Tesla in Grünheide: Neuer Betriebsrat für Gigafactory gewählt – wohin gingen die Stimmen?

Gigafactory in Grünheide: Tesla hat einen neuen Betriebsrat gewählt. (Archivfoto)
Jörg Carstensen/dpaIn der Elektroautofabrik von Tesla in Grünheide bei Berlin haben die Beschäftigten einen neuen Betriebsrat gewählt. Die Wahl im einzigen europäischen Autowerk von Elon Musk ging am Mittwoch (20. März) zu Ende, sie hatte am Montag begonnen.
Wie die IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen am Mittwochabend mitteilte, erreichten deren Gewerkschaftsmitglieder mit ihrer Liste 2 „IG Metall Tesla Workers GFBB“ nach der ersten Auszählung rund 39,4 Prozent der Stimmen. Sie stellen den Angaben zufolge im künftigen Betriebsrat mit voraussichtlich 16 der insgesamt 39 Mitglieder die größte Gruppe.
Auch Listen nahe Tesla-Management schneiden gut ab
Nach MOZ-Informationen wurden die Gewerkschafter damit von 3516 Tesla-Arbeitern gewählt. 8917 Stimmen wurden bei der Betriebsratswahl insgesamt abgegeben. Die IG Metall wird dicht gefolgt von der Liste 6 „Giga United“, in der vorrangig Projektmanager, Teamleiter und ehemaligen sowie aktuellen Betriebsratsmitglieder vertreten sind, darunter auch die Vorsitzende Michaela Schmitz. Sie konnten 3201 Wähler von sich überzeugen und erreichten 35,9 Prozent, wie MOZ.de exklusiv am Mittwochabend erfuhr. Die Liste 1 „One Team“, in der viele Supervisoren organisiert sind, erreichte 12,4 Prozent (1106 Stimmen). Beide Listen sollen dem Tesla-Management nahestehen.
471 Menschen wählten die Liste 5 mit dem Namen „Giga fair“ (5,3 Prozent). Die Liste 3 „Giga für alle“ konnte 318 Mitarbeiter für sich begeistern (3,6 Prozent). Die restlichen Listen verblieben unter einem Prozent.
„Ihr habt in der kurzen Zeit einen fantastischen Wahlkampf mit einem klaren und überzeugenden Programm für bessere Arbeitsbedingungen bei Tesla geführt“, erklärte IG-Metall-Bezirksleiter Dirk Schulze und gratulierte den Gewählten zu ihrem Erfolg.
Was waren die Forderungen der IG Metall?
Zur Wahl traten neun Listen mit 234 Kandidatinnen und Kandidaten an. Tesla und die Gewerkschaft hatten von großem Interesse an der Wahl mit Warteschlangen berichtet.
Während die erste Betriebsratswahl 2022 noch vor der Werkseröffnung stattfand, arbeiten inzwischen rund 12.500 Menschen in der Fabrik. Die IG Metall konnte ihren Einfluss im Gremieum nun vergrößern, die Mehrheit hat sie aber nicht. Knapp 60 Prozent der Sitze seien an nicht gewerkschaftlich organisierte Listen gegangen, teilte Tesla selbst am Mittwochabend unter Berufung auf das vorläufige Wahlergebnis mit.
Die Gewerkschaft fordert in einem Zehn-Punkte-Programm „Veränderungen“ und „mehr Gerechtigkeit“ im Tesla-Werk. „Der Betriebsrat muss auf der Seite der Belegschaft stehen – ohne Wenn und Aber“, hieß. Zudem brauche es bessere Arbeitsbedingungen und einen Tarifvertrag bei Tesla.
Die IG Metall wirft dem Autobauer vor, dass für „Tesla-Speed“ zu oft beim Unfallschutz gespart werde. Sie fordert auch längere Taktzeiten, angemessene Bandpausen, mehr Personal, mehr Freizeit, kein Lohnentzug mehr bei Krankheit, „Meinungsfreiheit und Kritik, ohne Angst vor Konsequenzen“, „Schluss mit Seilschaften“ bei Beförderungen und die Übernahme von Leiharbeiterinnen und Leiharbeitern.
Tesla lehnt einen Tarifvertrag ab und sieht viele Forderungen der Gewerkschaft wie etwa Arbeitssicherheit oder bessere Bedingungen für Leiharbeiterinnen und Leiharbeiter bereits jetzt umgesetzt. Die Arbeitssicherheit, die die IG Metall fordere, stehe bei Tesla an erster Stelle, teilte eine Sprecherin der dpa mit. Beim Arbeitsschutz seien signifikante Verbesserungen wie Erschwerniszulagen umgesetzt worden, teilte Tesla mit.
Tesla will jährliche Lohnänderungen anbieten
Bezirksleiter Schulze hatte dem bisherigen Betriebsrat vorgeworfen, nicht komplett auf der Seite der Belegschaft zu stehen. Schmitz hatte das zurückgewiesen und zum Beispiel auf Gehaltserhöhungen von bis zu 18 Prozent ohne Tarifvertrag hingewiesen. Tesla will laut Werksleiter André Thierig jährliche Lohnänderungen anbieten.
Tesla-Chef Elon Musk hatte in der Vergangenheit wiederholt Forderungen nach einer gewerkschaftlichen Organisation seiner weltweit 127.000 Beschäftigten abgelehnt.




