ÖPNV in Berlin-Spandau: Straßenbahn, Schwebebahn, Gondel – sind das nur verrückte Ideen?

Wird es in Spandau bald Gondeln geben? Im Bezirk von Berlin gibt es einige unkonventionelle Vorschläge, wenn es um die Frage nach dem Nahverkehr in der Zukunft geht. (Symbolbild)
Paul Zinken/dpaVisionäre Projekte könnten den Verkehr in Berlin-Spandau revolutionieren. U-Bahn- und Trampläne werden diskutiert – und Vorschläge wie von der Magnetschwebebahn unterbreitet. Ist die Umsetzung realistisch?
In einigen Punkten sind sich die Parteien CDU, SPD, Grün und FDP einig: Das S-Bahn-Netz muss ausgebaut werden, damit Falkensee und später auch Nauen (wie es bis 1961 war) wieder auf diesem Weg erreichbar sind. Einigkeit herrscht auch hinsichtlich der U-Bahn: Die U7 soll bis zur Heerstraße führen. Teile des dafür nötigen Tunnelwerkes liegen seit Jahren brach. Unterschiede gibt es jedoch bei den anderen (teils futuristisch) Vorschlägen der Fraktionen.
Forderung: Tram in Spandau reaktivieren
Zurück in die Zukunft geht es mit den Grünen und ihrem Vorschlag, die Tram in Spandau zu reaktivieren. Geprüft würde derzeit eine Linie vom Omnibusbahnhof an der Heerstraße gen Süden entlang der Potsdamer Chaussee bis nach Krampnitz, wo derzeit Wohnungen für mehr als 10.000 Menschen entstehen. Weitere Tramlinien wie beispielsweise von Siemensstadt über Gartenfelde und durch das Havelufer-Quartier bis zur Altstadt haben derzeit wenig Aussicht auf Realisierung, teilt Dara Kossok-Spieß, Fraktionsvorsitzende der Grünen in Spandau, auf Anfrage mit.
Dabei gibt es derzeit Bewegung hinsichtlich des Tram-Ausbaus im östlich gelegenen Reinickendorf. So beschloss der Berliner Senat Anfang des Jahres 2024, eine sieben Kilometer lange Tramlinie von der S-Bahnstation Jungfernheide über den Jakob-Kaiser-Platz zum Kurt-Schumacher-Platz zu führen. Somit wird das Wohn-, Bildungs- und Forschungsquartier mit 5000 Wohnungen und 20.000 Arbeitsplätzen, welches auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel entstehen soll, besser an den ÖPNV angebunden.
Während sich auch die Spandauer SPD-Fraktion für den Tram-Ausbau zumindest im Norden des Bezirkes ausspricht (sowie für die Weiterführung der Siemensbahn), ergeben sich für die Fraktionsvorsitzende Ina Bittroff Übereinstimmungen mit den ambitionierten Plänen der Berliner CDU. So träumt nicht nur der Berliner Bürgermeister Kai Wegner (CDU) von einer Magnetschwebebahn in der Stadt. Sie persönlich könnte sich eine Pilotstrecke der Magnetschwebebahn entlang der Heerstraße vorstellen.

Eine Tram fährt von den Arcaden zum Rathaus. Während der ursprüngliche Plan auch ein Tram-Netz im Norden des Bezirkes vorsah, wird derzeit geprüft, ob eine Linienführung vom Omnibusbahnhof nach Krampnitz realisiert werden kann.
Paul Zinken/dpa/Schubert/LeichsenringAuf der Bundesstraße kommt es zu den Stoßzeiten regelmäßig zu Staus. Aber auch die Anbindung des Spandauer Südens und damit der brandenburgischen Landeshauptstadt Potsdam wäre damit aus ihrer Sicht möglich.
Ina Bittroff schwebt dabei ein System des Unternehmens Max Bögl vor, mit dem sie sich länger intensiv beschäftigt hat. Vorteile biete die neue Technik, weil sie eine vergleichsweise kurze Bauzeit beanspruche. Bei den Magnetschwebebahnen könne auch über eine automatisierte Fahrweise nachgedacht werden, sodass es keine Probleme bei der Suche nach geeignetem Fachpersonal geben würde.
Vom Rathaus mit der Gondel nach Kladow
Ähnlich argumentieren die Freien Demokraten (FDP), die sich Gondeln vorstellen, welche an Drahtseilen über die Hauptverkehrsachsen schweben. Zwei Linienführungen soll es geben. Von der derzeit entstehenden Neubausiedlung Gartenfeld soll die Strecke über den Falkenseer Platz zum Rathaus führen. Von dort ginge die Strecke weiter Richtung Süden, würde die Gleise am Bahnhof kreuzen und über die Klosterstaße, Wilhelmstraße und Gatowerstraße zur Heerstraße führen. Endhaltestelle wäre jedoch in Kladow an der Immchenallee.

Gondeln vor dem Rathaus: So oder so ähnlich könnte die Idee der FDP-Fraktion in Spandau aussehen. Die Strecke soll bis nach Kladow führen.
nerthuz/stock.adobe.com/Schubert/LeichsenringEine zweite Hochseilbahn soll vom Falkenseer Platz über die Falkenseer Chaussee bis zur Stadtgrenze führen. Laut FDP Spandau handele es sich um ein bereits erprobtes und bewährtes Transportsystem.
Tatsächlich gibt es in Deutschland jedoch keine Stadt, in der Seilbahnen im ÖPNV zur Anwendung kommen. Allerdings hat das Bundesministerium für Digitalisierung und Verkehr im Jahr 2019 den Arbeitskreis urbane Seilbahnen eingerichtet. Eine finanzielle Fördermöglichkeit ist an einen Nachweis der Wirtschaftlichkeit gekoppelt. Daran scheiterte ein ähnliches Projekt in München, da die Machbarkeitsstudie ergeben hatte, dass es sich nicht rechnet.


