ArcelorMittal Eisenhüttenstadt: Millionen-Investitionen in LED und Wasserstoff – 2023

Protestaktion bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt im Jahr 2023: Die Beschäftigten wollen einen Brückenstrompreis für die Industrie.
Janet Neiser- ArcelorMittal Eisenhüttenstadt investiert 2023 stark in LED und Wasserstoff.
- Mitarbeiter fordern einen Brückenstrompreis, um die Industrie zu unterstützen.
- Ausbildungsvergütung erhöht: 1. Jahr 1044€, 4. Jahr 1275€.
- Große Investitionen in LED-Beleuchtung an den Standorten Bremen und Eisenhüttenstadt, Einsparung von CO₂ und Strom.
- Bau einer Wasserstoff-Elektrolyseanlage und Tankstelle im April, 9,1 Millionen Euro Investition.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Das Jahr 2023 beginnt für ArcelorMittal Eisenhüttenstadt (AMEH) mit einer guten Nachricht: Das Stahlunternehmen ist komplett ohne Kurzarbeit gestartet. Und noch etwas dringt nach außen. Die Vergütung der Auszubildenden von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt ist im vergangenen Jahr angepasst worden.
Es gibt mehr Geld: Dem Unternehmen nach bekommen Lehrlinge bei AMEH im ersten Ausbildungsjahr 1044 Euro pro Monat, im zweiten sind es 1096 Euro, im dritten 1174 Euro und im vierten schließlich 1275 Euro.
Und dann folgt im Februar gleich eine weitere gute Nachricht: An den Standorten von ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt und Bremen ist eine umfangreiche Investition vorgesehen.
ArcelorMittal Eisenhüttenstadt: Große Investition in LED
Die zwei ArcelorMittal-Standorte werden in Zukunft flächendeckend mit moderner LED-Beleuchtung ausgestattet und so deutlich Energie sowie CO₂ einsparen. Nach ersten Prognosen dürften sich die Einsparungen in Bremen auf zirka 9000 Tonnen CO₂ und 18 Millionen kWh Strom pro Jahr belaufen, für den Standort in Eisenhüttenstadt wurden Werte von 12.000 Tonnen CO₂ und 24 Millionen kWh Strom pro Jahr errechnet.
Ein Vergleich: Bei einem durchschnittlichen Jahresstromverbrauch eines Drei-Personen-Haushaltes von 3500 kWh, entspricht die in Eisenhüttenstadt eingesparte Menge dem Stromverbrauch von rund 6800 Drei-Personen-Haushalten.
Erster Lichtblick in Sachen grüner Stahl – ArcelorMittal
Was die Dekarbonisierung angeht, gibt es im März einen ersten Lichtblick: Die Europäische Kommission hat Fördermittel für die Produktion von nahezu emissionsfreiem Stahl mit grünem Wasserstoff in einer Demonstrationsanlage bei ArcelorMittal Hamburg genehmigt.
Blaschek betont auch mit Blick auf die Flachstahl-Standorte Bremen und Eisenhüttenstadt, die noch immer auf die Zusage aus Brüssel warten: „Dies ist eine wesentliche Voraussetzung, um den Umbau unserer Anlagen in Deutschland voranzutreiben und den Einsatz von 100 Prozent Wasserstoff zu demonstrieren.“

Blick auf ArcelorMittal Eisenhüttenstadt im August 2023
Bernd GellerArcelorMittal Eisenhüttenstadt: Stahl ist auch weiblich
Nach Angaben des Unternehmens gibt es derweil 502 Frauen mit einem aktiven Arbeitsverhältnis in der ArcelorMittal Eisenhüttenstadt GmbH. Das entspreche einer Frauenquote von etwa 19 Prozent. Die Zahl der Mitarbeitenden wird offiziell mit rund 2700 (inklusive Auszubildende und Leiharbeiter) angegeben. Vor der Wende lag der Frauenanteil im EKO-Kombinat laut IG Metall bei 45 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten betrug 1990 insgesamt 11.510.
Zwei männliche Politiker geben sich im März in Eisenhüttenstadt nahezu die Klinke in die Hand. Zunächst kommt Ministerpräsident Dietmar Woidke am Frauentag ins Berufsbildungszentrum. Und der macht Druck: Die Bundesregierung müsse sagen, „wie es in den kommenden Jahren mit der deutschen Energieversorgung in Summe weitergeht“, forderte Dietmar Woidke. Man brauche Sicherheit und Planbarkeit für die Unternehmen – und damit auch für den Prozess der Transformation bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt. „Da erwarte ich klare Antworten aus Berlin.“
ArcelorMittal Eisenhüttenstadt: Investition in Wasserstoff-Anlage
Wenige Tage später kommt Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt vorbei. Der wiederum macht Druck auf Brüssel: „Wir müssen wirklich Druck machen, was Brüssel, was das Genehmigungsverfahren betrifft“, betonte der Minister in Eisenhüttenstadt. Denn andere Länder würden nicht schlafen. Mit Blick auf die USA sagte er: „Andere investieren viel und haben wettbewerbsfähige Energiepreise. Davor müssen wir keine Angst haben, aber es ist ein Weckruf, schneller zu machen.“
Für den Stahlstandort Eisenhüttenstadt fällt im April eine wichtige Investitionsentscheidung: Am Standort soll mit der VEO (Energieversorgung Vulkan Energiewirtschaft Oderbrücke) und dem Unternehmen McPhy Energy eine Pilot-Elektrolyseanlage und eine Wasserstofftankstelle errichtet werden. Die Investitionskosten liegen bei rund 9,1 Millionen Euro. Das Land fördert das Vorhaben mit 5,1 Millionen Euro.
Die Anlage wird eine Leistung von zwei Megawatt haben. Der produzierte Wasserstoff soll direkt in der Stahlproduktion eingesetzt werden.
Vorzeitiger Maßnahmen-Beginn erlaubt
Und es geht auch in Sachen Dekarbonisierung weiter: Die ArcelorMittal-Standorte Eisenhüttenstadt und Bremen warten zwar seit 2021 auf einen Bescheid der EU-Kommission. Doch im August kommt zumindest aus Berlin grünes Licht, und zwar aus dem Wirtschaftsministerium. Die Stahlstandorte in Eisenhüttenstadt und Bremen haben vom Ministerium die Erlaubnis für den vorzeitigen Maßnahmenbeginn erhalten.
Das macht Hoffnung. Genau wie der Plan, den unternehmenseigenen Werkbahnhof von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt in ein Logistikzentrum auszubauen. Darüber informiert Stefan Nemack, Geschäftsführer der ArcelorMittal Eisenhüttenstadt Transport GmbH.

