Tesla Grünheide
: Neuer Betriebsrat für Gigafactory – IG Metall kritisiert Arbeitsbedingungen

UPDATE: Die Mitarbeiter der Tesla Gigafactory in Grünheide wählen von Montag bis Mittwoch einen neuen Betriebsrat. Die IG Metall möchte einziehen und formuliert Forderungen.
Von
Janine Richter
Grünheide
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Der beleuchtete Schriftzug „Tesla“ an der Gigafactory in Grünheide, aufgenommen am Morgen. Die Mitarbeiter wählen einen neuen Betriebsrat.

Lutz Deckwerth/dpa

Die Mitarbeiter der sogenannten Gigafactory von Tesla in Grünheide und an anderen Standorten wählen aktuell zum zweiten Mal einen neuen Betriebsrat. Die Gewerkschaft IG Metall hofft darauf, ihren Einfluss in dem Gremium zu erweitern. Gewählt wird von Montag bis Mittwoch (18. bis 20. März), dann soll öffentlich ausgezählt werden.

234 Kandidatinnen und Kandidaten treten auf neun Listen an. Darunter auch die bisherige Betriebsratsvorsitzende Michaela Schmitz. Die IG Metall ist nach eigenen Angaben mit 106 Kandidatinnen und Kandidaten dabei.

IG Metall sieht großes Interesse an Betriebsratswahl

Die IG Metall berichtete am Montag vom großen Interesse an der Wahl. „Die Betriebsratswahl bei Tesla ist gut angelaufen. Das Interesse bei den Kolleginnen und Kollegen ist groß, sich zu beteiligen und die Chance auf einen engagierten Betriebsrat zu nutzen“, sagte der Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen, Dirk Schulze. „Die Kolleginnen und Kollegen berichten uns von Schlangen vor den Wahllokalen im Betrieb.“ Er begrüße, dass die Pause zum Start der Betriebsratswahl von einer halben Stunde auf eineinhalb Stunden verlängert worden sei.

Dirk Schulze, IG-Metall-Bezirksleiter für Berlin-Brandenburg-Sachsen.

IG Metall

Derweil fordert die Gewerkschaft bessere Arbeitsbedingungen in der Autofabrik. „Wir sind für ein Tesla in Grünheide, das den Beschäftigten die in der Branche üblichen guten Arbeitsbedingungen bietet“, sagte Schulze unserem Medium. Die IG Metall hat ein Zehn-Punkte-Programm aufgestellt, in dem gefordert wird, dass es keinen Lohnentzug mehr bei Krankheit gibt und dass Kritik und Verbesserungs-Vorschläge ernst genommen und nicht unterdrückt werden sollen. Die Gewerkschaft setzt sich außerdem für höhere Entgelte, kürzere Arbeitszeiten und mehr Urlaub ein. All das solle rechtssicher in einem Tarifvertrag zwischen der IG Metall und Tesla geklärt werden.

Tesla-Betriebsratschefin Manuela Schmitz tritt ebenfalls bei der Betriebsratswahl wieder an.

Janine Richter

Mitarbeiter seien unzufrieden mit dem Betriebsrat bei Tesla

„Wir würden zuallererst einmal den Blick darauf haben, die Umgehensweisen, aber auch die Produktionsmethoden menschlicher zu gestalten“, sagte Schulze MOZ.de. „Da sind Taktzeiten von 45 Sekunden in der Produktion, dann kommen immer wiederkehrende Tätigkeiten, und das schlaucht natürlich. Das macht die Menschen mürbe und macht sie auch kaputt und anfällig für Krankheiten“, sagte Schulze weiter. Benötigt werden demnach angemessene Bandpausen und ein Ende der ständigen Unterbesetzung.

Beschäftigte hätten das Gefühl, dass der amtierende Betriebsrat nicht so sehr auf der Seite der Belegschaft stehe, so Schulze. „Viele, viele vermuten und sagen, die stehen eher näher am Management.“ Die IG Metall will unter anderem neben mehr Bandpausen und mehr Personal auch einen Tarifvertrag durchsetzen.

Tesla gegen Tarifvertrag für Mitarbeiter in Grünheide

Der US-Elektroautobauer wendet sich gegen einen Tarifvertrag. Werksleiter André Thierig hält einen Tarifvertrag nicht für nötig. Er kündigte am Mittwoch bei einem Besuch von Tesla-Chef Elon Musk jährliche Lohnanpassungen an. Die amtierende Betriebsratschefin Michaela Schmitz, die weitermachen will, hatte auf Gehaltserhöhungen bis zu 18 Prozent ohne Tarifvertrag verwiesen.

