„Arme Ukraine, es ist schlimm, was da gerade passiert“, sagt einer 14-jähriger Schüler, während er vor der Morus-Oberschule in Erkner steht. Um ihn herum sind zahlreiche Klassenkameraden, die alle mit dem Kopf nicken. Und nicht nur das: Es stehen da auch 24 Kisten, gefüllt mit Babynahrung, Medikamenten, Decken und Essen. Alles Spenden, die die Schüler gesammelt haben – und die nun in das vom Krieg gebeutelte Land gehen sollen.
Als Kooperationspartner für die Spendenaktion, die Lehrer und Schüler gemeinsam angestoßen haben, dient die Ukraine-Hilfe Lobetal, die unter dem Dach der Hoffnungstaler Stiftung auch eine Werkstatt in Erkner betreibt. Dort brachten die Schüler die Spenden am Freitag eigenhändig hin. „Am Montag sollen die Sachen dann mit Lkw in die Ukraine gehen“, berichtet Englisch-Lehrer Tom Fengel, der die Aktion zusammen mit seiner Kollegin Katharina Milak koordiniert. Beide sind stolz darauf, dass so viele Schüler mitmachen, und auch auf die große Spendenbereitschaft von Eltern, Verwandten und Lehrerkollegen. Ein besonderer Dank gehe zudem an Catering Hölzer, das recht kurzfristig Konserven gespendet hätte.
Am Rande berichtet der 14-jährige Schüler, dass der Bruder seines Opas derzeit in Kiew sei. „Er lebt dort seit Jahren und wir machen uns schon sorgen, denn wir erreichen ihn nur schwer – es gibt kaum Empfang per Telefon.“

Abiturienten sammeln Geld bei Theateraufführung

Neben der Morus-Oberschule haben auch Schüler des Carl-Bechstein-Gymnasiums ein deutlichen Spenden-zeichen gesetzt. Das geschah im Rahmen einer Theatervorführung am Donnerstag, in der Zwölftklässlern zwei selbst inszenierte Märchen aufführten. Für die Schüler war nicht die Benotung, die mit der Aufführung verbunden war, das Wichtigste, sondern ein ganz besonderes Anliegen aller Beteiligten. „Wir wollen den Menschen in der Ukraine helfen, durch Spenden und durch unsere Aufmerksamkeit“, sagte Sophia, die Darstellerin einer Elfe, zur Begrüßung der rund 130 Eltern, Lehrer und geladenen Gäste.
Theater gespielt und am Rande Geld für die Ukraine gesammelt: Raphaela Scherfling und John Benedict Jacob als Magier in dem Märchen "Der mutige Schuhmacher und die Magie" vom Carl-Bechstein-Gymnasium Erkner.
Theater gespielt und am Rande Geld für die Ukraine gesammelt: Raphaela Scherfling und John Benedict Jacob als Magier in dem Märchen „Der mutige Schuhmacher und die Magie“ vom Carl-Bechstein-Gymnasium Erkner.
© Foto: Elke Lang
Karla Wilke, Lehrerin für darstellendes Spiel, erklärte, dass alle „ganz kurzfristig, ganz schnell während der Generalprobe am Dienstag die Entscheidung getroffen haben, die üblichen Eintritts-Spenden, die sonst den Theater-Projekten zugute kommen, an die Ukraine weiterzuleiten“. Janik, der Hauptdarsteller in dem Märchen „Der mutige Schuhmacher und die Magie“, bekräftigte: „Wir wollen helfen, denn der Krieg betrifft uns selbst, es geht uns, die junge Generation an.“

„Es gibt jetzt Wichtigeres als den Abi-Ball“

Als eine „besondere Geste“ versteht es Sophia, dass auch die Hälfte der Einnahmen des Caterings, die für den Abiball gedacht waren, gespendet werden. „Es gibt jetzt Wichtigeres als den Abiball, befinden auch Raphaela, die Magierin und Schlange, Pia-Sophie, die Valeria in „Valeria. Die Abenteuer der tapferen Königstochter“ sowie Plakat- und Programmgestalterin, und Charlett, aufgetreten als Anea. Zum Abschluss hat Ruth aus der 9. Klasse, die als Mitglied der Technik-AG beteiligt war, außerplanmüßig Udo Lindenbergs Lied „Wozu sind Kriege da“ gesungen, „um unserem Appell eine ganz persönliche Note zu geben“.
Die Eltern tragen das Engagement ihrer Kinder mit. Kathrin und Ulf Kreuziger, deren Kinder William und Heidi mitspielten, finden es „ganz wichtig, dass die Jugend in der aktuellen Lage aktiv wird“.

Auch andere Klassen des Gymnasiums starten Spendenaktionen

Auch in anderen Klassen des Gymnasiums gibt es Spendenaktionen. Jürg Schulze, Klassenleiter der 9. Klasse, kann berichten, dass seine Schüler Spielzeug gesammelt haben, welches mit elterlicher Hilfe in Erstaufnahmeeinrichtungen gebracht wurde. „Die Zustimmung zum Spenden ist enorm, auch die Sorge der Schüler und der Gesprächsbedarf“, hat er beobachtet. Martina Thüne, Lehrerin in Sport und Geographie, wiederum erzählt von Eltern, die Spendeninitiativen im Volleyballverein „Grünweiß Erkner“ ergriffen haben.
Bei der Theateraufführung der Zwölftklässler ist am Ende eine Geldspende von mehr als 500 Euro zusammengekommen. Sie geht an das Hilfsprojekt Care Deutschland. „Das ist eine schnelle Soforthilfe direkt in der Ukraine, denn für die Unterbringung der Flüchtlinge in Polen und Deutschland sind schon gute Strukturen entwickelt worden“, so Lehrerin Karla Wilke.
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