Investition in Bad Freienwalde
: Kirche und Oderbruch-Museum auf gemeinsamem Weg

Die Evangelische Kirchengemeinde Oberbarnim-Nikolai in Bad Freienwalde und das Oderbruch-Museum nutzen die Kirche Altranft künftig gemeinsam. Was dort geplant ist.
Von
Steffen Göttmann
Altranft
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Kirche Altranft in B: Kirchengemeinde Oberbarnim-Nikolai und Oderbruch-Museum nutzen das Gebäude aus dem Jahr 1752 jetzt gemeinsam. Der Turm enstand 1901.

Alex Schirmer

„In die Bausubstanz der Kirche Altranft gab ein keine Eingriffe, wir haben jedoch verstärkte Renovierungsarbeiten im Innenraum vorgenommen“, sagt Pfarrer Björn Ferch von der Evangelischen Kirchengemeinde Oberbarnim-Nikolai mit Sitz in Bad Freienwalde.

Zur Gemeinde gehören die Dörfer Altgaul, Altranft, Neugaul, Rathsdorf, Sonnenburg, Wölsickendorf, Wollenberg und Steinbeck sowie die Kurstadt Bad Freienwalde. Knapp 1.300 evangelische Christen leben in der Region zwischen Oderbruch und Barnim.

Renovierungen erweitern Ausstellungsmöglichkeiten

Vom Eingang aus gesehen vorne rechts seien zwei Kirchenbänke der Kirche Altranft herausgenommen und eingelagert worden. Dafür seien Bodenfliesen verlegt worden, die den vorhandenen historischen Fliesen angepasst wurden.

Mehr Platz im Innenraum: die Kirche Altranft nach der Renovierung.

Alex Schirmer

Damit sei eine größere Ausstellungsfläche entstanden, erläutert Pfarrer Ferch. Auch die Krypta, eine Grabstätte unter dem Chor, sei freigelegt worden. Es sei nicht möglich hinabzusteigen, man könne aber durch ein Loch hineinschauen, sagt der Pfarrer. Eine große Wand, vorher Stockflecken hatte, sei neu gestrichen worden.

Der Gemeindekirchenrat habe schnell verstanden, dass es eine Chance sei, mit dem Oderbruch-Museum zusammenzuarbeiten. „Es belebt die Kirche der evangelischen Kirchengemeinde, sie ist vielseitiger nutzbar, als das bisher der Fall war“, ergänzt der Pfarrer. In der Kirche Altranft werden weiter Gottesdienste gehalten, sie diene aber auch als Ausstellungsraum.

Unterstützung durch Landeskirche, Kirchenkreis und Stiftung

Die Arbeiten seien in enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde erfolgt. Hinzu kam, dass die Landeskirche, der Kirchenkreis und die Denkmalschutz-Stiftung Geld hinzugegeben haben, sodass die Bauarbeiten in einem Umfang von kapp 80.000 Euro bezahlt werden konnten.

„Wir als Kirchengemeinde hätten das niemals alleine geschafft“, betont der Pfarrer. „Ohne Petra Kobolz, Baubeauftragte der Evangelischen Kirchenkreises Oderland-Spree hätten die Baumaßnahmen nicht ausgeführt werden können“, lobte Ferch. Dieses Lob äußert auch Kenneth Anders vom Programmbüro des Oderbruch-Museums Altranft.

Museum und Kirche fördern regionale Kulturgeschichte

Denn mit dieser Investition beteiligt sich die Kirche aktiv am neuen Jahresthema „Kirche im Oderbruch“. Die Kirche im Dorf stehe im Mittelpunkt, das Museum suche aber auch andere Formen der Glaubenspraxis und verfolge Spuren jüdischen Glaubens im Oderbruch, kündigt Kenneth Anders an.

„Es gibt kaum eine Landschaft, die eine solche Vielfalt an Kirchengebäuden hat“, zitiert er den Regionalhistoriker Reinhard Schmook: vom Schul- und Bethaus über kleine Fachwerkkirchen bis zum Dom des Oderbruchs. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es Notkirchen.

Obwohl sich viele Menschen vom Glauben abwandten, gelten die Kirchen weiter als identitätsstiftend. Anders nennt als Beispiel die Kirche Neutornow, in der die Gemeinde den Weihnachtsabend selbst gestaltet und wo sich immer mehr Menschen am Krippenspiel und am gemeinsamen Singen beteiligen.

Das Museum sammelt Geschichten und führt Interviews mit 20 bis Christinnen und Christen aus der Region. Die Pfarrer seien aufgerufen geworden, selbst etwas zu schreiben, berichtet Anders.

Früherer Saisonstart für das Oderbruch-Museum

Das Museum nähert sich dem Thema vielfältig: am 6. April wird eine Ausstellung zur Baugeschichte der Kirche Altranft eröffnet, es gibt es Salongespräch zur Theologe mit Martin Jenssen aus Hohensaaten. Die Sommerschule mit Studierenden der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung (HNE) Eberswalde beschäftigt sich mit Kirchenfriedhöfen im Oderbruch.

Der Fotograf Michael Anker hat kirchliches Leben im Oderbruch aufgenommen. Seine quadratischen Schwarz-Weiß Fotografien werden ab 6. Juli in der Kirche Altranft zu sehen sein. Das Oderbruch-Museum öffnet einen Monat früher als bisher, bereits am 2. März seine Türen. Ganz neu ist dann das Gustav-Schüler-Archiv, das die Familie dem Museum übergeben hat.. Gustav Schüler, geboren 1868 in Neureetz, gestorben 1938 in Bad Freienwalde, war Heimatdichter. Sein literarisches Werk umfasst mehr als 20 Bücher und mehr als 1.500 Gedichte.