Auf dem Werkbahnhof von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt im Jahr 2023: Stefan Nemack, Geschäftsführer der ArcelorMittal Transport GmbH hat große Pläne, die erklärt er 2023 auch Christian Görke, Bundestagsmitglied der Linken
Janet NeiserArcelorMittal Eisenhüttenstadt: Mehr Geld für die Beschäftigten
Im August 2023 wird übrigens die 40-millionste Tonne Roheisen seit Anblasen des Hochofens 5A im Jahr 1997 abgestochen. Doch dieser Erfolg kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Ende der traditionellen Hochofentechnologie naht.
Allerdings müssen für die Dekarbonisierung die Strompreise passen, denn die Produktion von grünem Stahl wird energieintensiver. Darauf machen die IG Metall, die Geschäftsführung, die Beschäftigten und auch der Betriebsrat immer wieder aufmerksam. Sogar Protestaktionen gibt es. Ein Industriestrompreis von fünf Cent pro Kilowattstunde wird gefordert.
Gefordert wird auch mehr Entgelt für die Beschäftigten im Rahmen der Tarifverhandlung für die ostdeutsche Stahlindustrie. Ende des Jahres steht fest: Die Beschäftigten erhalten im Januar 2024 eine Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 1500 Euro netto (Auszubildende 1000 Euro). Von Februar bis November gibt es monatliche Zahlungen in Höhe von 150 Euro netto (Auszubildende 80 Euro). Ab 1. Januar 2025 steigen die Entgelte und Auszubildendenvergütungen um 5,5 Prozent.
Blaschek geht, Bünger kommt
Und noch etwas ändert sich. Nachdem Reiner Blaschek, CEO in Eisenhüttenstadt und Bremen sowie von ArcelorMittal Germany, im Frühjahr 2023 bereits zum neuen Vorsitzenden des Arbeitgeberverbands Stahl gewählt worden war, wird in der zweiten Jahreshälfte bekanntgegeben, dass er ab dem 1. Februar 2024 die Verantwortung für ArcelorMittal Europe – Flat Products, den europäischen Flachstahlbereich des Konzerns übernimmt.
Ende November ist die Nachfolge geregelt: Thomas Bünger soll zum 1. Februar 2024 Vorsitzender der Geschäftsführung von ArcelorMittal Eisenhüttenstadt und Bremen werden. Die Übernahme der Funktion als CEO der ArcelorMittal Germany Holding erfolgt laut Konzern zu einem späteren Zeitpunkt.
Das neue Jahrtausend bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt – ein historischer Adventskalender
Das neue Jahrtausend zählt 24 Jahre, genauso viele Türen hat ein Adventskalender. Aus diesem Grund öffnen wir bis 24. Dezember jeden Tag das Fenster in ein altes Jahr, und zwar mit Blick auf ArcelorMittal Eisenhüttenstadt.
Hier geht es zu den bereits erschienenen Beiträgen:
- 2001 – Die Stahlwelt wird durchgeruckelt und EKO ist mittendrin
- 2002 – Rassismus als Grund für Kündigung
- 2003 – Massiver Stellenabbau und ZUG geplant
- 2004 – Boom in der Stahlbranche und ein Brand
- 2005 – Lohnverzicht und Millionen für Schulden-Stadt
- 2006 – Milliardär fliegt ein nach Mega-Fusion
- 2007 – Warum 2007 für EKO-Stahl-Mitarbeiter ein Fest war
- 2008 – Erst Formel 1, dann großer Absturz
- 2009 – Mit Kurzarbeit und Fitness durch die Krise
- 2010 – Preisschock – Rohstoffe enorm teuer
- 2011 – Warum eine Glocke den Stahlwerk-Namen trägt
- 2012 – Auto der Zukunft mit neuer Stahl-Sorte
- 2013 – Erfolgreiches Stahl-Jahr und ein Trauerfall
- 2014 – Strompreis bedroht Industrie – Stahl-Chef warnt
- 2015 – Hund schützt Hochofen und zwei Inder rocken Hütte
- 2016 – Ohne Stahl ist alles doof – Groß-Demo in Brüssel
- 2017 – Rekord am Hochofen und eine Auszeichnung
- 2018 – Heißer Tag für Botschafter aus Ukraine
- 2019 – Das kleine Gent in einem Boot mit Bremen
- 2020 – Eine ganz neue Krise – Bahn sorgt 2020 für Good News
- 2021 – Scharfe Kontrollen am Tor und klare Ansage
- 2022 – Schwerer Unfall am Hochofen und große Sorgen
- 2023 – Millionen-Investitionen in LED und Wasserstoff
- 2024 – Wichtige Botschaft von Mittal zum Finale im Jahr 2024
















