Tierheim Märkisch Buchholz: Hund Greta sieht nur gefährlich aus, liebt aber kuscheln

Cane Corso-Hündin Greta – wenn die Schmerzmittel wirken, vergisst sie, dass sie ein altes Mädchen ist.
Jens OlbrichOb Greta von illegalen Züchtern einfach auf der Straße „entsorgt“ wurde oder fliehen konnte, lässt sich genauso schwer ergründen, wie der Missbrauch der Cane Corso Hündin als vermeintliche „Gebärmaschine“. Vermutungen, allerdings auf Basis greifbarer Realitäten.
Real ist Gretas im Untersuchungsbericht bei Aufnahme im Tierheim Märkisch Buchholz dokumentierter Zustand und Augenzeugenberichte, nach denen die Hündin bereits im April dieses Jahrs allein und unbeaufsichtigt durch die Straßen von Mahlow (Teltow-Fläming) gestreift sei.
Der gemeinnützige Verein „Saving Soul Pfotensicherung Berlin“ hätte die Hündin im Mai dieses Jahres im Auftrag der Polizei Schönefeld sichergestellt und ins Tierheim Märkisch Buchholz gebracht, so Tierpflegerin Manuela Budich. „Sie war bereits eine ganze Weile unterwegs.
Eine Sicherung war nicht eher möglich, weil Greta wirklich sehr ängstlich ist und schwer greifbar“, erklärt sie. April bis Mai, das seien bis zu vier Wochen, in denen sich Cane Corso-Hündin Greta auf sich allein gestellt als Straßenhund unterwegs gewesen sei.
Ohren und Rute kupiert – damit der Hund gefährlicher aussieht
Nun ist Greta nicht gerade eine unauffällige Erscheinung. Immerhin sind Cane Corso, die Nachfahren antiker, römischer Molosserhunde, imposant groß, waren bis kürzlich in Brandenburg und anderen Regionen gar als „Listenhund“ eingestuft. Hinzu kommt, dass Greta „leider auch kupiert ist.

Auch wenn sie gefährlich aussieht – wenn sie Vertrauen gefasst hat, findet sie Menschen toll, würde am liebsten nur noch kuscheln.
Jens OlbrichAn Ohren und Rute, was gerade solche Hunde optisch gefährlicher aussehen lässt“, meint Manuela Budich. Es wirke daher schon etwas unheimlich, wenn Greta mit flatternden Lefzen auf einen zugerannt käme. Sie erinnere sie dann so ein bisschen an den Hund von Baskerville, bekennt Manuela Budich.
Grund zu Angst und Sorge hätte dennoch nicht bestanden. „Greta sieht halt gefährlich aus, ist aber eine Nette“, so Budich. Anfangs hätte die Hündin Pflegerinnen und Pfleger noch angebrummt, eher angeknurrt. „Aber wirklich eher so wie: ich habe Angst, geh weg“, erinnert sich die Tierpflegerin.
Was sicher vor allem daran lag, dass die Cane Corso-Hündin bisher nicht so ein schönes Leben gehabt hätte und sie skeptisch werden ließ. Wenn sie jedoch Vertrauen gefasst hätte, fände sie Menschen toll. Dann würde sie am liebsten nur noch kuscheln.
Tierheim Märkisch Buchholz – Gretas Zustand war desolat
Zumindest, seit sie nach einer Woche Antibiose-Behandlung wieder weitestgehend genesen sei. „So topfit, wie sie jetzt manchmal tut, ist sie aber leider nicht. Sie ist ein altes Mädchen“, bewertet Tierpflegerin Budich Gretas Zustand. Das sei schlimmer gewesen, als sie im Tierheim ankam.
Landtierärztin Romy Lehmann schätzt das Geburtsjahr der Hündin bei der Eingangs-Untersuchung auf 2017, Aushagerung sowie Gelenk- und Knochenverschleiß lassen sie älter wirken. Weiterhin hätte die Tierärztin stark geschwollene Saugleisten dokumentiert, eine hochgradige Bindehautentzündung durch ein geschwächtes Immunsystem beidseitig, eitrigen Scheidenausfluss sowie Unmengen an fest gesaugten Zecken.

Greta ist ein imposanter Hund und hat eine markante Statur. Trotzdem würde Cane Corso Hündin Greta eher die Senioren-WG für sich buchen.
Jens OlbrichGechippt sei die Cane Corso Hündin immerhin, jedoch nicht in einer landesweiten Datenbank, wie etwa bei Tasso, registriert. Die Chip-Registrierung im jeweiligen Amt bliebe laut Manuela Budich bedauerlicherweise regional, ließe sich nicht von „auswärts“ abfragen. Woher die im Tierheim Märkisch Buchholz gestrandete Greta stamme, welche Geschichte sie hinter sich habe, ließe daher nur vermuten.
Gegen die immer noch tränenden Augen sei letztens noch einmal die Tierarztpraxis Dr. Reczko konsultiert worden. „Da kam letztendlich heraus, dass eine Lidfehlstellung die weiterhin tränenden Augen verursacht, durch eine Reizung der Hornhaut“, erklärt die Tierpflegerin. Eine Augen-OP, eine Lidstraffung, könne Abhilfe schaffen.
„Die werden wir wohl noch in Angriff nehmen“, so Budich. Das sei nur ein kleiner Eingriff. Alles andere jedoch, größere Eingriffe, würden sie der alten Dame nicht mehr antun. Die OP-Nachsorge sei zu anstrengend für Greta. „Wir unterstützen sie jetzt mit Zusatzmitteln, was die Gelenke angeht. Schmerzmittel bekommt sie bei uns auch.“
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Greta sucht Vertrauen, Streicheleinheiten und eine Senioren-WG
Cane Corso Hündin Greta ist kein junger Hund mehr. Interessenten dürfen sich mit der Einführung der neuen Hundehalterverordnung in Brandenburg auf einen „auflagenfreien“ Hund freuen, der, entsprechendes Vertrauen vorausgesetzt, sehr liebebedürftig ist, ein markantes Aussehen hat, aber eher die Senioren-WG für sich buchen würde. Mit Futterzusätzen, Schmerzmitteln und getreidefreiem Futter aufgrund einer Futterallergie ist sie, wie Manuela Budich öfter wiederholt, „ein toller Hund!“
Kontakt zum Tierheim Märkisch Buchholz
● Am Tierheim 1, 15757 Halbe, Tel. 033765 80689, E-Mail: tierheim@tierschutzverein-kw.de



