700 Jahre Melchow: Infos zum Umzug und Programm und warum früher gefeiert wird

700 Jahre Melchow: Diese Plakate sind rund um den Ort unübersehbar.
Hans StillDie Aussichten reichen von stark sonnig bis zu unerträglich heiß. Wenn Melchow ab Freitagabend (6. September) drei Tage lang das 700-jährige Dorfjubiläum feiert, dürften schattige Zuschauerplätze extrem begehrt sein, um den vorhergesagte 30 Grad Celsius zu entkommen.
Als nicht minder begehrt gelten Rastplätze mit bester Aussicht, denn der Umzug zum Jubiläum (Beginn am Sonnabend um 14 Uhr) gehört zu einem der Höhepunkte des Wochenendes. „Der Umzug wird aber nicht so riesig, wir haben aus den Vorjahren gelernt“, blickt der Melchower Marko Schmidt schon freudig erregt voraus.
Aus dem Umzug von 2000 in Melchow viel gelernt
Der Stellvertreter von Bürgermeister Roland Kühn ist Cheforganisator und hält etliche Fäden für die dreitägigen Feierlichkeiten in der Hand. Sein Hinweis auf die Vorjahre ist dabei mindestens erklärungsbedürftig. „Wir feierten im Jahr 2000 erst 625 Jahre Melchow und hatten einen langen Umzug vorbereitet. Im Ergebnis waren aber zwei Drittel der Einwohner beim Umzug dabei, was sich natürlich auswirkte. Dadurch fehlten auf dem Weg zum Festplatz die Zuschauer. Und wer im Umzug mitlief, konnte auch die anderen Bilder nicht sehen. Das haben wir in diesem Jahr alles verbessert“, hofft der 43-jährige Schmidt.
Zwölf Bilder soll es insgesamt geben, jedes einzelne Bild wird per Lautsprecher erklärt und kann separat bewundert werden. Zudem starten die Bilder des Umzuges von drei Straßen aus - nämlich der Dorfstraße, der Eberswalder und der Finower Straße – in Richtung Festgelände am Karpfenteich.
Erklärungsbedürftig ist auch der Umstand, wieso 24 Jahre nach der 625-Jahr-Feier bereits die 700-Jahr-Feier ansteht. „Bei uns ticken eben die Uhren schneller“, scherzt Schmidt an dieser Stelle und kommt dann auf den ernsten Kern.
Historisches Treffen fand 1324 in Melchow statt
Im Zusammenhang mit geschichtlichen Recherchen wurden in Archiven Belege dafür gefunden, dass Melchow am 18. April 1324 im Zentrum eines historisch interessanten Treffens stand. Die Ratsherren aus Bernau und Eberswalde kamen nämlich zusammen, um ihre Verbundenheit mit Frankfurt an der Oder zu bekunden. Ebenfalls dabei waren Strausberger Vertreter, die dieses Treffen in ihren Unterlagen dokumentierten. Dort wurden sie schließlich entdeckt, was Auswirkungen auf die Melchower Geschichtsschreibung hatte.
Ergo wurde neu gerechnet und festgestellt, dass sämtliche Feiern zwar schön, aber historisch nicht ganz korrekt waren. „Mit diesem damaligen Treffen beginnt unser Umzug“, verrät indes Marko Schmidt. Der Bernauer Bürgermeister André Stahl und Landrat Daniel Kurth geben die Ratsherren an der Spitze des Umzuges. Weitere Bilder thematisieren andere wichtige Daten der Melchower Historie. Hussiten kommen darin vor, auch Friedrich II. oder die Errichtung der Bahnstation im Ort. „Unser Umzug endet mit einem Zukunftsbild“, blickt Schmidt voraus.
700 Jahre Melchow: Buntes Programm auf dem Festplatz
Auf dem Festplatz dürfte anschließend ein rasantes Programm für Unterhaltung sorgen. Akrobatik, Clownerie, Tanzvorführungen gehören dazu, beispielsweise durch den ältesten Rock ‘n‘ Roll Club Deutschlands. Mit der Jugendband „Fat Hat“ und der Partyband „Sowieso“ sind die flotten Takte des Abends bestimmt. Bis in die Nacht hinein dürfte die Party gehen, zumal dann Temperaturen von 17 Grad Celsius für leichte Abkühlung sorgen dürften.
Am Sonntag gehen die Feierlichkeiten mit dem Frühschoppen weiter, gegen 13 bis 14 Uhr sollten dann dem letzten Gast die Kräfte ausgehen, vermutet Schmidt.
Klappstuhl-Theater zu Besuch in Melchow
Der Blick auf den Freitagabend verspricht übrigens eine Begegnung mit dem Theater am Wandlitzsee. Die Künstler bringen die Urlaubscomedy „Achtung, Globetrottel“ mit und starten mit der Aufführung um 19 Uhr im touristischen Begegnungszentrum im Ort.
So groß die Vorfreude auf das Fest ist, das Gefühl, den Marathon geschafft zu haben, dürfte ab Sonntag ebenfalls einsetzen. „Wir hatten dann vier Großveranstaltungen, das schlaucht zum Ende auch“, geben sowohl Schmidt als auch Bürgermeister Kühn zu. Die Eröffnung und die Festsitzung Mitte April, das Kinderfest am 1. Juni, die Feier zu einhundert Jahre Melchower Feuerwehr sind die festlichen Anlässe, die in diesem Jahr anstanden.
700 Jahre Melchow: 50.000 Euro für die Veranstaltung
Insgesamt nahm die Gemeindevertretung 50.000 Euro in die Hand, um ausgiebig und angemessen zu feiern. „Ich kann schon jetzt sagen, dieses Jubiläum hat uns im Ort noch näher zusammenrücken lassen, was sich schon beim Basteln der Wimpel gezeigt hat“, resümiert Marko Schmidt. Und weiter: „Ein Schlafdorf wollten wir nie sein.“
Für jeden sichtbar hängen im Ort Wimpelketten, die in der Freizeit gebastelt wurden. Das feste Organisationsteam bestand übrigens aus zirka 30 Einwohnern, die sich praktisch seit einem Jahr regelmäßig trafen, um sämtliche Absprachen zu treffen und alles vorzubereiten.




