Brandenburg-Wahl 2024
: Dennis Hohloch (AfD) – was er bei ArcelorMittal ändern will

Im Wahlkreis 29 treten neun Direktkandidaten zur Landtagswahl in Brandenburg 2024 an. Im Porträt: Dennis Hohloch von der AfD.
Von
Janet Neiser
Eisenhüttenstadt
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Dennis Hohloch, parlamentarischer Geschäftsführer der AfD im Land Brandenburg, Mitglied AfD-Bundesvorstand, in Eisenhüttenstadt. Er kandidiert als Direktkandidat im Wahlkreis 29

Dennis Hohloch, parlamentarischer Geschäftsführer der AfD im Land Brandenburg, Mitglied des AfD-Bundesvorstandes, pendelt derzeit oft zwischen Potsdam und Eisenhüttenstadt. Er ist Direktkandidat im Wahlkreis 29.

Janet Neiser
  • Dennis Hohloch (AfD) kandidiert im Wahlkreis 29 für die Landtagswahl Brandenburg 2024.
  • Hohloch wurde vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft, was er als Diskriminierung sieht.
  • Er fordert, die Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Eisenhüttenstadt zu erweitern.
  • Hohloch kritisiert "grünen Stahl" und lehnt Subventionen für ArcelorMittal ab.
  • Hohloch war zuerst bei der SPD, wechselte dann zur AfD.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Er kam, sah und siegte? Auf jeden Fall kommt Dennis Hohloch, der Direktkandidat der AfD im Wahlkreis 29 sehr selbstbewusst und sehr siegessicher zum Interview. Und sein Wahlplakat-Lächeln wird noch breiter, als ein Teenager in Eisenhüttenstadt ihn kurz vor einem Wahlkampfauftritt mit seinen Parteikollegen Maximilian Krah und René Springer um ein Autogramm bittet, während sich vor dem Eingang bereits eine ganze Horde minderjähriger Jungs versammelt hat. Hinten aufs T-Shirt soll der 35-Jährige seinen Namen schreiben, sagt der Jugendliche. Es wird nicht der einzige Autogrammwunsch an diesem Abend bleiben. Und es werden nicht nur Unterschriften verteilt, sondern auch Aufnahmeanträge für die AfD.

Seit Hohloch sein Wahlkreisbüro vor einigen Wochen in Eisenhüttenstadt eröffnet hat, habe es einen „extremen Mitgliederzuwachs“ gegeben, sagt er. Auch aus Brieskow-Finkenheerd und Neuzelle würden Anträge bearbeitet. Bislang habe die AfD in Eisenhüttenstadt etwa 25 Mitglieder, schätzt er. „Wir sind hier jede Woche zwei, dreimal vor Ort.“ Vor allem Jugendliche würden „danach ächzen, dass hier was passiert“. Eisenhüttenstadt sei ein angenehmer Ort, um Politik zu machen. „Hier kann man so viel leisten.“  Dass die jetzige AfD-Landtagsabgeordnete für diesen Wahlkreis, Kathleen Muxel, nach der Wahl regelrecht abgetaucht war und nichts bewegt hat, kommentiert Hohloch lediglich damit, dass er in eine „strukturschwache Region“ gekommen sei. Während Muxel ihr Glück nun in einem anderen Wahlkreis versucht, will der Potsdamer Dennis Hohloch im Wahlkreis 29 durchstarten. 2019 war er über die Landesliste in den Landtag eingezogen.

Zur Person: Dennis Hohloch

Alter: 35
Wohnort: Potsdam
Beruf: Lehrer
Berufliche Tätigkeit: AfD-Landtagsabgeordneter 
Familienstand: verheiratet, ein Kind
Kontakt für Nachfragen: dennis.hohloch@afd-fraktion.brandenburg.de

Dennis Hohloch war erst SPD, dann AfD

Potsdamer bleibt er. „Es ist ja nicht unüblich, dass man in anderen Wahlkreisen kandidiert“, sagt er und fügt überzeugt hinzu: „Sie werden ja gemerkt haben, dass wir wahrscheinlich niemanden von der Liste in den Landtag kriegen werden.“ Heißt, die AfD wird ihm zufolge alle Direktmandate gewinnen. Dementsprechend habe er sich Gedanken gemacht, wo er kandidiert.

Aber wer ist dieser vor Ehrgeiz strotzende Dennis Hohloch aus dem AfD-Bundesvorstand? Er ist Sohn einer Erzieherin und eines Kochs, in Potsdam aufgewachsen, hat in Greifswald Lehramt studiert und dann Geschichte und Geografie an einem Berliner Gymnasium unterrichtet. Auch an einer Grundschule sei er Lehrer gewesen, erzählt er. Während des Studiums hat er zur Politik gefunden.

Allerdings landet er im Alter von 22 Jahren nicht etwa sofort bei der AfD, sondern zunächst einmal bei der SPD. Gerhard Schröder und die Agenda 2010 beeindruckten ihn. Matthias Platzeck, Brandenburgs früherer Ministerpräsident, habe ihn damals persönlich aufgenommen. Das von ihm signierte Lebenswerk stehe noch immer in einem Schrank. „Geschichte soll man nicht tilgen“, sagt er auf die Frage, warum. Aber schon zwei Jahre später war Schluss: Die SPD und Hohloch, das passte nicht. In der AfD fand er seinen Hafen. Das Thema EU und Euro hatte ihn gepackt. Bei der AfD lernte er auch seine jetzige Frau kennen: Mary Khan-Hohloch, die gerade erst ins EU-Parlament gewählt und zuvor für Schlagzeilen wegen eines fragwürdigen Lebenslaufes gesorgt hatte. Mit ihr hat Dennis Hohloch eine viereinhalbjährige Tochter.

