Mobilfunk
: Handyempfang: Im Barnim gibt es mehrere Funklöcher

Der Bund will mehr als eine Milliarde Euro in neue Funkmasten investieren. Ein Blick auf den Barnim zeigt: Bedarf haben gleich mehrere Gemeinden.
Von
Christian Heinig
Melchow
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  • Netzsuche: Melchows Ortsvorsteher Wolfgang Schmidt testet den Empfang in der Nähe eines Mobilfunkmastes.

    Netzsuche: Melchows Ortsvorsteher Wolfgang Schmidt testet den Empfang in der Nähe eines Mobilfunkmastes.

    MMH
  • Im Barnim gibt es mehrere Gemeinden, in denen der Handyempfang gestört ist. Die roten Färbungen kennzeichnen Orte mit häufigen Störungen, die grüngelben gelegentliche Störungen.

    Im Barnim gibt es mehrere Gemeinden, in denen der Handyempfang gestört ist. Die roten Färbungen kennzeichnen Orte mit häufigen Störungen, die grüngelben gelegentliche Störungen.

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Wenn Ronald Kühn in seinem Haus in Melchow das Handy zückt, um zu telefonieren, dann tut er das sicherheitshalber übers hausinterne WLAN. „Sonst bricht das Gespräch gern mal ab“, gesteht der Bürgermeister der Gemeinde Melchow. Dabei hat Kühn noch Glück. Denn im Melchower Ortsteil Schönholz mit seinen derzeit 116 Einwohner geht handytechnisch fast gar nichts. „Da gibt es permanent Beschwerden, bestimmt zweimal pro Tag“, so Kühn.

Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass der Melchower Bürgermeister den aktuellen Vorstoß der Bundesregierung positiv findet, die angekündigt hat, im ganzen Land 5000 neue Funkmasten aufzustellen. So will der Staat gewährleisten, dass künftig in allen Haushalten sowie auf Straßen und im ländlichen Raum mobil telefoniert werden könne. „Wir begrüßen das. Als kleine Dörfer sind wir beim Thema Mobilfunknetz ja bislang immer recht spät dran.“

Melchow ist aber nicht die einzige Gemeinde im Barnim, in der der Handyempfang problematisch läuft. Wirft man einen Blick auf die Funkloch–Karte der Brandenburger CDU, die mithilfe von Daten der Deutschen Telekom, Vodafone und Telefonica Deutschland erstellt wurde (www.funkloch–brandenburg.de), finden sich dort gleich mehrere Gemeinden im Landkreis, in denen es passieren kann, dass das Handy plötzlich anzeigt: kein Netz.

Das gilt etwa für den Bereich der B273 zwischen Bernauer Waldsiedlung und Wandlitz, ebenso wie für einige Ecken in Lobetal und Rüdnitz. Betroffen von möglicher Funkstille sind zudem der Wandlitzer Ortsteil Lanke, Sophienstädt (Gemeinde Marienwerder), Teile der B168 bei Tiefensee (Werneuchen) sowie gleich mehrere Ortsteile der Gemeinde Schorfheide. Besonders schwierig, ein Netz zu finden, ist es in Böhmerheide. „Nur, wenn der Wind gut steht und ein paar Strahlen vom Funkmast bei Groß Schönebeck herüberwehen, dann hat man hier ein bisschen Empfang“, sagt der dortige Ortsvorsteher Gerhard Schmidt. Das sei durchaus problematisch, vor allem, wenn man mal einen Notruf absetzen müsste. „Eine gute Funkverbindung wäre wichtig“, sagt Schmidt.

Immerhin, die Funkstille im von dichten Wäldern umgebenen Böhmerheide könnte bald ein Ende habe. Denn die Telekom plant direkt im Ort einen Funkmast. Es gab bereits einen Vor–Ort–Termin, bei dem über mögliche Standorte gesprochen wurde.

Ob der Mast das bestehende Funkloch allerdings auch in den umliegenden Gebieten schließt, muss aber nicht sicher sein. Beispiel: Melchow. Hier hat die Telekom im Auftrag der Deutschen Bahn erst vor wenigen Monaten einen neuen Funkmast in Betrieb genommen. Dieser sollte nicht nur die Gemeinde, sondern auch Teile des angrenzenden Stadtgebietes von Biesenthal versorgen, insgesamt rund 3000 Einwohner. Doch Bürgermeister Kühn hat inzwischen festgestellt: Alle Ecken erreicht der neue Mast nicht. Lediglich das D1–Netz der Telekom würde einigermaßen laufen, schwierig sei dagegen D2, das von Vodafone betrieben wird.

Von der Telekom ist bekannt, dass sie die Zahl der Mobilfunkstandorte in Deutschland von jetzt 30 000 bis ins Jahr 2021 auf 36 000 erhöhen will. Im Zuge der Offensive der Bundesregierung könnten es sicher noch mehr werden. Welche weiteren  im Barnim geplant sind, war gestern allerdings nicht zu erfahren.

Auch bei Vodafone gibt es offenbar Bewegung. „Jüngst gab es eine Markteinführung von Vodafone zum 5G Standard“, sagt Oliver Kohler, Pressesprecher des Landkreises. Demnach wolle das Unternehmen offensichtlich im Barnim aktiv werden. Ob zuvor die Lücken im 4G–Netz geschlossen werden sollen, sei aber nicht bekannt, so Köhler, der  betont, dass Mobilfunk nicht zu den Aufgaben eines Landkreises gehört. Daher habe man auch keine Informationen zur Lage und Größe der Funklöcher.

Auf mögliche Standorte, die den Handyempfang verbessern könnten, wies gestern der Branchenverband Bitkom hin. In einer interaktiven Karte listete der Verband mehr als 1200 problematische Standorte für Funkmasten in ganze Deutschland auf, zwei davon im Barnim. Der eine liegt in Ützdorf (Wandlitz), der andere in Breydin (Biesenthal).

Dass am letztgenannten Standort was passiert, dürfte besonders Melchows Bürgermeister Ronald Kühn hoffen. Denn Schönholz, wo bislang weitgehend Funkstille herrscht, liegt nur sechs Kilometer von Breydin entfernt.