Gigafactory Grünheide
: Vorzeitige Genehmigung – so darf Tesla sein Werk ausbauen

Tesla kann das Werk in Grünheide um weitere Anlagen erweitern. Das Landesumweltamt erteilte eine entsprechende vorzeitige Genehmigung. Was wird nun gebaut?
Von
Janine Richter
Grünheide
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Blick am frühen Morgen auf die Tesla–Autofabrik. Weltweit plant der Konzern einen massiven Stellenabbau. Auch Jobs in Grünheide sollen betroffen sein.

Blick am frühen Morgen auf die Tesla-Autofabrik. Ein Waldstück im Nord-Osten des Fabrikgeländes (rechts oben auf dem Foto) wird momentan im Rahmen eines Protestcamps besetzt. Tesla möchte dieses Waldstück für die Werkserweitung nutzen. Außerdem wird in der einzigen europäischen Tesla-Autofabrik in Grünheide bei Berlin ab Montag ein neuer Betriebsrat gewählt. (zu dpa: «Tesla-Betriebsrat nimmt Arbeit auf») +++ dpa-Bildfunk +++

Blick am frühen Morgen auf die Gigafactory von Tesla in Grünheide: Das Unternehmen darf nach einer vorzeitigen Genehmigung sein Werksgelände weiter ausbauen.

Jörg Carstensen/dpa

US-Autobauer Tesla kann seine Ausbau-Pläne der Gigafactory in Grünheide bei Berlin auf seinem rund 300 Hektar großen Gelände beginnen, umzusetzen. Dies teilte das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz (MLUK) Brandenburgs am Donnerstagnachmittag (4. Juli) mit.

Zwar ist die Genehmigung für das Gesamtvorhaben noch nicht erteilt, jedoch habe das Landesumweltamt, welches dem MLUK untersteht, nach Prüfung der von Tesla eingereichten Antragsunterlagen "eine positive Genehmigungsprognose" erstellt. Der vorzeitige Bau-Beginn nach Paragraf 8a des Bundesimmissionsschutzgesetzes (BImSchG) sei somit erteilt worden.

Das sind Teslas Werksausbau-Pläne in Grünheide

Gegenstand der gesamten von Tesla beantragten Änderungsgenehmigung ist eine Erweiterung der sogenannten Gigafactory in Grünheide. Dessen Produktionskapazität soll von derzeit maximal 500.000 Fahrzeugen auf zukünftig eine Million Fahrzeuge pro Jahr erhöht werden. Hierfür soll eine weitere große Halle auf 81.200 Pfählen zur Unterbringung der zusätzlichen Produktionseinheiten im Norden des Geländes errichtet werden. Dort sind bereits die Bäume gerodet.

Zudem sind auch Änderungen und Optimierungen an den bereits errichteten Produktionsanlagen geplant. Dazu gehören Gebäude für die Fahrzeugfertigung, zur Fertigung von Antrieb und Batteriepaket, für die Batteriezellenproduktion und zur Abwicklung der betrieblichen Logistik. Mit der Erweiterung einhergehen soll zudem eine Erhöhung der Batteriespeicherproduktionskapazität von derzeit 50 auf zukünftig 100 Gigawattstunden pro Jahr. Die beantragten Änderungen befinden sich ausschließlich auf Flächen im bestandskräftigen B-Plan 13.

Des Weiteren umfasst der Gesamtantrag mit verschiedenen Teilanträgen Nebeneinrichtungen außerhalb des Wasserschutzgebietes, wie eine Wasseraufbereitungsanlage, ein Lagergebäude für Gefahr- und Einsatzstoffe, ein Gebäude für die Abfallbehandlung und eines für das Batterierecycling. Zudem werden Änderungen an der bestehenden Anlagentechnik beantragt sowie werksinterne Erschließungs- und Verkehrswege zur neu entstehenden L386 und zur Autobahn.

"Das gesamte Änderungsvorhaben wird sich nach heutigem Stand aus drei Teilgenehmigungen zusammensetzen", schreibt das LfU. Die Zulassung des vorzeitigen Beginns, über die aktuell entschieden wurde, sei am 17. Mai 2024 von Tesla beim LfU beantragt worden. Weitere Anträge seien bisher noch nicht vom Autobauer eingegangen.

Tesla kann in Grünheide Abstellfläche für Neuwagen errichten

Der in dieser Woche vom Landesumweltamt zugelassene vorzeitige Beginn erlaubt Tesla zunächst unter anderem die Einrichtung einer asphaltierten Logistikfläche für Neuwagen, einschließlich der erforderlichen Untergrundleitungen. Hierfür wird ein multifunktionales Zeltlager eingerichtet, von dort wird die Erweiterung des Werks koordiniert. Mit dem Bau könnte der Flughafen in Neuhardenberg entlastet werden.

Möglich wird ebenfalls der Bau von Treppenhäusern an der Nordseite des Presswerks sowie einer Besucher- und einer Lkw-Zufahrtswache. Beantragt wurde auch die Errichtung von Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Gebäude verschiedener Betriebseinheiten. Auch deren Errichtung ist schon jetzt zulässig.

1070 Einwendungen vom Landesumweltamt weggewogen

Vor fast einem Jahr, am 12. Juli 2023, wurde der Genehmigungsantrag zur Erweiterung des Tesla-Werkes in Grünheide öffentlich bekannt gegeben und die Beteiligung der Öffentlichkeit im Genehmigungsverfahren eingeleitet. 1070 Einwendungen gingen gegen die Fabrik-Ausbau-Pläne Teslas ein. Der Erörterungstermin dazu fand am 23. und 24. Oktober 2023 in der Stadthalle in Erkner statt.

Umweltschützer haben Bedenken gegen den Ausbau. Das Gelände liegt zum Großteil im Trinkwasserschutzgebiet, weshalb sich auch der Wasserverband Strausberg-Erkner (WSE) dagegen stemmt. Tesla weist Bedenken zurück. Für den Ausbau will der Autobauer zudem mit der bisherigen Wassermenge auskommen.

Was ermöglicht der Paragraf 8a?

Im Paragraf 8a BImSchG wird Vorhabenträgern die Möglichkeit eingeräumt, bereits vor der Erteilung der Genehmigung mit der Errichtung der Anlage beginnen zu dürfen. Das ist rechtlich zulässig, wenn dem Vorhaben eine positive Genehmigungsprognose erteilt wird. Der Vorhabenträger handelt dabei auf eigenes Risiko.

Tesla

Die Tesla Gigafactory Berlin (Giga Berlin / Gigafactory 4) in Grünheide (Oder-Spree) des US-Autobauers Tesla ist eine der größten Elektroauto-Fabriken in Deutschland. Baustart war Anfang 2020, die ersten Autos wurden im März 2022 an Kunden übergeben. Was gibt es Neues um die Fabrik?