Tesla Grünheide: Strommast zur Gigafactory soll nach Anschlag dauerhaft gesichert werden

Nach Brandanschlag auf Tesla-Strommast bei Steinfurt (Gosen-Neu Zittau) - weitere Arbeiten der EDIS. Warum?
Janine Richter- Brandanschlag auf Tesla-Strommast nahe Grünheide im März 2024.
- Reparaturarbeiten am Strommast abgeschlossen; Kosten über eine Million Euro.
- Sicherheitsmaßnahmen wie Kameras und Security vor Ort.
- Tesla-Fabrik und 83.000 Haushalte vom Stromausfall betroffen.
- Redundanz der Stromversorgung von Umweltgruppen infrage gestellt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Nähert man sich dem Gelände bei Steinfurt (Gemeinde Gosen-Neu Zittau), geht sofort der Rollladen eines Containers hoch. Ein prüfender Blick und der Mann der Security tritt heraus, fragt, ob er denn weiterhelfen könne. Im Hintergrund werkeln Bauarbeiter nach wie vor an dem Strommast, der Ziel eines Anschlages auf die Stromversorgung der sogenannten Gigafactory von US-Autobauer Tesla war. Ein Gerüst und Planen sind zu sehen. Riesige Materialienhaufen und Kabeltonnen liegen auf dem Nachbarfeld.
Der Strommast war Anfang März 2024 bei einem Brandanschlag stark beschädigt worden. Zu dem Anschlag hatte sich die als linksextremistisch eingestufte Vulkangruppe in einem Schreiben bekannt. Seitdem ermittelt der Generalbundesanwalt zu den Tätern. Das Feuer sorgte dafür, dass in die Tesla-Fabrik in Grünheide tagelang der Strom ausfiel und keine Autos produziert wurden. Auch das GVZ mitsamt dem Edeka-Logistikzentrum im Freienbrink waren vom Stromausfall betroffen, hinzu kamen 83.000 Haushalte in der Region. Nun beobachten Kameras das gesamte Gelände um den Mast bei Steinfurt.

Strommast bei Steinfurth: Ort des Brandanschlags auf die Gigafactory von Tesla in Grünheide. Gigafactory Grünheide Tesla Stromausfall Strom Brandanschlag Brand Grafik
Jörn Sandner/MMH GrafikArbeiten am Strommast gehen weiter
Der regionale Netzbetreiber Edis teilte Ende Mai 2024 mit, dass die eigentlichen Reparaturarbeiten an dem Strommast abgeschlossen seien. Die beschädigten Komponenten am betroffenen Kabelendmast seien mittlerweile vollständig ausgetauscht worden, hieß es. Für die Reparatur sei es notwendig gewesen, mehrere hundert Einzelteile händisch anzufertigen und zu montieren.
Parallel zu den Reparaturarbeiten am Mast wurde eine zweite sogenannte Portal-Lösung errichtet, um über ein weiteres System eine Erhöhung der Versorgungssicherheit auch während der mehrwöchigen Reparaturarbeiten zu gewährleisten. Die Reparatur der Stromversorgung für die Tesla-Fabrik in Grünheide hat laut dem Edis-Chef Alexander Montebaur mehr als eine Million Euro gekostet.

