BER in Schönefeld: Fluglärm – Zeuthen fordert Bürger zum Handeln auf

Flugzeug im Landeanflug auf den Flughafen BER in Schönefeld: In der BER-Region könnte der Fluglärm in den kommenden Monaten sogar noch zunehmen, wenn die Deutsche Flugsicherung ab Oktober 2025 das Navigationsgesteuerte PBN-Verfahren einführt. Die Gemeinde Zeuthen setzt nun auf einen gemeinsamen Bürgerprotest.
Reinhard Kaufhold- Zeuthen befürchtet mehr Fluglärm durch BER ab Oktober 2025 wegen neuem PBN-Verfahren.
- Bürgerprotest gegen geplante Navigationsänderung aufgerufen.
- Verschiebung der Hoffmannkurve verursacht mehr Lärm in Zeuthen.
- Maßnahmen wie Routenoptimierung und Lärmentgeltanpassung vorgeschlagen.
- Protestbrief bis 19.01.2025 im Rathaus abgeben, auch andere betroffene Gemeinden beteiligt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Neues Jahr, alte Probleme: Die Gemeinde Zeuthen sieht sich schon jetzt, wenige Monate vor der Einführung des neuen Navigationsverfahrens Performance Based Navigation (PBN) am Flughafen BER in Schönefeld als großer Verlierer. Der Grund: Man geht davon aus, dass die Gemeinde am Stadtrand von Berlin mit der für das neue Flugverfahren nötigen Verschiebung der Flugrouten noch mehr unter dem sowieso schon vorhandenen Fluglärm zu leiden hat.
Bereits Ende Januar will die Deutsche Flugsicherung die Einführung des neuen Navigationssystems beim zuständigen Bundesamt für Flugsicherung beantragen und im Oktober dieses Jahres damit am Flughafen BER starten. Der Gemeinde Zeuthen geht das alles viel zu schnell, denn die entsprechende EU-Richtlinie soll erst im Sommer des Jahres 2030 in Kraft treten.
Verschiebung der Hoffmannkurve bringt mehr Lärm in Zeuthen
Aus dem Rathaus heißt es, dass statt der versprochenen Entlastung negative Auswirkungen drohen, die die Lebensqualität in der Gemeinde spürbar verschlechtern würden. Um das neue, satellitengestützte Flugverfahren überhaupt zu ermöglichen, müsse die sowieso schon umstrittene Hoffmannkurve um mehr als zwei Kilometer nach Osten verlegt werden. Dies bedeute, dass ein Überschießen der Hoffmannkurve legitimiert und die Einschränkungen zur Nutzung des 15 Grad Knicks aufgeweicht würden.

Nach den Plänen der Deutschen Flugsicherung würde sich für das satellitengestützte Flugverfahren die Hoffmannkurve um mehr als zwei Kilometer Richtung Osten verschieben. Für Zeuthens Anwohner bedeutet das, dass es zukünftig noch mehr Fluglärm gibt.
Screenshot/Präsentation der Fluglärmkommission/Jana ScholzDas Toleranzgebiet, in dem sich die Flieger ab Schönefeld dann bewegen dürften, läge über den bewohnten Gebieten Eichwalde, Schulzendorf und Zeuthen. Im Falle der Gemeinde Zeuthen könnte man befürchten, dass durch die Änderung der bereits vorhandenen Flugrouten und der damit einher gehenden Abkurvung der Spurbreite bis zur Bahnlinie in Zeuthen, es zu einer Verlärmung des gesamten Ortes kommt. Für Bürgermeister Philipp Martens ist diese Aussicht nicht tragbar, sodass er zum sofortigen Handeln aufruft.
Diese Änderungen wollen die BER-Gemeinden vorschlagen
Gemeinsam mit den BER-Nachbarn Eichwalde und Schulzendorf, Wildau und Königs Wusterhausen hat die Gemeinde Zeuthen in der Fluglärmkommission unter anderem folgende Maßnahmen vorgeschlagen:
1. Optimierung der Startbahnnutzung: Vorverlegung des Departure End of Runway (DER) um 400 Meter. (Es gibt kein einziges Luftfahrzeug, welches die aktuelle Startbahnlänge benötigt. Hier hat die DFS bereits bestätigt, dass dies möglich ist aber sie sich nicht dafür einsetzen wird, wenn sie keinen Auftrag dafür erhält).
2. Erstellung der Routenführung nach dem Beispiel am Flughafen in Frankfurt (Main): Das Verfahren „Reverse Engineering“ wurde in Frankfurt am Main bereits erfolgreich umgesetzt und führte zum Erhalt der bisherigen Nominal-Spuren und zu lärmgeminderten Abflugverfahren.
3. Neue Routenführung: Prüfung alternativer Wegpunkte und Bewertung durch das Noise Impact Route Optimization System (NIROS).
4. Anpassung des Lärmentgelts: Fluggesellschaften sollen durch ein neues System motiviert werden, lärmreduzierende und spurtreue Verfahren einzuhalten.
Auf der Homepage der Gemeinde heißt es, dass die Fluglärmkommission diese Vorschläge bereits beschlossen hätte, jedoch alle maßgeblichen Akteure diese Beschlüsse zu ignorieren scheinen. Damit der Bürger aber sieht, welcher Aufwand betrieben wurde, um überhaupt zu verstehen, worum es im Einzelnen geht, haben die Gemeinden eine Präsentation erarbeitet und zur Verfügung gestellt.
Zeuthen setzt auf Zusammenhalt
Allerdings drängt die Zeit. Denn bereits Ende Januar will die Deutsche Flugsicherung die Einführung des neuen Navigationssystems beim zuständigen Bundesamt für Flugsicherung beantragen. Aus Sicht der Gemeinde ein Schnellschuss, denn die entsprechende EU-Richtlinie (DVO (EU) 2017/373) soll erst im Sommer des Jahres 2030 in Kraft treten. Bis zum 19. Januar sei laut Homepage Zeit, noch alle Hebel in Bewegung zu setzen und die Möglichkeit der kurzfristigen Einflussnahme zu nutzen. Dabei hofft die Verwaltung, dass die Bürger die Interessen des Ortes mit reger Beteiligung stark vertreten.
So können Bürger das Vorhaben der Gemeinde unterstützen:
► Drucken Sie den vorbereiteten Protestbrief aus.
► Unterzeichnen Sie den Brief und reichen Sie ihn bis spätestens 19.01.2025 im Rathaus ein.
Per Post oder Einwurf an: Gemeinde Zeuthen, Schillerstraße 1, 15738 Zeuthen
oder per E-Mail an: gemeinde@zeuthen.de
oder per Fax an: 033762 753 575
Die Gemeinde wird die gesammelten Briefe rechtzeitig an die zuständigen Behörden weiterleiten.
Auf Nachfrage im Rathaus, ob sich ausschließlich Zeuthener Bürger an der Protestaktion beteiligen können, heißt es ganz klar „Nein!“. Auch Bewohner der ebenfalls betroffenen Gemeinden Schulzendorf und Eichwalde sowie Wildau und Königs Wusterhausen können den Protestbrief nutzen. Abgegeben werden kann er dann in Zeuthen oder in den Rathäusern des eigenen Wohnortes. Die Bürgermeister stehen zusammen für die Sache ein und kämpfen auf diesem Wege gemeinsam für mehr Lebensqualität.

