Gigafactory Grünheide: Neue IG-Metall-Vorsitzende richtet Kampfansage an Tesla-Chef Musk

In ihrer Antrittsrede äußert sich die neue IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner zu Tesla.
Helmut Fricke/dpaAuf dem Gewerkschaftstag der IG Metall in Frankfurt am Main wurde diese Woche eine neue Vorsitzende gewählt. Mit Christiane Benner steht nun erstmals eine Frau an der Spitze der weltgrößten Einzelgewerkschaft. In ihrer Antrittsrede bei der Versammlung, die vom 22. bis zum 26. Oktober dauert, richtete Benner auch kritische Worte an Milliardär und Tesla-Chef Elon Musk. „Wir werden keine gewerkschaftsfreien Zonen zulassen. Auch nicht auf dem Mars, Elon Musk“, so die neue IG-Metall-Vorsitzende.
Benners Kampfansage folgte auf Aktionen der Gewerkschaft, die diese Anfang Oktober durchführte. Im Rahmen einer sogenannten „Aktionswoche“ hatte die IG Metall die Tesla-Beschäftigten mit Informationen versorgt und Flyer auf dem Gelände der Gigafactory in Grünheide verteilt. Tesla erschwerte diese Aktionen und kündigte wiederum selbst ein Event für die Mitarbeiter an. So soll zeitgleich zur Gewerkschaftsveranstaltung eine Informationsveranstaltung von Tesla inklusive kostenloser Verpflegung stattgefunden haben.
Benner: „Wir wollen auch bei Tesla Tarifbedingungen“
Die IG Metall hat für die Beschäftigten von Tesla bereits eine eigene Internetseite eingerichtet, auf der sich die Tesla-Arbeiter über zentrale Arbeitnehmerrechte informieren können. Tesla ist in den letzten Monaten wegen scheinbar miserabler Arbeitsbedingungen und diverser Umwelthavarien in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Eine umfangreiche Recherche des „Stern“ hatte vergangenen Monat diverse Missstände in der Gigafactory aufgedeckt. Auch MOZ.de berichtete darüber.
An der jüngsten Aktionswoche hatten sich nach Angaben der IG Metall mehr als 1000 Tesla-Beschäftigte beteiligt. Obwohl Tesla für das kommende Jahr eine Lohnerhöhung angekündigt habe, sei das Lohnniveau bei Tesla immer noch unterdurchschnittlich, schrieb die Gewerkschaft damals auf ihrer Website. Zudem gibt es bei Tesla noch keinen branchenüblichen, mit der IG Metall ausgehandelten, Tarifvertrag.
Damit unterscheidet sich der US-Konzern von anderen Autobauern, wie zum Beispiel BMW und Volkswagen. Deshalb wolle die neue Vorsitzende der IG Metall ihren Fokus künftig besonders auf das Thema Tarifbindung legen. „Wir wollen auch bei Tesla Tarifbedingungen und die Tesla-Beschäftigten wollen das auch“, sagte Benner bei ihrer Antrittsrede.
IG Metall wirbt immer wieder um Tesla-Mitarbeiter
Der E-Autobauer Tesla produziert seit März 2022 Fahrzeuge in seiner Gigafactory in Grünheide bei Berlin. Konzernchef Elon Musk hatte in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass er von gewerkschaftlicher Arbeit wenig hält. Neu ist das Werben der IG Metall um die Mitarbeiter der Gigafactory jedoch nicht. Bereits seit Januar 2022 betreibt die Gewerkschaft ein eigenes Büro in unmittelbarer Nähe zur Fabrik. Es liegt direkt am Bahnhof Fangschleuse, nur wenige Kilometer von der Gigafactory entfernt und muss voraussichtlich für die Gleise des neuen Bahnhofes Fangschleuse weichen.
Die IG Metall hatte sich erstmals Ende Juni in der Tesla-Fabrik direkt an die Beschäftigten gewandt, wie MOZ.de berichtete. Bei dem Besuch des Werks durch die IG Metall habe es sich um eine „normale Aktion“ gehandelt, betonte damals ein Sprecher der Gewerkschaft gegenüber MOZ.de. Es sei geltendes Recht, dass Gewerkschaften „in bestimmten Abständen einen Betrieb besuchen können“. Auch Tesla müsse das zulassen, so der Sprecher weiter.
Wie viele Mitarbeiter der Gigafactory bereits der IG Metall beigetreten sind, wollte die Gewerkschaft auch damals nicht sagen. Die Resonanz sei jedoch sehr positiv, das Interesse an der IG Metall sei groß und man habe es mit einer „deutlich wachsenden Zahl“ an Mitgliedern zu tun, so der Gewerkschaftssprecher.
Tarifvertrag/Tarifbindung
● Bindende Verträge, die von den Gewerkschaften ausgehandelt werden.
● Sie garantieren Arbeitnehmern ein Mindestmaß an Arbeitsschutz, Lohn und anderen grundlegenden Arbeitnehmerrechten.
● Es gibt verschiedene Vertragsmodelle, die sich von Branche zu Branche, aber auch von Betrieb zu Betrieb unterscheiden können.





Teslas Werk in Grünheide bei Berlin sollte ein „Juwel für die Region“ werden. Anderthalb Jahre nach Eröffnung der Gigafactory ist davon wenig geblieben. Die Rede ist von Havarien und Arbeitsunfällen.