Das gesamte Gelände um den Strommast bei Steinfurt ist umzäunt und mit Kameras und Security Tag und Nacht gesichert.
Janine RichterAktuell werden letzte Arbeiten ausgeführt, um den Normalzustand von vor dem Anschlag wieder zu erreichen, bestätigt Edis-Pressesprecher Danilo Fox unserem Medienhaus. Konkret sollen die beiden Kabelsysteme von der provisorischen technischen Lösung zurück zum Kabelendmast geführt werden. Dafür würden unter anderem neue Kabelaufführungen am Mast montiert und die Kabelendverschlüsse erarbeitet. „Aktuell werden Erdarbeiten finalisiert, Kabelmuffen hergestellt und demnächst der Korrosionsschutz am Mast aufgetragen", erklärt Fox.
Strommast soll dauerhaft gesichert werden
Sobald der Normalzustand wieder erreicht sei, würden die beiden vorübergehend genutzten Portallösungen Schritt für Schritt zurückgebaut. "Dafür ist aktuell der Monat August vorgesehen", so Fox. Der wichtige Strommast soll künftig dauerhaft gesichert werden. „Bis dahin verbleiben die derzeitigen umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen, wie der Einsatz von Kamerasystemen und ein Sicherheitsdienst, der 24/7 vor Ort ist, aktiv."
Tesla Gigafactory und Edeka Logistikzentrum ohne Strom
Bisher unbekannte Täter hatten am 5. März Feuer an dem Strommast auf einem Feld bei Steinfurt gelegt. Er befindet sich rund 3 Kilometer Luftlinie von der Gigafactory entfernt und ist Teil der Stromversorgung der E-Autofabrik in Grünheide bei Berlin. Die Produktion kam über fast eine Woche zum Erliegen.
Die als linksextremistisch eingestuften „Vulkangruppe“ hatte erklärt, sie sei für den Anschlag verantwortlich. Die Bundesanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Wie der aktuelle Ermittlungsstand ist, teilte die Behörde auf MOZ-Nachfrage nicht mit. Das Protestcamp, das gegen eine von Tesla geplante Erweiterung im für die Rodung vorgesehenen Wald demonstriert, hat nach Angaben der Initiative „Tesla stoppen“ mit dem Anschlag nichts zu tun.
Grüne Liga zweifelt sichere Stromversorgung an
Tesla ist ein stromintensives Unternehmen. Circa 87 Megawatt Strom benötigt die Gigafactory laut ausgelegten Unterlagen in der aktuellen Ausbaustufe; in der zweiten sollen es dann 97 MW sein. Der Strom wird ausschließlich aus dem öffentlichen Netz bezogen. Ein eigenes Kraftwerk ist nicht vorhanden.
Tesla wird laut Unterlagen nur von diesem Strommast in Steinfurt beliefert. Er ist somit ein neuralgischer Punkt, der offenbar gezielt angegriffen wurde. Sechs 110-kV-Kabel gehen hier ins Erdreich und zweigen zu Tesla und dem Edis-Umspannwerk an der L23 ab. Eine zweite, unabhängige Leitung aus der anderen Richtung zum Werk oder Umspannwerk scheint laut Unterlagen nicht zu existieren.
Nachdem die Tesla-Fabrik tagelang dunkel geblieben war, meldete die Grüne Liga sowie Sicherheitsexperten Zweifel an, ob der US-Autobauer überhaupt über eine redundante Stromleitung nach dem n-1-Prinzip verfügt. "Redundanz“ bedeutet dabei, dass für eine Anlage eine zuverlässige Stromversorgung hergestellt ist, indem sie von zwei unabhängigen Stellen aus beliefert wird. „N-minus-eins“ bedeutet, dass das Stromnetz den Ausfall einer Leitung verkraften muss, ohne dass es zu Stromausfällen für die Kunden kommt.
Laut Grüner Liga sei dies beim Ausbau nicht eingehalten worden. Zulassung und Genehmigung der Tesla-Gigafactory hätten nicht erteilt werden dürfen, weil sämtliche Brandschutznachweise nebst Prüfberichten der Fabrik auf einer falschen Grundannahme beruhen würden, so die Umweltschützer.
Keine Pflicht für zweite Leitung zum Tesla-Werk
Den Darstellungen widersprechen die Genehmigungsbehörden Landesumweltamt (LfU) und Landesbergbauamt, der Landkreis Oder-Spree. Es sei Teslas unternehmerische Entscheidung, auf Redundanz bei der Stromzufuhr zu setzen. Eine Verpflichtung zur Vorhaltung einer zweiten unabhängigen Zuleitung zum Anlagengelände bestehe nicht, so das LfU. Die Fabrik müsse nur jederzeit sicher und kontrolliert herunterzufahren sein. Auch bei Tesla soll der Schaden durch den Stromausfall in die Millionen gehen.




