Klimawandel in Eisenhüttenstadt: Zu viel Beton und Asphalt – mögliche Lösungsansätze

Der Klimawandel ist längst kein Gerede mehr, sondern ein ernsthaftes Problem, auch in Eisenhüttenstadt.
Christoph Soeder/dpa- Eisenhüttenstadt leidet unter Klimawandel: mehr Sommerhitze, Starkregen.
- 2023: Stadtfest stand wegen Unwetter still, Straßen überflutet.
- Temperaturen könnten bis 2100 um 3,9°C steigen (RCP8.5).
- Lösungen: mehr Grünflächen, helle Fassaden, multifunktionale Flächennutzung.
- Bürgerbeteiligung wichtig für Klimaanpassung.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Für die Architektur, die Industrie und die Stadtgeschichte ist Eisenhüttenstadt bekannt – aber als Hitzeschutzgebiet hat sich die einstige Planstadt bisher nicht hervorgetan. Das könnte bald zum Problem werden. Denn der Klimawandel macht auch vor der Oder nicht halt.
Das integrierte Klimaanpassungskonzept des Landkreises Oder-Spree hat es schwarz auf weiß aufgezeigt – und für Eisenhüttenstadt einen eigenen Klimasteckbrief erstellt. Darin steht, was viele längst spüren: Die Sommer werden heißer, die Nächte tropischer, und der Regen kommt nicht mehr gemütlich am Sonntagmorgen, sondern lieber plötzlich und mit Überschwemmungspotenzial.
Eisenhüttenstadt oft von Unwetter und Starkregen betroffen
Diese Wetterextreme musste Eisenhüttenstadt in den letzten Jahren schon mehrfach erleben. Im Juli 2023 stand bei einem Unwetter das Stadtfest kurz still, weil ein Blitz in einen Baum einschlug. Einen Monat später gingen bei einem weiteren Starkregenereignis Straßen unter, Keller liefen voll, Heizungsanlagen wurden beschädigt.
Die Feuerwehr war im Dauereinsatz – an mehreren Tagen im Sommer 2023. Und schon 2022 sammelte der Trink- und Abwasserzweckverband (TAZV) nach einem extremen Regenereignis tonnenweise Schlamm in Eimern ein.
Vergleicht man den Zeitraum 1971 bis 2000 mit den zukünftigen Projektionen für 2071 bis 2100, zeigt sich, dass die Jahresdurchschnittstemperatur ordentlich steigt. Und zwar um bis zu 3,9 Grad Celsius, wenn sich der globale Temperaturanstieg ungebremst fortsetzt (RCP8.5-Szenario). Das ist nicht einfach nur wärmer, sondern ein echter Klima-Turbo.
RCP steht für ...
... Representative Concentration Pathways – also repräsentative Konzentrationspfade von Treibhausgasen in der Atmosphäre. Sie zeigen, wie viel zusätzliche Energie durch den Klimawandel bis zum Jahr 2100 auf der Erde bleibt – gemessen in Watt pro Quadratmeter. Je höher der Wert, desto stärker die Erderwärmung.
Die wichtigsten RCP-Szenarien:
RCP2.6: ambitionierter Klimaschutz – Erderwärmung weniger als 2 Grad
RCP4.5: moderate Reduktionen – Erwärmung ca. 2,5–3 Grad
RCP6.0: kaum Klimaschutz – Erwärmung bis 4 Grad
RCP8.5: stark steigende Emissionen – Erwärmung größer als 4 Grad, oft als Worst Case bezeichnet.
Die RCPs stammen vom Weltklimarat IPCC (2014) und wurden inzwischen durch die SSP-Szenarien ergänzt, die zusätzlich sozioökonomische Entwicklungen berücksichtigen.
Quelle: Deutscher Wetterdienst
Eisenhüttenstadt sinkt ab – Landkreis mit überflutender Prognose
Im Schnitt könnten die Sommertage von 34 auf 75 pro Jahr anwachsen – also mehr als doppelt so viele Tage mit über 25 Grad. Hitzetage (ab 30 Grad) werden sich sogar fast verdreifachen: von durchschnittlich rund 9 auf bis zu 26 im Jahr. Und dann wären da noch die Tropennächte, bei denen das Thermometer nachts nicht mehr unter 20 Grad sinkt – auch deren Zahl wird steigen.
Das heißt: Starkregenereignisse nehmen zu, der Boden kann das Wasser oft nicht aufnehmen, es fließt oberflächlich ab und überlastet Kanalisation und Gewässer. Besonders kritisch sind dabei die sogenannten geschlossenen Geländesenken – Geländeformen ohne natürlichen Ablauf. Von denen gibt es in Eisenhüttenstadt insbesondere im Norden eine ganze Reihe – sie werden bei starkem Regen schnell zu kleinen Seen.

Stadtfest-Zeit im Jahr 2022: Starkregen verwandelt Straßen in Eisenhüttenstadt in Flüsse: Blick aus dem Hinterausgang Straße der Republik 1 auf den Innenhof mit der Karl-Marx-Straße.
Silke SchütteDie durch den Satelliten „Landsat“ ausgelesene Oberflächentemperatur zeigt, wo Eisenhüttenstadt besonders ins Schwitzen kommt. Industriegebiete und das Stadtzentrum weisen hohe Temperaturspitzen auf. Ursache ist die starke Versiegelung – also Flächen, die mit Beton, Asphalt oder Pflaster bedeckt sind und so kaum kühlende Verdunstung zulassen.
Bäume, Pflanzen, Wasser – mehr Grün soll die Lösung sein
Die Prognosen sind niederschmetternd, auch, weil es nicht nur Eisenhüttenstadt und dem Landkreis so geht, sondern ganz Deutschland – genau genommen ist es sogar ein globales Problem. Der Klimasteckbrief liefert eine Reihe an Vorschlägen, die zumindest der Stahlstadt zugutekommen würde.
Grüne Dächer, mehr Bäume, offene Wasserflächen oder helle Fassaden könnten schon viel bewirken. Bäume senken die Umgebungstemperatur durch Schatten und Verdunstung um mehrere Grade – kein Hightech, aber hochwirksam. Und es gibt weitere Ansätze.
Entsiegelung und Begrünung: Sogenannte Hitze-Hotspots, also versiegelte Flächen ohne Schatten oder Durchlüftung werden mit Blumenbeeten oder Bäumen versehen.
Multifunktionale Flächennutzung: Das könnte nach Idee des Landkreises auf Sportplätzen gut funktionieren. Diese würden bei Starkregen das Wasser besser speichern.
Kühlende Stadtgestaltung: Etwa durch Wasserflächen, Frischluftschneisen oder schattenspendende Architektur.
Bürgerbeteiligung: Jeder soll mitentscheiden dürfen, um Klimaanpassung nicht nur von oben zu verordnen, sondern gemeinsam zu gestalten.


