Frankfurt. Die Reaktionen der Frankfurter auf das Ergebnis der Kommunalwahlen sind gemischt. "Ich bin als Frankfurterin wirklich enttäuscht, dass die AfD so viele Stimmen gewonnen hat", sagt Manuela Netzker am Montag nach der Wahl am Brunnenplatz. Die 57-jährige Markendorferin ist mit den Inhalten der rechtspopulistischen Partei überhaupt nicht einverstanden, wie sie betont.
Enttäuscht von Volksparteien
Die Regierungsparteien CDU und die SPD hätten die Menschen enttäuscht, meint Manuela Netzker. Weil sie als Koalition nicht zusammengearbeitet hätten, immer nur gegeneinander. Es sei also kein Wunder, dass die AfD und auch kleine Parteien wie FBI, BI Stadtumbau und Die PARTEI Erfolge bei der Wahl der 46 Stadtverordneten erzielt haben. "Es ist wichtig, dass wir unsere nationalen Werte bewahren", hält Horst-Uwe Ziemann dagegen. "Und dass in unserem deutschen Land für die Menschen gesorgt wird." Der 52-jährige Sozialpädagoge aus Frankfurt-Süd ist enttäuscht, dass die Volksparteien die Dauerprobleme in der Stadt nicht lösen konnten. Welche konkreten Probleme er meint, das begründet er nicht. Am Südringcenter blicken die Frankfurter mit gemischten Gefühlen auf das Wahlergebnis. "Diese Partei bietet keine Lösungen an", sagt Verkäufer Karsten Richter. Er spricht von einer Protestwahl.
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Geteilte Meinung über AfD
Der 52-Jährige aus Frankfurt-West findet es erschreckend, dass die AfD dermaßen stark geworden ist in Frankfurt. Die AfD-Wähler sollten sich fragen, ob sie ihre Stimme nicht verschwendet haben. Er hofft, dass sich die anderen Parteien zusammenraufen und politisch gegen die rechtspopulistische Partei agieren, sagt er. Dann muss er zurück in den Laden – die Kunden warten.
Der Maurer Matthias Weinert ist mit dem starken Wahlergebnis der konservativen CDU und der AfD zufrieden, sagte er am Montag. "Weil sie mehr im Bereich Rente und Wohnungsbau machen wollen." Unzufrieden hingegen ist der 39-Jährige aus Frankfurt Süd  mit Oberbürgermeister René Wilke (Linke). Das Stadtoberhaupt, findet er, müsse doch mehr gegen die Kinderarmut machen, eine Schwimmhalle bauen und das Alte Kino sanieren, betont Weinert vor dem Südring-Center.
Dabei ist gerade in diesen Bereichen vieles passiert: Nach der OB-Wahl im März 2018 wurde ein Runder Tisch gegen Kinderarmut initiiert. Die Stadt Frankfurt hat das Alte Kino nach langem Tauziehen zu Beginn des Jahres zurückgekauft. Und trotz des klammen Haushalts suche die Stadt mit Słubice Lösungen für eine neue Schwimmhalle, heißt es aus dem Rathaus.
"Es ist wahrscheinlich ziemlich egal, wer im Stadtrat sitzt,", meint Johannes Hechler, der zu Besuch in seiner Heimatstadt Frankfurt ist. Wichtig sei, dass sich die Politiker um die Stadt kümmern. Der 34-Jährige findet es enttäuschend, dass eine rechtspopulistische Partei knapp 19 Prozent der Stimmen gewonnen habe. Hechler lebt seit Jahren in England, ist zu Besuch bei seinem Großvater. Auch der hat eine Meinung. "Ich glaube, dass die Frankfurter etwas schaffen können", sagt Heinz Hechler, 91, aus Frankfurt Mitte. Er lebt seit 60 Jahren in Frankfurt und freut sich über die positive Stimmung in der Stadt.cb/jhh