ArcelorMittal Eisenhüttenstadt: Lohnverzicht und Millionen für Schulden-Stadt im Jahr 2005

2005: Führt Besucher durch das Werk in Eisenhüttenstadt: Klaus Menzel mit einem Stück Eisenerz, dahinter das Roheisenwerk von EKO Stahl. Wird 2005 wieder ein Rekordjahr?
Gerrit Freitag- ArcelorMittal Eisenhüttenstadt führte 2005 die 35-Stunden-Woche ein, Arbeiter verzichteten auf Lohnerhöhungen.
- EKO Stahl spart durch eingefrorene Gehälter 15 Mio. Euro, plant bis 2007 weitere 94 Mio. einzusparen.
- EKO gründet eine Stahlstiftung mit 2 Mio. Euro für Kinder- und Sozialprojekte.
- Der Anteil der Automobilzulieferungen steigt, insbesondere für VW und Fiat.
- EKO zahlt 10 Mio. Euro Gewerbesteuern an die Stadt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Das Jahr 2005 beginnt bei EKO Stahl Eisenhüttenstadt mit einem Paukenschlag. Der brandenburgische Stahlstandort, der zum Arcelor-Konzern gehört, prescht in Sachen 35-Stunden-Woche nach vorn.
Während in anderen Stahlunternehmen stufenweise die 35-Stundenwoche bis zum Jahr 2009 eingeführt werden soll, erfolgt der Schritt von 38 auf 35 Stunden bei EKO Stahl mit dem Stichtag 1. April 2005 abrupt. Dafür verzichten die Metaller auf eine Lohnerhöhung laut Tarif. Bereits im November 2004 hätten die nun etwa 2500 Mitarbeiter theoretisch 1,1 Prozent mehr Geld bekommen, doch ihre Einkünfte sind bis zum Jahr 2009 eingefroren.
Der Stahlproduzent spart bei einer angenommenen Tariflohnsteigerung von jährlich zwei Prozent durch das Festfrieren der Gehälter etwa 15 Millionen Euro. Das alles passiert vor dem Hintergrund des sogenannten ZUG-Projektes. Bis zum Jahr 2007 muss EKO Stahl Kosten in Höhe von insgesamt 94 Millionen Euro einsparen. Bislang sind über 20 Millionen Euro aus laufenden Kostensenkungsprogrammen untersetzt.
EKO Stahl: Alle arbeiten gemeinsam weniger
„Alle arbeiten gemeinsam weniger. Durch diese Vereinbarung spart EKO Personalkosten über das Arbeitsvolumen“, sagt Holger Wachsmann, Betriebsratsvorsitzender bei EKO Stahl. Wäre alles beim Alten geblieben, wären die EKO-Beschäftigten schrittweise von der 38-Stundenwoche zur 35-Stundenwoche gekommen und hätten nicht auf Lohnsteigerungen verzichten müssen.
Festgeschrieben ist auch, dass EKO die zehn besten Azubis eines Ausbildungsjahres unbefristet übernimmt. Weitere Azubis werden in der Eisenhüttenstädter Dienstleistungsgesellschaft mbH (EDL) untergebracht oder als Leiharbeitnehmer an EKO oder Dritte verliehen.
Sympathiepunkte sammelt Jürgen Schachler, seit wenigen Wochen neuer Vorsitzender der EKO-Geschäftsführung, bei seiner Antrittsrede im Rahmen des Neujahrsempfangs. Er rief nicht nur zu Spenden auf, nachdem ein Tsunami im Dezember 2004 ganze Küstengebiete Asiens verschluckt und etwa 230.000 Menschen in den Tod gerissen hatte. Dann berichtet er, dass er erst vor zwei Jahren erfahren habe, dass sein Vater 1951 beim Bau von Häusern in der Werksiedlung mit angepackt hatte.

Im Jahr 2005: Anwalt Rolf Henrich und EKO-Arbeitsdirektor Rainer Barcikowski führen aufgrund der neuen Stahlstiftung oft Gespräche. Damals gehört die Zigarette im Büro noch dazu.
Gerrit FreitagMehr Stahlblech für VW-Gruppe und Fiat
Und noch etwas sorgt für Applaus: Eine der ersten Amtshandlungen von Schachler ist die Gründung der Stahlstiftung. Auch die wird von EKO mit zwei Millionen Euro gefüttert. Verwaltet wird das Geld vom Eisenhüttenstädter Anwalt Rolf Henrich. Gefördert werden können mit diesem Geld Projekte im Bereich Kinder, Jugendliche und Soziales, mitunter auch in einem größeren Umfeld als bei der zuvor gegründeten Bürgerstiftung.
Während die zuerst gegründete Stiftung rechtsfähig ist und deshalb nur aus den Zinsen Projekte finanziert werden können, kann bei der jüngsten Stiftung die Summe von zwei Millionen Euro aufgebraucht werden.
Aber es wird nicht nur applaudiert, sondern auch produziert, und zwar auf Hochtouren. Trotz explodierender Rohstoffpreise, trotz ZUG-Projekt mit drastischen Sparauflagen und verschlechterter Marktlage: EKO will die magische 1-Milliarden-Euro-Umsatzmarke erneut knacken.
Der Anteil der Zulieferungen für die Automobilindustrie durch EKO Stahl steigt weiter an. 40 Prozent (2004 waren es 35 Prozent) der 1,4 Millionen Tonnen Flachstahl, die EKO 2005 produzieren will, werden an Hersteller in Deutschland und Osteuropa ausgeliefert, heißt es im September. Allen voran die Volkswagengruppe, die für Audi bis Skoda Material aus Eisenhüttenstadt bezieht. Zweitgrößter Kunde im Automobilbereich ist mittlerweile Fiat.
Zwölf neue Stahlmarken sollen 2004 durch EKO auf den Markt kommen, 2004 waren es zehn.

