Was wird aus der Kleingarten-Kolonie in Werftpfuhl? Kommt es zur Umwidmung in eine Wochenendsiedlung – oder bleibt doch alles beim Alten? Diese Fragen stellen sich aktuell etliche der 160 Parzellenbesitzer, nachdem die Werneuchener CDU die mögliche Umwandelung per Beschlussvorlage von der Verwaltung prüfen lassen will.
Doch nicht nur in der Kolonie ist es Thema, sondern auch ein paar Kilometer weiter westlich, in Bernau. Denn dort hat der Bezirksverband von Bernau und Umgebung der Gartenfreunde e.V. seinen Sitz. Er vertritt 33 Kleingartenvereine im gesamten Barnim, darunter auch den der  Kleingärtner Werftpfuhl, kurz VdK. Und er hält den Zwischenpachtvertrag mit der Stadt.
„Wir sind sehr daran interessiert, dass Werftpfuhl seine Kleingärten behält“, sagt Thomas Müller, der Vorstandsvorsitzende, bei einem Treffen in der Geschäftsstelle. Zudem betont er, die CDU hätte in ihrem Antrag einige Dinge nicht beachtet.

Verbandschef pocht auf Bestandsschutz

Es sei zwar richtig, wie es in der Vorlage des stellvertretenden Fraktionschefs Oliver Asmus heißt, dass eine Laube laut Bundeskleingartengesetz nur eine maximale Größe von 24 Quadratmeter aufweisen darf. Und Müller bestreitet auch nicht, dass in Werftpfuhl etliche Bauten größer sind. „Das liegt aber daran, dass sie noch zu DDR-Zeiten genehmigt wurden“, betont der Chef des Bezirksverbandes. Einige seien 30 oder 35 Quadratmeter groß, zum Teil sogar unterkellert. Allerdings, und das ist aus Sicht von Müller der wichtigste Punkt: Sie stünden unter Bestandsschutz. Das gelte für alle Anlagen, die vor 1990 errichtet wurden. Dazu gebe es eigens einen Paragrafen (20a) im Kleingartengesetz.

Übernachtungen am Wochenende aus Klimagründen okay?

Asmus führt in seiner Vorlage auch an, dass viele der Gartenlauben zum dauerhaften Aufenthalt umgebaut seien. Außerdem würden sie über Elektrizität und Wasser verfügen. Müller entgegnet, das mit Strom und Wasser sei zu DDR-Zeiten von den verantwortlichen Stellen so gewünscht gewesen – wegen der Hygiene. Und dass einige Pächter am Wochenende auch mal dort übernachten könnten, findet er aus Gründen des Klimaschutzes gerechtfertigt. „Viele kommen aus Berlin und von weiter her, da kann der Fahrweg bis zu 100 Kilometer betragen. Fährt man dann abends zurück und kommt am nächsten Morgen wieder, summiert es sich noch.“ Und ein Erreichen der Anlage mit dem ÖPNV sei nicht möglich.

Ortstermin der Stadtverwaltung mit Bürgermeister

Müller räumt jedoch ein, dass auf der VdK-Anlage, die zu den größten Kleingartensiedlungen im Barnim zählt, aus kleingärtnerischer Sicht nicht immer alles richtig gelaufen sei. „Es hat auch Mängel gegeben“, gesteht er. Hier eine zu hohe Hecke,  da zu wenig Obst- und Gemüseanbau oder ein unerlaubter Schuppen, solche Sachen. „Wir haben da ein Auge drauf“, versichert der Bezirksverbandschef.
Und das muss er auch, denn Ende September ist ein Ortstermin mit der Stadtverwaltung auf der Anlage geplant, mitsamt Bürgermeister Frank Kulicke (UWW). Es geht um eine Bestandsaufnahme.
Auslöser für den Besuch ist nicht nur der CDU-Verstoß mit der möglichen Umwidmung, die geprüft werden soll, es sind auch die anhaltenden Streitigkeiten innerhalb der Kolonie, die die Stadt auf den Plan rufen. Seit einiger Zeit schon gibt es zwei Lager im VdK: Dass des Berliners Torsten Hoske, selbst Pächter und überdies Zwei-Drittel-Besitzer eines Flurstücks mit mehrere Parzellen. Auf der anderen Seite der Vereinsvorstand um Andreas Sauer. Beide Seiten liegen im Clinch, aktuell läuft sogar ein Verfahren beim Amtsgericht Bernau. Hoske will eine Umwidmung einiger Parzellen erzwingen, von denen er meint, es gebe dort keine kleingärtnerische Nutzung.
Etliche Laubenpieper werfen Hoske vor, er wolle durch die Umwidmung Geld machen. Er selbst streitet das ab, doch fest steht: Im Moment beträgt die Pacht 10 Cent pro Quadratmeter. Bei einer Umwidmung wäre auf einen Schlag mehr möglich, ein Euro etwa. Da die 160 Parzellen im VdK in der Regel alle rund 40 Quadratmeter groß sind, würde der jährliche Preis dann von 40 Euro direkt  auf 400 Euro steigen.

Stadtverordneten entscheiden über Prüfung

Der Bezirksverbandchef Müller findet das schwierig, weil für ihn das Kleingartenwesen auch eine soziale Funktion hat. „Jedermann sollte es möglich sein, einen Kleingarten zu pachten, auch wenn er nur wenig Geld hat.“
Hört man sich auf der VdK-Anlage um, kommen einige ins Grübeln, wenn sie hören, dass die Pacht-Preise steigen könnten. Aber noch ist das völlig offen. Sicher ist nur, dass die Beschlussvorlage der CDU, die die Prüfung einer Umwidmung seitens der Verwaltung vorsieht,  am 17. September auch in der Stadtverordnetenversammlung zur Debatte stehen wird. Denn den Hauptausschuss hatte die Beschlussvorlage am Donnerstagabend erfolgreich passiert.