Zombieaufmarsch am Bahnhof, Weihnachten und Ostern gleichzeitig am Dorfanger und ein Death-Metal-Konzert auf dem Balkon. Im Rahmen des brandenburgweiten Jugendbeteiligungsprojektes „AnBahnen“ der Stiftung SPI, die auch Träger des Jugend-Teams Beeskow ist, gestalten Kinder und Jugendliche ein abwechslungsreiches Programm für Bahn- und Busreisende an mehr als 35 Aktionsorten, um zu zeigen, welche Ideen sie in Zeiten von Corona haben und wie systemrelevant sie sind.

Jugendliche als aktiv Gestaltende

Durch dieses Jugendkulturprojekt soll die regionale Zusammenarbeit zwischen Jugendlichen, Jugendvertretungen, Politik, Verwaltung, sozialer Arbeit und zivilgesellschaftlichen Initiativen gestärkt werden, um gemeinsam neue Ideen, zukunftsfähige Strukturen und Perspektiven auf die schwierige Zeit während der Corona-Krise zu entwickeln, heißt es im Vorfeld von den Organisatoren. „Nach den Aussagen von Kindern und Jugendlichen sind sie in der Corona-Krise nur als Schüler*innen wahrgenommen worden und es ging immer nur um die Sicherung der schulischen Bildungslandschaft“, so Katja Stephan vom Kompetenzzentrum für die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen Brandenburg. „Ihre Ideen, Bedürfnisse und Gestaltungsmöglichkeiten in der Krise wurden nicht abgefragt, dabei hätten viele nachhaltige Innovationen von ihnen ausgehen können. Die Aktion soll auch dazu führen, die Jugendbeteiligung in den beteiligten Städten und Gemeinden zu stärken, die mit dem Beteiligungsparagraph §18a vor zwei Jahren in der Brandenburgischen Kommunalverfassung verankert wurde.“

Unerwartetes an Bahnhof und Feld

Das langgezogene Zentrum des Aktionstages im Landkreis Oder-Spree stellt die Strecke der Regionalbahn 36 zwischen Storkow und Ragow, das wegen den andauernden Bauarbeiten und Ersatzverkehrbussen auf der Linie den Aktionsort Grunow ersetzt, dar. Die künstlerische Leitung für den Abschnitt haben Helene Radam (Jugendensembles „Treffpunkt Bühne“ auf der Burg Beeskow und Workshops im Beeskower Hüfnerhaus) und Tobias Urban (Mobile Jugendarbeit des Jugend-Team Beeskow) inne. Rund 30 Kinder und Jugendliche werden auf dem Abschnitt in die Projekte eingebunden sein.
„Die Idee stammte ursprünglich von Fachleuten der Bauhaus-Universität Weimar“, erklärt Helene Radam. 2017 hatten sie die Kunstaktion „Bewegtes Land“ auf einer 30 Kilometer langen Zugstrecke zwischen Naumburg in Sachsen-Anhalt und Jena in Thüringen organisiert. Allerdings mit Erwachsenen.
In Brandenburg steht nun die Jugend im Vordergrund. „Da werden Dinge passieren, die man an Bahnhöfen und auf Feldern nicht erwartet“, verspricht Radam. „Es geht um neue Sichtweisen und das Durchbrechen des gewohnten Sehens.“ Wie im Internet reihen sich beim Zugfahren immer wieder neue Bilder schnell aneinander. Aber das Gewohnte soll aufgebrochen werden, Überraschung und Verwunderung ausgelöst werden.

„Anbussen“ vs. „AnBahnen“

Für den Bahnhof Storkow bereitet das Jugendensemble „Treffpunkt Bühne“ eine Zombie-Invasion vor. In Wendisch Rietz gehen Jugendliche auf einen Catwalk auf dem roten Teppich und bieten eine musikalische Improvisation mit Geige und Cello. In Lindenberg will eine Streetdance-Gruppe die Umsteigenden zwischen Bus und Bahn unterhalten. Am Bahnhof Beeskow wartet ein kleines Death-Metal-Konzert. Entlang der Ersatzbusstrecke über Oegeln nach Ragow sind Graffities und performative Einlagen geplant und auf dem Dorfanger in Ragow lässt das Kinderensemble Weihnachtsmann und Engel gegen Osterhasen antreten.
Dass die Regionalbahn gerade mit Ersatzverkehr fährt, haben Radam und ihre Kollegen erst kurzfristig erfahren. „Jetzt müsste es eigentlich ‚AnBussen‘ heißen“, lacht sie.