Zwei bunte Reisebusse umfahren gleichzeitig den Kreisverkehr an der Beeskower Bahnhofsstraße. Einer kommt gerade aus Mixdorf über Oegeln und rollt nun weiter über die Schützenstraße und Buckow nach Lindenberg. Der andere ist in der Gegenrichtung unterwegs. Stündlich – wie eigentlich die Eisenbahn der Strecke RB 36 zwischen Frankfurt und Königs Wusterhausen – verkehren nun Busse auf dem Abschnitt Mixdorf – Lindenberg, nachts sogar bis Storkow. Den Beeskower Ortsteil Schneeberg erreicht man aktuell nur per Shuttlebus aus Mixdorf.

Die Suche nach dem richtigen Schienenersatzverkehr

Der kleine grau-silberne Minibus ist es auch, der das Ehepaar Fock aus Nürnberg kurz verwirrte. Das Paar macht seit 40 Jahren Urlaub ohne Auto in Orten, die gut durch Nahverkehr angebunden sind. Die ursprünglichen Berliner kommen regelmäßig nach Brandenburg, im Südosten sind sie nun zum ersten Mal. Von Müllrose aus erkunden sie die Gegend. Mal mit Freunden aus der Hauptstadt mit deren Auto, aber meistens selbstständig mit den Öffentlichen. Als sie nach Müllrose kamen, fuhr die Regionalbahn noch durch.
Nun wollen sie einen Abstecher nach Beeskow machen. Aufmerksam lesen sie alle Hinweiszettel am Bahnhof sowie die Infoheftchen im Zug. Dennoch: Wo genau die SEV-Haltestelle um die Ecke ist und welcher Ersatzbus sie nun nach Beeskow bringt, das klärt sich doch erst im Gespräch mit Mitreisenden.
Ähnlich ist die Situation am Beeskower Bahnhof, wo die Ersatzbusse in beide Richtungen fahren an derselben Haltestelle vorm Hauptgebäude ab. Im Abstand von zehn Minuten.

Minimal und nur auf Deutsch

„Die Ausschilderung ist schon minimal“, fällt den Focks auf. Die Zettel mit den vielen Zahlen in kleiner Schrift hätten ihnen noch weniger geholfen als die Leuchtanzeige am Bahnsteig. „Und was ist mit den vielen Urlaubern hier, die aus Polen kommen?“ Die Hinweise sind nämlich ausschließlich auf Deutsch.
Gut ist, dass sie sich nicht an der Smartphone-App der Deutschen Bahn orientieren, denn dort sind diese Fahrplanänderungen noch sehr unzuverlässig eingearbeitet. Dafür aber helfen die Zugbegleitenden freundlich, geduldig und beharrlich weiter. Seit Ende August informieren sie jeden Fahrgast auf der Strecke über die Änderungen, verteilen Infohefte und beantworten sämtliche Fragen. „Leider haben wir und die Zugführer auch erst sehr spät die konkreten Zeiten und Abläufe bekommen“, sagt eine Zugbegleiterin. Darum seien die ersten Tage doch auch für sie noch recht durcheinander verlaufen.
Ein Einschnitt ist auch, dass die Ersatzbusse Kinderwagen, Fahrräder und Rollstühle nur in sehr geringer Zahl befördern können. Einen Wagen oder zwei Räder könne man schon irgendwie unterbringen, meint eine Begleiterin. Andere sagen gleich: Nein, Fahrräder werden die Busfahrer nicht mitnehmen.

Neues Stellwerk, neue Straße und kürzere Fahrzeit

Bis zum Morgen des 12. Oktober wird das so bleiben. Denn gleich mehrere große Bauarbeiten entlang der Strecke benötigen eine Sperrung des Bahnverkehrs. In Beeskow wird am Bahnhofsgebäude gebaut, das ab nächstem Jahr zum Haus der Vereine umgestaltet werden soll. Die Deutsche Bahn wird hier parallel ein neues elektronisches Stellwerk aufbauen und in Betrieb nehmen. Dazu müssen Kabelarbeiten erledigt und das alte Stellwerk sowie die alte Signaltechnik zurückgebaut werden.
Um- und Ausbauten entlang der Strecke sollen künftig die Geschwindigkeit erhöhen und Fahrzeiten verkürzen. Ziel ist nach Angaben der Niederbarnimer Eisenbahn, für die Teilstrecke Beeskow – Frankfurt weniger als 30 Minuten Fahrzeit zu erreichen. Vor den Bauarbeiten waren es noch 35 Minuten.
Parallel wird zusätzlich am Bahnübergang in Schneeberg im Zuge der Decken- und Rohrerneuerungsarbeiten an der B 246 zwischen dem Ortsteil und der Kreisstadt gebaut.

Vollsperrung über eineinhalb Tage

Vom Abend des 18. September sowie den gesamten 19. September wird außerdem vorübergehend die gesamte Strecke gesperrt. Dann wird ein Shuttlebus von Mixdorf nach Grunow und Schneeberg verkehren sowie ein zweiter von Frankfurt an den Helensee. Von Frankfurt (Oder) nach Königs Wusterhausen besteht Schienenersatzverkehr im üblichen Stundentakt. Die Fahrzeit der Strecke wird sich auf etwa zwei Stunden und 15 Minuten verlängern, in Beeskow muss mit kurzer Übergangszeit von einem in den nächsten Bus umgestiegen werden, wie Holger Reimann, Pressesprecher der Niederbarnimer Eisenbahn auf Anfrage erklärte.

Detaillierte Informationen werden per Aushang an den Bahnhöfen sowie auf der Webseite www.neb.de veröffentlicht.

SEV für RB 36


Die Fahrplanänderungen gelten seit dem späten 28. August und planmäßig bis zum frühen 12. Oktober. Durch den Ersatzverkehr verlängern sich die Fahrzeiten und verändern sich die Abfahrtzeiten.

Ein Schienenersatzverkehr mit Reisebussen pendelt ganztägig zwischen Mixdorf und Lindenberg über Oegelner Bahnhof, Beeskow (Bahnhof und Schützenstraße) und Buckow bei Beeskow. Kinderwagen, Fahrräder und Rollstühle können nur in äußerst begrenzter Anzahl befördert werden. Ein zweiter Shuttlebus verbindet Mixdorf mit Schneeberg. Hier verkehren Kleinbusse.

Die Eisenbahn RB 36 von Frankfurt endet in Grunow (Niederlausitz). Von Königs Wusterhausen verkehrt sie tagsüber bis Lindenberg. Zwischen 22 und sechs Uhr muss schon in Storkow in den Ersatzverkehr über Hubertushöhe (An der B246), Bahnhof Wendisch Rietz und weiter über Lindenberg bis Mixdorf umgestiegen werden.