neuen Kapitels der Bad Freienwalder Erinnerungskultur ist Eberhard Görner, Dramaturg, Filmregisseur und Schriftsteller, der in Bad Freienwalde lebt. Er ist Vorsitzender einer Jury, in der sich die Schriftsteller Volker Braun und Christoph Hein, der Verleger Michael Faber und Reinhard Schmook, Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung in Bad Freienwalde, engagieren. Sie bestimmen den jeweiligen Preisträger. Dieses Mal gab es keine Diskussionen.

Götz Aly stellt Buch in Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem vor

„Wir haben uns schon vor einem Jahr für Götz Aly entschieden. Ich habe mir sein Buch gekauft und es in einem Zug durchgelesen“, erinnert sich Görner und fügt hinzu: „Ich finde, er hat deutlich das Versagen des deutschen Volkes gegenüber der nationalsozialistischen Ideologie herausgearbeitet.“  Aly macht deutlich, dass die Täter Deutsche waren, ungeachtet ihres sozialen Standes und ihres Bildungsgrades. Viele machten mit, waren als Soldaten an Mordkommandos beteiligt oder schauten einfach nur weg. Als die Jury in einem Restaurant in Berlin zusammentraf und Görner Götz Aly als Preisträger vorschlug, stimmten ihm alle begeistert zu.

Neues Buch: Autor Jos Versteegen und Marita Keilson präsentieren in der Bibliothek in Bad Freienwalde die neue Biografie über den Arzt, Psychoanalytiker und schriftstseller Hans Keilson (1909-2011).

Erster Preisträger: Autor Jos Versteegen, hier mit Hans Keilsons Witwe, Marita Keilson, die 2024 gemeinsam in der Bibliothek in Bad Freienwalde die Biografie über den Arzt, Psychoanalytiker und Schriftstseller Hans Keilson (1909-2011) präsentierten. (Archivbild)

Steffen Göttmann

Als Görner daraufhin Aly kontaktierte und ihn fragte, ob er den Preis annehmen werde, stimmte er zu. „Ich habe gerade eine Mail von Götz Aly vom Flughafen in Wien bekommen. Dort stieg er in ein Flugzeug nach Israel“, berichtet Görner. Er werde sein Buch in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem vorstellen. „Bad Freienwalde tritt durch den Literaturpreis in den Dialog mit Jerusalem“, erklärt Görner.

Alys Buch erklärt, warum Keilson fliehen musste

Alys Buch erkläre, warum Hans Keilsons Eltern, die in Bad Freienwalde ein Textilwarengeschäft betrieben, die Ausreise nach Israel verweigert wurde und sie in Auschwitz ermordet wurden, betont Görner. Das Buch erklärt zudem, warum Hans Keilson aus Bad Freienwalde und Berlin in die Niederlande fliehen und warum er dort untertauchen musste, um sein Leben zu retten. Deshalb habe Götz Aly, so Görner, viel mit Bad Freienwalde zu tun.

„Bad Freienwalde tritt durch den Literaturpreis in den Dialog mit Jerusalem.“
Eberhard Görner
Initiator des „Hans-Keilson-Literaturpreises“ in Bad Freienwalde

Zudem schenkt der Preisträger 500 Bücher aus seiner umfangreichen Bibliothek der Stadt Bad Freienwalde. Eberhard Görner und Reinhard Schmook werden Götz Aly in seinem Berliner Büro besuchen. Weil im derzeitigen Bibliotheksgebäude, Gartenstraße 1, kein Platz ist, werden die Bücher deponiert. Wenn die Stadtbibliothek „Hans Keilson“ ins Bahnhofsgebäude zieht, stehen die Bücher der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Preisverleihung ist am 23. Oktober im Hoftheater Bad Freienwalde

Der Festakt ist am 23. Oktober (Freitag) um 19 Uhr im Hoftheater, Königstraße 11, in Bad Freienwalde. Landrat Gernot Schmidt (SPD), Bürgermeisterin Ulrike Heidemann (CDU) und Thomas Beutler, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Märkisch-Oderland, verleihen den Preis. Die Künstlerin Sylvia Hagen überreicht Götz Aly die Bronze-Skulptur.

Götz Aly wird sein Buch vorstellen, Professor. Dr. Martin Sabrow, ehemaliger Direktor des Leibniz-Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam und Professor für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin, hält die Laudatio. Der Schauspieler Christian Steyer wird Texte von Hans Keilson vortragen, musikalisch umrahmt von dem Klezmer-Duo Johanna Hessenberg (Klarinette) und Jule Seggelke (Akkordeon). Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt frei.