Verleihung des ersten Stahl-Literaturpreises an Wladimir Kaminer (Mitte): Eisenhüttenstadts Bürgermeister Rainer Werner (l.) und Jürgen Schachler, der Vorsitzende der EKO-Stahl-Geschäftsführung sind im Friedrich-Wolf-Theater dabei
Gerrit Freitag10.000-Euro-Preis, 10-Millionen-Überweisung an die Stadt
Der Stahlkonzern Arcelor hat im dritten Quartal 2005 sein Ergebnis kräftig erhöht. Der Überschuss sei gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 629 Millionen auf 657 Millionen Euro geklettert. Arcelor ist nach Mittal der zweitgrößte Stahlkocher der Welt.
Am 3. November steht die Stahlstiftung wieder im Rampenlicht. Sie hat nämlich zur Verleihung des ersten Stahl-Literaturpreises ins Friedrich-Wolf-Theater eingeladen. Erster Preisträger ist Wladimir Kaminer. „Ein Stahlpreis, ein Preis von der Arbeiterklasse: das passt“, sagt der Autor vorher im Interview. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.
Um zehn Millionen Euro geht es hingegen an anderer Stelle. Die zahlt EKO Stahl an die Kommune. Es handelt sich um Gewerbesteuern für die Jahre 2004 und 2005. Dadurch kann die Stadt das ausgewiesene Defizit auf jetzt 40,6 Millionen Euro senken. Bis zum Jahr 2003 brauchte EKO Stahl – resultierend aus Verlusten – keine Gewerbesteuern zahlen. Seit 2003 jedoch hat das Unternehmen solch hohe Gewinne erwirtschaften können, dass die Kommune durch Steuereinnahmen davon profitieren kann.
Das neue Jahrtausend bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt – ein historischer Adventskalender
Das neue Jahrtausend zählt 24 Jahre, genauso viele Türen hat ein Adventskalender. Aus diesem Grund öffnen wir bis 24. Dezember jeden Tag das Fenster in ein altes Jahr, und zwar mit Blick auf ArcelorMittal Eisenhüttenstadt.
Hier geht es zu den bereits erschienenen Beiträgen:
- 2001 – Die Stahlwelt wird durchgeruckelt und EKO ist mittendrin
- 2002 – Rassismus als Grund für Kündigung
- 2003 – Massiver Stellenabbau und ZUG geplant
- 2004 – Boom in der Stahlbranche und ein Brand
- 2005 – Lohnverzicht und Millionen für Schulden-Stadt
- 2006 – Milliardär fliegt ein nach Mega-Fusion
- 2007 – Warum 2007 für EKO-Stahl-Mitarbeiter ein Fest war
- 2008 – Erst Formel 1, dann großer Absturz
- 2009 – Mit Kurzarbeit und Fitness durch die Krise
- 2010 – Preisschock – Rohstoffe enorm teuer
- 2011 – Warum eine Glocke den Stahlwerk-Namen trägt
- 2012 – Auto der Zukunft mit neuer Stahl-Sorte
- 2013 – Erfolgreiches Stahl-Jahr und ein Trauerfall
- 2014 – Strompreis bedroht Industrie – Stahl-Chef warnt
- 2015 – Hund schützt Hochofen und zwei Inder rocken Hütte
- 2016 – Ohne Stahl ist alles doof – Groß-Demo in Brüssel
- 2017 – Rekord am Hochofen und eine Auszeichnung
- 2018 – Heißer Tag für Botschafter aus Ukraine
- 2019 – Das kleine Gent in einem Boot mit Bremen
- 2020 – Eine ganz neue Krise – Bahn sorgt 2020 für Good News
- 2021 – Scharfe Kontrollen am Tor und klare Ansage
- 2022 – Schwerer Unfall am Hochofen und große Sorgen
- 2023 – Millionen-Investitionen in LED und Wasserstoff
- 2024 – Wichtige Botschaft von Mittal zum Finale im Jahr 2024






