Tote an Schule in Gosen-Neu Zittau: Wie Eltern ihren Kindern jetzt helfen können

Nach der Gewalttat an einer Schule mit zwei Toten hat die Traumaambulanz in Rüdersdorf ein niedrigschwelliges Angebot für Betroffene. Eine Expertin für Psychotherapie hat zudem Hinweise, wie Eltern ihr Kind nach einem traumatischen Ereignis unterstützen können.
Britta Pedersen/dpa- Nach der Messerattacke am Docemus Campus Neu Zittau bietet Rüdersdorf Akuthilfe an.
- Die Traumaambulanz plant zwei Gruppenangebote am Mittwoch, dem 2. September.
- 12–13 Uhr für Kinder und Jugendliche, 13–14 Uhr für Erwachsene – Anmeldung unter 033638 83561.
- Expertin rät zu offenem Ohr ohne Druck; Alltag, Bewegung und Freundeskontakte können entlasten.
- Klingen Reaktionen nach vier Wochen nicht ab, hilft die Traumaambulanz; Spenden werden gesammelt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Nach der tödlichen Messerattacke am Docemus Campus Neu Zittau (Landkreis Oder-Spree), bei der eine 18-jährige Schülerin und ein 30-jähriger Erzieher starben, bietet die Kinder- und Jugendpsychiatrie des Klinikums Frankfurt (Oder) ein niedrigschwelliges Angebot für unmittelbar vom Ereignis Betroffene in Rüdersdorf an.
„So kurz nach den Ereignissen wie aktuell befinden wir uns in der Phase des sogenannten abwartenden Beobachtens“, berichtet Dr. Mary Sandermann, leitende Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin in der Tagesklinik Rüdersdorf.
Nach schwerwiegenden Ereignissen trete laut der Expertin häufig eine akute Belastungssymptomatik auf. „Diese bildet sich jedoch bei den meisten Betroffenen spontan zurück und ist nicht krankheitswertig.“ Laut Leitlinie sei von einer Dauer möglicher psychophysiologischer Stressreaktionen von bis zu ungefähr einem Monat nach dem Ereignis auszugehen, so Sandermann.
Traumaambulanz Rüdersdorf: zwei Termine für Betroffene
In dieser Stabilisierungsphase möchte das Team der Traumaambulanz Rüdersdorf mit zwei Gruppenterminen unterstützen. Die Termine finden bereits am Mittwoch, dem 2. September, statt. In der Zeit von 12 bis 13 Uhr richtet sich das Angebot an Kinder und Jugendliche, von 13 bis 14 Uhr an Erwachsene. Eine Anmeldung unter 033638 83561 ist erforderlich. Die Gespräche sollen Betroffenen helfen, ihre Reaktionen auf die Tat einzuordnen.
Belastungsreaktionen können sich laut Klinikum durch Schlafstörungen, Ängste, plötzlich auftretende Bilder, Konzentrationsprobleme oder gereiztes Verhalten zeigen. Kleine Kinder spielen das Erlebte mitunter nach. Die Gruppentermine können auch Betroffene nutzen, die solche Symptome bisher nicht beobachten.
So können Eltern ihre Kinder unterstützen
Wer die Termine nicht wahrnehmen kann, hat auch zu Hause die Möglichkeit, das eigene Kind zu unterstützen. Es sei zwar schwer, pauschale Tipps abzugeben, sagt Mary Sandermann, „hilfreich ist, wenn Eltern ein offenes Ohr für ihre Kinder haben, ohne diese zu Gesprächen über das Ereignis zu drängen“.
Bewegung und vertraute Alltagsabläufe könnten ebenfalls Stress abbauen. Jugendlichen helfe häufig der Austausch mit Freunden, erklärt die Psychotherapeutin. Zu viele Gespräche könnten die Erregung durch eine „Gefühlsansteckung“ jedoch verstärken. Deshalb sollten auch Freunde auf die eigenen Grenzen achten.
Wann eine Traumaambulanz helfen kann
Klingen Belastungsreaktionen nach vier Wochen nicht ab, können Eltern für ihre Kinder oder sich selbst eine Traumaambulanz kontaktieren. Eine Liste gibt es auf der Webseite des LASV Brandenburg. Ein telefonisches Krisenangebot ist unter 03361 599-2270 erreichbar.
Gemeinde sammelt Spenden für die Opfer
Der mutmaßliche Täter, ein 19-jähriger Deutscher, sitzt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) wirft ihm zweifachen Mord vor. Die Schülerin soll seine Ex-Freundin gewesen sein. Der Erzieher soll versucht haben, ihr zu helfen. Die Gemeinde Gosen-Neu Zittau und der Förderverein der Grundschule An der Spree sammeln Spenden für die Familien der Opfer. Gespendet werden kann per Überweisung und über Paypal.



Auf dem Schul-Campus in Neu Zittau sind zwei Menschen brutal getötet worden. Schmerz nimmt Familien, Schülern und Kollegen fast den Atem. Sie stehen nicht allein. Doch es bleiben viele Fragen.