Terror in Israel
: Jüdisches Schiff MS Goldberg in Eisenhüttenstadt – Folgen und Reaktionen

Das Jüdische Kulturschiff MS Goldberg will mit seinem Programm unterhalten und informieren – aktuell in Eisenhüttenstadt. Hat der Terror-Angriff auf Israel Folgen? Gibt es Sicherheitsbedenken?
Von
Janet Neiser
Eisenhüttenstadt
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Das Jüdische Kulturschiff MS Goldberg bietet aktuell in Eisenhüttenstadt Musik und Theater an. Hat der Terror-Angriff auf Israel Folgen für das Programm?

Janet Neiser

„Da ist man als Jude total geschockt – auch weil man Verwandtschaft in Israel hat“, sagt Peter Sauerbaum über seine ersten Gedanken angesichts der schrecklichen Bilder vom Terror-Angriff der islamistischen Hamas am 7. Oktober 2023 auf Israel.

Peter Sauerbaum, der vielen von seiner Zeit als Intendant des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt (Oder) (2006-2018) bekannt ist, ist Vorsitzender des Vereins Discover Jewish Europe (dt. Entdecke das jüdische Europa), der unter anderem das Jüdische Kulturschiff MS Goldberg auf Reisen geschickt hat. Dieses liegt aktuell in Eisenhüttenstadt und bietet seit 26. September Konzerte, Theater und Gespräche an.

Ist dieses Angebot nun in Gefahr? Nein, macht der Verein unmissverständlich klar. Das Programm am Bollwerk in Eisenhüttenstadt wurde und wird wie geplant fortgesetzt.

Um mehr Polizeipräsenz gebeten

Folgen hat der Terror in Israel dennoch. „Wir sind vorsichtiger geworden“, sagt Michaela Schramm. So sei unter anderem nach mehr Polizeipräsenz gefragt worden. „Ich habe die Polizei gebeten, tagsüber ein waches Auge auf die Goldberg zu haben“, bestätigt Sauerbaum. In der Nacht habe man eine eigene Security.

Schon von Beginn an hat die Polizei zumindest bei Veranstaltungen auf dem jüdischen Kulturschiff Präsenz gezeigt. Außerdem hat der Verein selbst Sicherheitsleute am Eingang des Schiffes.

Bislang habe es aber, seit man angelegt hat, noch keine Vorkommnisse gegeben, heißt es seitens des Vereins. „Und die, die zu uns kommen, die sind ganz großartig und sehr offen“, sagt Michaela Schramm. Sie habe am vergangenen Wochenende auch nicht das Gefühl gehabt, dass das Publikum angesichts der fürchterlichen Entwicklungen in Israel ängstlich weggeblieben sei.

Peter Sauerbaum: Austausch ist nötig

Peter Sauerbaum und seinem Team ist das jüdische Kulturschiff MS Goldberg eine Herzensangelegenheit. Dort wird auf Austausch, Akzeptanz und wechselseitige Inspiration gesetzt. Bezüglich des Kulturangebots sagt er: „Ich weiß, dass es nötig ist und deshalb machen wir es. Es gibt so viele Vorurteile und so viel Unwissen.“ Man wolle aber nicht belehrend daherkommen, sondern mit den Veranstaltungen „emotional und kognitiv informieren und gleichzeitig gut unterhalten“. „Wenn wir die Trias hinkriegen, dann haben wir unseren Job gut gemacht.“

Zusätzlich zur Kultur macht der Verein mit dem Workshop „Meet a Rabbi“ auch ein Bildungsangebot. Das ist vor allem für Schüler gedacht, aber nicht nur. Am 13. Oktober, 15 Uhr, ist dafür der vorerst letzte Termin in Eisenhüttenstadt.

Wie ist die Situation in der Erstaufnahme?

Die Schulen in und um die Stadt zeigen sich diesbezüglich eher zurückhaltend. Das Albert-Schweitzer-Gymnasium habe aber signalisiert, einen extra Termin vereinbaren zu wollen, sagt Michaela Schramm.

Nicht nur an der MS Goldberg ist es bislang mit Blick auf antisemitische Vorkommnisse ruhig geblieben. Auch in der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber, wo unter anderem Menschen aus Syrien und dem Iran leben, gab es seit dem Terror-Angriff auf Israel keine Auffälligkeiten. „An allen Standorten der Erstaufnahme ist es bisher ruhig geblieben und es hat auch keine Israel-feindlichen Äußerungen oder Aktionen gegeben. Die politische Betätigung wird durch die Hausordnung auch strikt untersagt“, teilt der Sprecher des Innenministeriums in Potsdam auf eine Anfrage hin mit.