Dennis Hohloch als rechtsextrem eingestuft

Er selbst ist vom Brandenburger Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft worden. Das empfinde er als Diskreditierung und Diskriminierung, sagt er. Man wolle versuchen, zu unterbinden, dass er je wieder als Lehrer arbeiten könne. Er sei nicht rechtsextrem, auch Björn Höcke sei nicht rechtsextrem. „Rechtsextrem beginnt für mich da, wo andere Ethnien oder andere Völker als minderwertiger bezeichnet werden als das eigene. Ich bewerte ja keinen Menschen aufgrund seiner Herkunft“, erklärt er.

Extrem sind seine Aussagen auf jeden Fall – und das ist gewollt, weil er so den Nerv vieler Menschen trifft, die Feindbilder brauchen und pflegen. Immer wieder geht es um Ausländer: Wenn er beispielsweise fordert, dass die Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Eisenhüttenstadt um eine Abschiebehaftanstalt erweitert wird. „Die Leute bekommen dort auch keinen Freigang. Die bleiben dort, bis sie abgeschoben werden. Und dann läuft keiner mehr durch Eisenhüttenstadt.“

Dennis Hohloch zur Bildung und zur Gesundheitspolitik

Bei der Bildung kommt Hohloch sofort auf Migration und Sicherheit zu sprechen. „Diejenigen, die Waffen mit in die Schulen bringen, die anderen Kindern ihr Recht auf Bildung rauben, diesen Kindern werden wir das Recht auf Bildung entziehen“, sagt er und schiebt hinterher: Man wolle sie von der Präsenzpflicht entbinden. Sie sollten zu Hause beschult werden, wie zu Corona-Zeiten.

Auf die Frage, ob das auch für deutsche Kinder und Jugendliche gilt, antwortet er: „Ja, aber in der Praxis trifft das keine deutschen.“ Dass das nicht stimmt, weiß er. Dann fallen Sätze wie: Als er Lehrer in Berlin war, habe das nur funktioniert, weil die Klasse „recht homogen“ war. „Entweder sind sie alle leistungsstark oder alle leistungsschwach. Hauptsache sie haben keine zu große Heterogenität in der Klasse.“ Sein Rezept gegen Lehrermangel – mehr ausbilden.

Und was ist mit dem Ärztemangel? Anreize müsse man schaffen. Das, was auch all die anderen Parteien seit Jahren sagen. Landärzteförderprogramm, Landärzte-Stipendium, Medizinische Versorgungszentren, Ärzte-Ausbildung stehen auf seinem Rezeptzettel. All das ist nicht neu, das gibt es schon.

AfD-Mann Hohloch zu ArcelorMittal und grünem Stahl

Als Landtagsabgeordneter will er sich auch für den Ausbau des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs starkmachen. Ein extra 29- oder 49-Euro-Ticket hält er für falsch: „Öffentlicher Nahverkehr muss etwas kosten – außer für Schüler und für Rentner.“ Das Geld, was in Deutschlandtickets gesteckt werde, sei besser aufgehoben im Ausbau der Infrastruktur. Auch die Umgehungsstraße für Eisenhüttenstadt und Neuzelle müsse kommen, die sei ein wichtiges Projekt.

Wer im Wahlkreis 29 kandidiert, sollte auch etwas zu ArcelorMittal Eisenhüttenstadt sagen, das im Mai gemeinsam mit Standort in Bremen einen Förderbescheid über 1,27 Milliarden Euro für die Dekarbonisierung seiner Stahlproduktion vom Bund bekommen hat. Grüner Stahl überzeugt ihn nicht, daraus macht Dennis Hohloch keinen Hehl. Selbst auf den Hinweis, dass der international tätige Stahlkonzern selbst immer wieder betont, dass es keine Alternative zur Dekarbonisierung gibt, und zwar weltweit, hat er eine eigene Sicht: „Die vom Unternehmen sagen alles, was die Regierung ihnen erzählt, was die Regierung hören möchte, weil sie von der Regierung abhängig sind.“ Welche Regierung dem Milliardär Mittal etwas flüstert, sagt er nicht. Klar ist: Subventionen gibt es mit der AfD nicht. Hohloch: „Es wird keine Förderung für grünen Stahl geben und dann muss sich ArcelorMittal überlegen, wollen sie das hier einfach stilllegen, weil sie nicht mehr reinvestieren wollen in den Hochofen, oder wie man das Ding nennt, oder sie investieren trotzdem.“

Direktkandidaten im Wahlkreis 29

AfD: Dennis Hohloch, Potsdam

Bündnis 90/Die Grünen: Ronny Böhme, Eisenhüttenstadt

BVB/Freie Wähler: Thoralf Schapke, Ziltendorf

CDU: Dr. Markus Zaplata, Müllrose

Die Linke: Katharina Slanina, Schorfheide

Einzelbewerber: Andreas Gliese, Friedland

FDP: Dr. Manfred Dietrich, Müllrose

Plus: Norman Heß, Müllrose

SPD: Björn Wotschefski, Eisenhüttenstadt