Hund in Eisenhüttenstadt
: So überwindet Angsthund Balu im Spreewald seine Furcht

Im Tierheim am See in Eisenhüttenstadt war der vierjährige Bolonka Balu noch völlig verängstigt. Nun lebt er im Jamlitzer Ortsteil Ullersdorf auf.
Von
Hagen Bernard
Eisenhüttenstadt
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Fühlt sich bei Katrin Blasche in Ullersdorf wohl: der vierjährige Bolonka Balu

Fühlt sich bei Katrin Blasche im Jamlitzer Ortsteil Ullersdorf wohl: der vierjährige Bolonka Balu. Noch vor kurzer Zeit war das Tier völlig verängstigt.

Hagen Bernard

Das ging ja ganz schnell. Zwar suchte Katrin Blasche aus dem Jamlitzer Ortsteil Ullersdorf im Oberspreewald einen Gefährten für den zehnjährigen Mops Keks, doch dass sie so schnell fündig wird, damit hatte sie nicht gerechnet.

Keks hatte vor vier Wochen seine Gefährtin Paula verloren, es war ebenfalls ein Mops. Doch so ganz allein fühlte sich der schwarze Rüde recht unwohl. Da Katrin Blasche durch die zeitweilige ehrenamtliche Tätigkeit ihrer Tochter im Tierheim am See in Eisenhüttenstadt diese Einrichtung gut kennt, war es für sie die erste Anlaufstelle.

Hund Balu aus Eisenhüttenstadt war sehr ängstlich

„Ich muss mir nicht unbedingt einen Hund beim Züchter holen. Im Tierheim gibt es genügend Tiere, die gern ein schönes Zuhause hätten“, erklärt Katrin Blasche. „Man sollte sich dabei auch nicht auf Rassen festlegen.“ So guckte sie sich anstatt eines Mopses den niedlichen Bolonka Balu aus.

Der vierjährige Rüde jedoch hatte ein Problem – gegenüber Fremden zitterte er vor Angst, ließ sich beim Gassigehen eher mitschleifen und verkroch sich ganz schnell. Er wollte sich auch nicht anfassen lassen. Doch Katrin Blasche traute sich zu, das Vertrauen dieses Angsthundes zu gewinnen. „Ich habe Erfahrungen mit solchen Hunden. Paula war ein solcher, auch Keks. Bei Keks war es sogar noch viel schlimmer als bei Balu.“

Doch da weder das Tierheim um Chefin Jana Feister noch Katrin Blasche wussten, wie sich Balu entwickelt, nahm sie erst einmal Balu als Pflegestelle an. Doch das Leben auf diesem weitläufigen Gehöft, das Katrin Blasche zusammen mit ihrem Mann, ihrem Sohn und ihrer Schwiegermutter in sechster Generation bewohnt, ließ sich für Balu ausgezeichnet an. Keks betrachte ihn tiefenentspannt nicht etwa als Konkurrenten, sondern gleich als Gefährten.

Hund Balu bekam viel Zeit – und wurde immer zutraulicher

Das war für Balu die halbe Miete zum Wohlfühlen. An den ersten beiden Tagen ging er ängstlich in die Ecke. „Ich ließ ihm auf dem Hof an der Laufleine erst einmal gewähren“, erklärt Katrin Blasche. „Man muss solch einem Angsthund erst einmal Zeit geben, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen.“

Am dritten Tag wurde Balu schon zutraulich. Das Energiebündel joggte zusammen mit dem Sohn. Bereits am sechsten Tag fasste die Familie den Entschluss, Balu für immer zu behalten. Zumal sich auch die Tierheim-Mitarbeiter bereits ein Bild von Balus überraschender Entwicklung gemacht hatten. Während er sich nach einer Woche gegenüber der Familie bereits recht ungezwungen verhält, ist er gegenüber Fremden noch etwas ängstlich. So lässt sich Balu beim Spazieren im Dorf von Fremden nicht streicheln.

Rückfall bei Angsthunden wie Balu durchaus möglich

Dass diese Annäherungsversuche für ihm noch recht stressig sind, zeigt sich auch anschließend im Raum. Nach solch einem Erlebnis hinterlässt Balu dort schnell einmal eine Pfütze. „Wir haben Kachelböden, das ist nicht so schlimm. Es wird sich schon noch legen. Er reagiert auch bereits auf Kommandos. Seinen Namen werde ich nicht ändern. Doch bei einem ehemaligen Angsthund muss ich damit rechnen, dass er plötzlich mal austickt. Da hilft nur Ruhe, keine hektischen Bewegungen und viel Geduld“, sagt Katrin Blasche.

Die Ursache für Balus Ängstlichkeit kann Tierheim-Leiterin Jana Feister nur vermuten. „Es ist ein deutscher Hund vom Züchter. Der Vorbesitzer hat ihn aus gesundheitlichen Gründen angegeben. Wahrscheinlich ist sein Verhalten mit einer nicht ausreichenden Sozialisierung im Welpenalter begründet.“