Um die Betriebsratswahl gab es Streit. Das Arbeitsgericht Frankfurt (Oder) hatte die Betriebsratswahl am 13. Februar auf Antrag der IG Metall gestoppt. Die Gewerkschaft forderte mehr Zeit für die Vorbereitung. Das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg entschied dann, dass die Wahl nun doch wie geplant Mitte März erfolgen kann. Damit waren Tesla und der Wahlvorstand erfolgreich.

Von 19 auf 39 Plätze im Betriebsrat von Tesla

Bei der ersten Betriebsratswahl der Gigafactory im März 2022 – also noch vor der Eröffnung – waren rund 2700 Mitarbeiter aufgerufen zu wählen. Tausende Produktionsmitarbeiter waren zu dem Zeitpunkt noch nicht eingestellt. 19 Mitglieder hatte daraufhin der Betriebsrat, in dem zehn Sitze an die damalige Arbeitgeberliste „Gigavoice“ gingen. Eine Managerin schaffte es damals an die Betriebsratsspitze.

Dieses Verhältnis könnte sich jetzt ändern und erstmals könnte die IG Metall mehr Mitbestimmung erhalten. Denn seitdem arbeiten viel mehr Menschen in der Fabrik in Grünheide – derzeit sind es nach Unternehmensangaben 12.415 Menschen, darunter 10.616 Männer, 1788 Frauen und elf nicht-binäre Personen.

Wer ist wahlberechtigt bei Tesla und wer kann gewählt werden?

Der neue Betriebsrat wird nach MOZ-Informationen aus 39 Mitgliedern bestehen. Fünf Betriebsratssitze sind dabei Frauen vorbehalten. Alle festangestellten Tesla-Mitarbeiter, aber auch Leiharbeiter, die schon drei Monate in der Giga Berlin beschäftigt sind und das 16. Lebensjahr vollendet haben, können persönlich ihre Stimme abgeben. Möglich ist das im „Hangar 49“, der Lobby der Kantine und in einem Zelt zwischen Tesla-Shuttle-Bahnhof und Lobby. Dies wird aus einer Tesla-E-Mail ersichtlich, die MOZ.de vorliegt. Die Mitarbeiter müssen nur ihre Tesla-Plakette und einen Ausweis vorzeigen. Leitende Angestellte seien nicht wahlberechtigt, heißt es.

Aber es gebe auch Wahlberechtigte in den Außenlagern in Frankfurt (Oder), Altlandsberg, Rangsdorf, Ragow und Vogelsdorf sowie wahlberechtigte Auszubildende und Dual-Studenten. Sie, genauso wie Mitarbeiter, die sich gerade nicht im Betrieb befinden, könnten per Briefwahl abstimmen, steht in der E-Mail.

Gewählt werden können nur festangestellte Mitarbeiter, die mindestens sechs Monate zum Betrieb gehören und am Wahltag 18 Jahre alt sind – Leiharbeitskräfte können nicht gewählt werden.

Brandanschlag und Protest begleiten Betriebratswahl

Bisher unbekannte Täter hatten in der vergangenen Woche einen Strommast in Brand gesetzt, der auch für die Stromversorgung des Werks zuständig ist. Die Produktion fiel einige Tage aus. Die linksextreme Vulkangruppe hatte erklärt, sie sei dafür verantwortlich; später entschuldigte sie sich bei den betroffenen Bürgern und Kleinunternehmen dafür.

Seit Ende Februar protestieren Klimaaktivisten gegen eine geplante Tesla-Erweiterung, für die Wald gerodet werden müsste. Sie müssen das Camp im Wald nahe der Fabrik verlassen, aber die Polizei lässt ihnen mit hohen Auflagen etwas mehr Zeit. Bis zum kommenden Montag haben die Aktivisten Zeit für einen Rückbau, sonst droht eine Räumung. Tesla will auf einem angrenzenden Gelände einen Güterbahnhof und Logistikflächen bauen. Eine Mehrheit der Bewohner von Grünheide hatte sich dagegen ausgesprochen. Die Gemeinde in Ostbrandenburg schlägt nun vor, dass weniger Wald gerodet wird – das trägt Tesla nach eigenen Angaben mit.

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