Der Schriftzug „Moorbad Saarow“ ist noch gut zu lesen. Und beim Blick auf die Architektur des Gebäudes kann man sich gut vorstellen, wie dort einst Erholungssuchende im Bademantel zwischen den Säulen flanierten oder auf einer Liege mit Blick auf märkische Kiefern ruhte. 1914 wurde das Gebäude eröffnet, nach der Wende aufwändig saniert. Heute befindet sich dort unter anderem die Gemeindebibliothek und ein Literaturkabinett.
Bad Saarow am Scharmützelsee ist ein Ort mit Geschichte. Bis ins 19. Jahrhundert war die Scharmützelsee-Region eng mit dem Abbau von Braunkohle verbunden, die über das Wasser nach Berlin verschifft wurde. Noch nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Briketts hergestellt. Parallel suchten Berliner Erholung in Landhäusern oder boten Hoteliers Quartier in ihren inhabergeführten Häusern.

Kosmonauten in Bad Saarow

Schon nach der Jahrhundertwende sahen Grundstücksbesitzer und Berliner, dass sich in Bad Saarow gutes Geld verdienen lässt. Denn Moor- und Soleaufkommen verschafften dem Ort einen Aufschwung: vom Gut zur Landgemeinde bis zum angesagten Kurort, der in der DDR noch einmal Schlagzeilen machen sollte.
Staats- und Parteichef Walter Ulbricht soll schon 1946 bei einem Besuch des Reifenwerks Fürstenwalde und des Pionierlagers Bad Saarow angeregt haben, aus dem Ort ein „Bad der Werktätigen“ zu machen. Tatsächlich entstanden in der Folge unzählige Kinderferienlager. In Spitzenzeiten besuchten 430.000 Menschen den Kurort. Auch die Sowjetarmee erkennt den Erholungswert von Bad Saarow. Im Sanatorium wurden bis 1994 jeden Monat rund 200 Angehörige der Luftstreitkräfte betreut – darunter auch Kosmonauten.
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Zusammengetragen hat diese und viele weitere Fakten der Förderverein „Kurort Bad Saarow“ e.V. Denn im November jährt sich die Gründung des Kurorts zum 100. Mal.

Drei Teile zur Geschichte von Bad Saarow

Der Förderverein „Kurort Bad Saarow“ e.V. hat die erste von insgesamt drei Chroniken vorgelegt. „Wann war was – Chronologie großer und kleiner Ereignisse“ ist soeben aus der Druckerei gekommen und soll am 26. Januar um 19 Uhr in der Gemeindebibliothek, Ulmenstraße 15, vorgestellt werden. Im ersten Halbjahr ist Teil 2 mit dem Titel „Wer war wer?“ geplant. Teil 3 beschäftigt sich mit der Frage „Was war was?“
„Wir haben bewusst darauf verzichtet, Geschichte zu erzählen“, sagt Lutz Storr, der das Projekt Chronik redaktionell leitet. Stattdessen finden sich in Teil 1 sechs Abschnitte mit jeweils einleitenden Worten, dazu Jahreszahlen mit markanten Ereignissen.
Schon 1898 wurde am Südufer des Scharmützelsees ein Bahnhof in Betrieb genommen und die Fahrgastschifffahrt bot Touren an. Kurz nach der Jahrhundertwende wurde der bis dahin kleine, unbedeutende Ort nach und nach erschlossen. Das einst von Ziegeleien und Kohlegruben geprägte Gebiet wandelte sich zum begehrten Naherholungsort vor allem für Berlin. Neben einem Moorbad entstanden ein Sanatorium und Hotels. 1923 wurden die einstigen Gutsbezirke Saarow und Pieskow in die Landgemeinde Bad Saarow umgewandelt – mit Genehmigung des Preußischen Staatsministeriums des Innern. Die Dörfer Saarow und Pieskow blieben jedoch vorerst eigenständig.
Das alte Wasserwerk ist ein bis heute erhaltenes Symbol der Geschichte von Bad Saarow. Inzwischen können dort Übernachtungen gebucht werden.
Das alte Wasserwerk ist ein bis heute erhaltenes Symbol der Geschichte von Bad Saarow. Inzwischen können dort Übernachtungen gebucht werden.
© Foto: Marcel Gäding

Heimatforscher lieferte Aufzeichnungen zur Geschichte von Bad Saarow

Lutz Storr ist Gründungsmitglied vom Förderverein „Kurort Bad Saarow“ e.V. Der Wahl-Saarower war lange Zeit Geschäftsführer des Tourismusvereins, später der Fahrgastschifffahrt. Seit er Rentner ist, hat er Zeit, sich mit der Geschichte von Bad Saarow zu beschäftigen. Er wirkte mit etlichen anderen Mitstreitern an Ausstellungen mit, die unter anderem im Scharwenka-Haus zu sehen waren. Schließlich erhielt er vom 2017 verstorbenen Heimatforscher Reinhard Kiesewetter handschriftliche Notizen zu Ereignissen in Saarow. „Ich habe diese digitalisiert“, sagt Storr. Die Aufzeichnungen Kiesewetters bildeten eine gute Grundlage für die Chronik.
Während bis zum Zweiten Weltkrieg zunächst Berliner Sommerfrischler in Bad Saarow Erholung und Linderung ihrer Beschwerden suchten, übernahmen die Sowjets danach die Kureinrichtungen. Nach dem Abzug der Russen wurde der Weg zum Kurort mit Sole- und Moorheilbad geebnet. Die SaarowTherme gehört mittlerweile zu einer der beliebten Kureinrichtungen in der Hauptstadtregion.

Zwölf Stunden am Tag Geschichte von Bad Saarow aufgearbeitet

Zwei Jahre hat die Arbeit an der dreiteiligen Chronik gedauert, berichtet Lutz Storr. Unterstützung erhielt er von Vereinschefin Beate Müller, der Wissenschaftlerin Ute Mohrmann und unzähligen anderen Mitstreitern. „An manchen Tagen habe ich bis zu zwölf Stunden daran gearbeitet“, sagt der 83 Jahre alte Storr. Er fuhr in Archive, sortierte Unterlagen, Fotos und Zeitungsausschnitte. Hilfreich seien auch Texte und Bilder einstiger Ausstellungen. „Unser Förderverein gibt zudem einen jährlichen Kalender heraus, der Bad Saarow gestern und heute zeigt“, sagt Lutz Storr. Diese Recherchen fließen in die drei Teile der Chronik ein.
Beate Müller und Lutz Storr vom Förderverein "Kurort Bad Saarow" e.V. präsentieren den soeben erschienenen ersten Teil der Chronik Bad Saarow zum 100-jährigen Bestehen der Gemeinde.
Beate Müller und Lutz Storr vom Förderverein „Kurort Bad Saarow“ e.V. präsentieren den soeben erschienenen ersten Teil der Chronik Bad Saarow zum 100-jährigen Bestehen der Gemeinde.
© Foto: Marcel Gäding
Vorstellung der Chronik „Teil I: Wann war was ?“, 26. Januar, 19 Uhr, Gemeindebibliothek, Ulmenstraße 15, Bad Saarow.